Neue Runde im Streit um Entwicklung des Dortmunder Flughafens

Die Passagierzahglen am Dortmunder Flughafen sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen. (Foto: Peter Gräber)

Die Passagierzahlen am Dortmunder Flughafen sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Dennoch betrug das Defizit 17,4 Mio. Euro. (Foto: Peter Gräber)

Nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafen GmbH in der vergangenen Woche, in der Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager unter anderem Pläne zum weiteren Ausbau des Dortmunder Flughafens vorstellte, sehen sich Gegner und Befürworter des Dortmunder Flughafens durch jeweils unterschiedliche  Studien in ihrer Haltung bestärkt.

In der Aufsichtsratssitzung hatte Flughafen-Chef Udo Mager für das Geschäftsjahr 2014 eine positive Bilanz gezogen. Die Umsatzerlösen im Bereich Flugbetrieb (Avitation) und Dienstleistungen (Non-Avitation) seien ebenso gestiegen wie die Passagierzahlen. So habe der Umsatz 2014 mit 25,1 Millionen Euro um 2,6 Prozent über dem des Vorjahres 2013 gelegen, erklärte Mager. „Das Betriebsergebnis aus dem vergangenen Jahr gibt unserem Ziel, bis 2023 die schwarze Null zu erreichen, ein Gesicht. Ich bin auch weiterhin  zuversichtlich,  die  EU-Vorgaben bis dahin erfüllen zu können. Die  ersten,  gemeinsam  mit  der  Belegschaft  auf  den Weg gebrachten, Maßnahmen zur Erlössteigerung und Kostensenkung tragen bereits Früchte“, erklärte Mager weiter. Das Jahresergebnis 2014 von Minus 17,4 Millionen Euro sei das geringste Defizit  seit  2002.

Flughafengegner sehen sich in ihrer Haltung bestätigt

Die Flughafengegner sehen sich dagegen durch das erneute Millionendefizit in ihrer ablehnenden Haltung gegen den Flughafen bestätigt. Die Fraktion Die Linke & Piraten im Dortmunder Rat berufen sich zudem auf eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). „Nicht nur in Dortmund wurden in den vergangenen Jahrzehnten Millionenbeträge in den Ausbau des Regionalflughafens gesteckt“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Internetseite der Fraktion dazu. Auch die meisten anderen Regionalflughäfen seien nicht profitabel. Die Erwartung nach der Liberalisierung des Luftverkehrsmarktes in den 1990er Jahren vom rasanten Wachstum der Branche zu profitieren, habe sich nicht erfüllt, wie die RWI-Studie zeige. Das RWI befinde, dass im Gegensatz zu diesen großen Erwartungen heute fast alle Regionalflughäfen von massiven Subventionen abhängig sind und die Entscheidung der Europäischen Kommission, eben solche Subventionen ab dem Jahr 2024 zu verbieten, eine existenzielle Bedrohung einiger Flughäfen darstellt.

Auch die Hoffnung vieler Kommunalpolitiker, dass ein Regionalflughafen die regionale Wirtschaft fördert, wird von der Studie widerlegt“

Carsten Link,  finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke & Piraten, Dortmund

Carsten Link, Fraktion Die Linke & Piraten Dortmund

Carsten Link, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke & Piraten im Dortmunder Rat. (Foto: Die Linke)

„Auch die Hoffnung vieler Kommunalpolitiker, dass ein Regionalflughafen die regionale Wirtschaft fördert, wird von der Studie widerlegt“, so der finanzpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke & Piraten, Carsten Klink. Das regionale Wirtschaftswachstum werde laut des RWI nämlich nicht zusätzlich angeschoben, wenn es vor Ort einen Regionalflughafen gibt. „Die Ergebnisse bestätigen unsere Ansicht, dass es auch in Dortmund keine nennenswerten positiven Auswirkungen auf die Region gibt. Auch nicht bei den Arbeitsplätzen“, so Carsten Klink weiter. „Die Flughafen-Kommunen sind nicht wirtschaftlich stärker, weil sie einen Flughafen haben, sondern sie leisten sich einen Flughafen, weil sie wirtschaftlich stärker sind“, analysiert Ratmitglied Klink die RWI-Studie. Tatsächlich betrachtet die Studie Regionalflughäfen eher als Folge und nicht als Ursache regionaler Entwicklungen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung hatte für die Untersuchung 24 deutsche Landkreise mit mittelgroßen Flughäfen mit Regionen ohne Flughafen verglichen.

