Neun Monate Haftstrafe zur Bewährung für Felgendiebstahl in Holzwickede

Weil er in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni vorigen Jahres von einem in der Stein­straße in Holzwickede geparkten BMW vier Leicht­me­tall­felgen samt Reifen im Wert von ins­ge­samt rund 4.000 Euro gestohlen hatte, musste sich der 22-jäh­rige Schwerter T. heute (31.3.) vor dem Amts­ge­richt Unna wegen eines beson­ders schweren Falls des Dieb­stahls ver­ant­worten. Mit­an­ge­klagt war der 24-Jäh­rige Z., der mit seinem alten Kumpel T. in der Tat­nacht von der Polizei auf dem Weg zu den gestoh­lenen Felgen erwischt wurde.

Mit dem Tat­vor­wurf kon­fron­tiert, räumte T. den Dieb­stahl der Felgen klein­laut ein. Er habe damals „eine schwie­rige Zeit“ durch­ge­macht und drin­gend Geld benö­tigt, weil die Arbeits­agentur ihm schon seit elf Monaten das Geld gesperrt und sein Ver­mieter ihn wegen Miet­rück­ständen auf die Straße setzen wollte. Den Dieb­stahl will T. ohne Kom­plizen ganz alleine begangen haben. Die Geschichte, die T. dem Gericht auf­tischte, war aller­dings voller Unge­reimt­heiten: So will er die gestoh­lenen Felgen mit einem kurz zuvor von ihm gekauften alten Pkw Ford Fokus abtrans­por­tiert haben, als ihn plötz­lich die Angst packte, ver­folgt und erwischt zu werden. Des­halb will er den Fokus mit dem Die­besgut in Holzen stehen lassen haben und von dort zu Fuß nach Hause in Schwerte gelaufen sein. Dort habe er seinen alten Kumpel Z. gebeten, mit ihm den Ford Fokus abzu­holen. Z. habe nicht geahnt, dass in dem Ford Fokus die gestoh­lenen Felgen lagen, ent­la­stete T. seinen Kumpel.

Der wollte heute zunächst gar nichts zum Sach­ver­halt sagen, weil er „gar nichts zu tun“ habe mit der Sache . Erst nach Vor­hal­tungen durch Richter Chri­stian Johann gab er immerhin wort­karg an, sehr ent­täuscht zu sein von seinem alten Kumpel, weil dieser ihn in diese Sache rein­ge­zogen habe. „Zumal bei meiner Ver­gan­gen­heit. Ich war ja schon mal ein Jahr im Gefängnis und habe mich seitdem geän­dert.“

Zeitungsbote bemerkt Verdächtige in Holzen

Was die Geschichte von T. für den Richter wenig glaub­würdig erscheinen ließ: Nach Aus­sagen der ver­schie­denen Zeugen vor Gericht war der Ford Fokus von T. nicht allein, son­dern gemeinsam mit zwei wei­teren Per­sonen gekauft worden. Und in der Tat­nacht hatte ein anderer Zeuge, ein Zei­tungs­bote, eben­falls drei ver­däch­tige Per­sonen bemerkt, die in Holzen zu früher Mor­gen­stunde zwi­schen par­kenden Autos her­um­schli­chen und sich ver­drückten, als sie ihn bemerkten. Als die Polizei dann eine knappe Stunde später ein­traf, ent­deckten die Beamten den abge­stellten Fokus, den T. mit gestoh­lenen Kenn­zei­chen bestückt hatte, samt den in Holzwickede geklauten Felgen.

In der Nähe trafen sie dann auch T. und Z. in einem Pkw Peu­geot an. Als die Beamten T. kon­trol­lieren wollten, ver­suchte er unge­schickt einen Fel­gen­schlüssel zu ver­stecken, der zu den gestoh­lenen BMW-Felgen passte und den er bei ebay gekauft haben will. Außerdem fanden die Beamten zwei paar Gar­ten­hand­schuhe, einen Wagen­heber und eine Hebel­ver­län­ge­rung in seinem Pkw.

Ein Geständnis ist immer gut. Aber ein gutes Geständnis ist etwas anderes.“

Richter Chri­stian Johann zum Ange­klagten T.

Für Richter Chri­stian Johann war die Geschichte von T. dann doch ziem­lich unglaub­würdig. „Ein Geständnis ist immer gut“, mahnte er T. „Aber ein gutes Geständnis ist etwas anderes.“ Was T. heute ein­ge­räumt habe, sei nur das, was sowieso nicht zu bestreiten gewesen war. Anson­sten habe er ent­weder seinen Kumpel Z. oder andere Kom­plizen decken wollen.

Mit seinem Urteil von neun Monaten Haft zur Bewäh­rung auf drei Jahre aus­ge­setzt und 200 Stunden gemein­nüt­ziger Arbeit für den Ange­klagten T. ging der Richter sogar noch etwas über den Antrag der Staats­an­walt­schaft hinaus. Der Ange­klagte Z. wurde frei­ge­spro­chen, weil ihm nichts zu beweisen war.

Aller­dings gab Richter Johann beiden Ange­klagten noch einen „Denk­zet­telt“ mit auf den Weg: Da T. nun­mehr ver­ur­teilt sei, habe er kein Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht mehr0 in einem wei­teren Ermitt­lungs­ver­fahren. Wei­gert sich T. also wei­terhin Angaben zur Sache und zu mög­li­chen Kom­plizen zu machen, muss er mit einer Ver­ur­tei­lung und Haft­strafe rechnen, denn auch die heute ver­hängte Bewäh­rung könnte dann wider­rufen werden.

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