Pflegekinderdienst im Kreis Unna: Eine neue Chance im Leben

Das Team vom Pflegekinderdienst mit Flyern voller Informationen für Pflegeeltern vor dem Dienstgebäude an der Hansastraße: (v.l.n.r.) Desiree Dettke, Eva Berger-Haschke, Stefanie Bendlin und Annika van der Graaf. (Foto: Max Rolke – Kreis Unna)

Das Team vom Pfle­ge­kin­der­dienst mit Flyern voller Infor­ma­tionen für Pfle­ge­el­tern vor dem Dienst­ge­bäude an der Han­sastraße in Unna: (v.l.) Desiree Dettke, Eva Berger-Haschke, Ste­fanie Bendlin und Annika van der Graaf. (Foto: Max Rolke – Kreis Unna)

Eine Erkran­kung, Sucht oder Miss­hand­lungen – die Gründe, warum Kinder bei Pfle­ge­el­tern unter­ge­bracht werden müssen, sind viel­fältig. 108 Kinder werden der­zeit vom Pfle­ge­kin­der­dienst des Kreises Unna betreut. Er berät auch poten­ti­elle Eltern, die sich für die Auf­nahme eines Kindes inter­es­sieren.

Der Kreis Unna ist in der Jugend­hilfe für Bönen, Frön­den­berg und Holzwickede zuständig und ver­mit­telt Kinder an Pfle­ge­el­tern. „Pfle­ge­el­tern sind Wahl-Eltern, die einem Kind oder Jugend­li­chen eine neue Chance im Leben geben“, sagt Eva Berger-Haschke vom Pfle­ge­kin­der­dienst. Eine ver­ant­wor­tungs­volle Auf­gabe, weiß sie aus Erfah­rung: „Gerade die Klein­sten brau­chen Zeit, Zuwen­dung und Zunei­gung.“

Die Eltern

Die Eltern, die Pfle­ge­kinder auf­nehmen, haben einen ganz unter­schied­li­chen Hin­ter­grund. So haben einige Pfle­g­el­tern eigene Kinder und möchten helfen. Andere sind schon im Ren­ten­alter und haben eine große Erfah­rung mit Pfle­ge­kin­dern: „Unsere älte­sten Pfle­ge­el­tern sind Mitte 70 und haben im Laufe vieler Jahre meh­rere Kinder betreut.“

Auch min­der­jäh­rige Flücht­linge finden bei Pfle­ge­el­tern Zuflucht: Ein Junge aus dem Jemen, aus einem Kri­sen­ge­biet, lebt seit Jahren bei einer Familie. Er konnte seine neue Chance nutzen und ist gut inte­griert. Er besucht ein Gym­na­sium. 50 Pfle­ge­kinder leben bei Fami­lien in Frön­den­berg, 38 in Bönen und zehn in Holzwickede. Die zehn übrigen Kinder leben in ver­schie­denen Städten außer­halb des Kreises.

Die Kinder

Alle Kinder sind in der Schul- oder Berufs­aus­bil­dung. Das jüngste Pfle­ge­kind ist fünf Monate alt. Das älteste 21 und hat dieses Früh­jahr trotz Behin­de­rung die Aus­bil­dung abge­schlossen. Eine beson­dere Lei­stung, denn: „Bei allen Kin­dern ist zu beob­achten, dass sie durch die Pro­bleme in ihren Eltern­häu­sern Ein­schrän­kungen im Sozi­al­ver­halten sowie der kogni­tiven und kör­per­li­chen Ent­wick­lung haben“, berichtet Berger-Haschke.

Die mei­sten kennen kein geord­netes Fami­li­en­leben, All­tags- oder Jah­res­struk­turen mit Geburts­tagen oder Festen. „Sie kennen kein Schwimmbad, keinen Zoo“, sagt Berger-Haschke. Viele haben zudem Pro­bleme durch den Alko­hol­konsum der Mutter in der Schwan­ger­schaft. „Gerade am Anfang sind daher die Pfle­ge­el­tern gefor­dert, den Kin­dern Halt zu geben und die Kinder in die Familie zu inte­grieren und zu för­dern“, sagt Berger-Haschke.

Der Pflegekinderdienst

Dabei hilft der Pfle­ge­kin­der­dienst. Er berät und betreut die Fami­lien. Es gibt ein Fort­bil­dungs- und Frei­zeit­pro­gramm. „Wir schulen die poten­ti­ellen Pfle­ge­el­tern und bieten unver­bind­liche erste Infor­ma­ti­ons­ge­spräche an“, so Berger-Haschke. Da die Auf­gabe eine große Her­aus­for­de­rung für die gesamte Familie ist, muss der Schritt, ein Pfle­ge­kind auf­zu­nehmen, gut über­legt sein. Bei diesen Über­le­gungen unter­stützt das Team des Pfle­ge­kin­der­dien­stes im Kreis Unna.

Wei­tere Infor­ma­tionen gibt es unter www.kreis-unna.de (Sucht­wort „Pfle­ge­kin­der­dienst“). Dort sind auch viele wei­tere Infor­ma­tionen für Pfle­ge­el­tern zum Her­un­ter­laden zu finden. (PK | PKU)

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