Flughafen-Chef: Gegner interpretieren RWI-Studie fehl

Dass die Fraktion Die Linke & Piraten die RWI-Studie als Argumentationsgrundlage nutzt, um die  weitere Entwicklung des Dortmunder Flughafens in Frage zu stellen, hält dagegen Flughafen-Geschäftsführer Udo mager für einen „untauglichen Versuch“. Die Flughafengegner interpretierten die RWI-Studie fehl, kritisierte Mager in einer Stellungnahme heute (16.6.).

„Bei  dem  interpretierten  wissenschaftliche  Artikel  ‚Ready  for Take-off? The Economic Effects of Regional Airport Expansion‘ von  Philipp  Breidenbach,  herausgegeben in den Ruhr Economic Papers der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und des Rheinisch-Westfälischen  Instituts  für  Wirtschaftsforschung  (RWI), handelt es sich um eine allgemeine Betrachtung der deutschen Luftverkehrslandschaft,  deren  Übertragbarkeit  auf  einzelne Flughäfen weder zulässig noch gewollt ist“, so der Geschäftsführer. „Hätte Die Linke vor ihrer Negierung der wirtschaftsrelevanten Effekte des Dortmund Airport den Autor danach gefragt, wäre sie der vorgenommenen Fehlinterpretation nicht erlegen.“

Hätte Die Linke vor ihrer Negierung der wirtschaftsrelevanten Effekte des Dortmund Airport den Autor danach gefragt, wäre sie der vorgenommenen Fehlinterpretation nicht erlegen.“

Udo Mager, Geschäftsführer Dortmund Airport

Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager. (Foto: Airport Dortmund)

Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager. (Foto: Airport Dortmund)

Die in der Studie enthaltenen Schlussfolgerungen beruhen auf Mittelwerten für insgesamt 24 deutsche Regionen, die speziell für  den  Vergleich  definiert  wurden.  Eine  Einzelbetrachtung  für die Region um Dortmund oder die Metropole Ruhr findet nicht statt.  Schon  deshalb  werden  Sondereffekte  nicht  mit  einbezogen. Dazu gehört  zum Beispiel, dass die mit dem Niedergang der  Montanindustrie  verbundenen  Arbeitsplatzverluste  im  Betrachtungszeitraum für Dortmund und die Region zu einer Ausgangsbasis  führen,  bei  der  die  Entwicklungszuwächse  diese Verluste  zunächst  einmal  kompensieren.  Darüber  hinaus  gehendes Wachstum ist demnach der Beleg für besondere Erfolge im Strukturwandel.

Dies  habe  zum  Beispiel  im  Jahr  2010  das  Institut  für Verkehrswissenschaft  (IVM)  der  Westfälischen  Wilhelms-Universität  Münster  festgestellt.  Dr. Robert  Malina  und  Florian Allroggen kamen in ihrer Untersuchung zu der Erkenntnis, dass allein in der Region über 3.300 Beschäftigte direkt und indirekt vom Dortmund Airport abhängen, und sich jährliche Wertschöpfungseffekte,  der  sogenannte  volkswirtschaftliche  Nutzen,  von rund 300 Millionen Euro ergeben. Im Übrigen habe auch die EU-Kommission bereits im Jahr 2014 deutlich gemacht, dass Dortmund Airport eine originäre Mobilitätsnachfrage in der Metropole  Ruhr  bedient  und  damit  zur  Entwicklung  und  zum  Strukturwandel in der Region beitrage.

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Dipl.-Journalist

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