Nach 41 Jahren: Kreis will Seniorenzmagazin „Unsere Zeitung“ sterben lassen

UZ Unsere Zeitung

Dem kreis­zen­tra­len Organ für Senio­ren “Unse­re Zei­tung” droht im 41. (!) Jahr ihres Bestehens die Ein­stel­lung. (Foto: pri­vat)

Dem kreis­zen­tra­len Organ für Senio­ren “Unse­re Zei­tung” droht im 41. (!) Jahr ihres Bestehens die Ein­stel­lung. Offen­bar hat sich das streich­kon­zer­tan­te Ensem­ble aus der Poli­tik über die Publi­ka­ti­on her­ge­macht und macht Ver­gleich­ba­res wie die Ver­le­ger in den soge­nann­ten “frei­en Wirt­schaft”. Aus Kosten­grün­den wird die Ein­stel­lung des Erschei­nens ins Auge gefasst.

Kennt man ja, auch im Kreis­haus, als dort zu Recht das fina­le Erschei­nen des “West­fä­li­schen Rund­schau” bejam­mert wur­de, weil damals noch der WAZ-Kon­zern sich die­se Zei­tung angeb­lich nicht mehr lei­sten konn­te. Nun wer­den sol­che Begrün­dun­gen nicht dadurch schlüs­si­ger weil sie von der man­geln­den Weit­sicht eini­ger Weni­ger wie­der­holt wer­den. Auch nicht dadurch, weil sie einer poli­ti­schen Ein­sicht fol­gen. Wer eine Ver­öf­fent­li­chung ein­stellt und das mit schie­ren Kosten begrün­det, trägt zur Ver­ar­mung der ohne­hin schon sie­chen Medi­en­land­schaft bei. Das gilt für die “UZ” genau so wie für eine “WR” oder die vie­len ande­ren Zei­tun­gen, die es in die­sen Tagen noch erwi­schen wird.

Ein­zi­ger Unter­schied: Im Gegen­satz zu den zu Recht geschol­te­nen Ver­le­gern muss der Kreis Unna kein Geld mit sei­ner Ver­öf­fent­li­chung ver­die­nen. Ande­rer­seits muss er auch nicht so schreck­lich viel Geld für das Blatt aus­ge­ben. Redi­giert seit vie­len Jah­ren die viel­be­ach­te­te Senio­ren­zei­tung des Krei­ses Unna, die von Land­rat Micha­el Makio­la her­aus­ge­ge­ben wird: der ehe­ma­li­ge Kreis­pres­se­spre­cher und jour­na­li­sti­sche Pro­fi Egbert Tei­mann.

Auflage von 7.500 Stück droht der Rotstift

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Redi­giert seit vie­len Jah­ren die viel­be­ach­te­te Senio­ren­zei­tung des Krei­ses Unna: der jour­na­li­sti­sche Pro­fi Tei­mann. (Foto: pri­vat)

Die Senio­ren­zei­tung des Krei­ses Unna kam vor­aus­schau­end auf einen Markt, des­sen demo­gra­fi­sches Wachs­tum damals schon erkenn­bar war. Wil­helm Schirr­manns aus Dort­mund war qua­si der Grün­der­va­ter. Als der starb, über­trug der dama­li­ge Ober­kreis­di­rek­tor und Her­aus­ge­ber der “UZ”, Karl-Hein­rich Land­wehr, sei­nem Pres­se­spre­cher Egbert Tei­mann die Redak­ti­on. Sie – kräf­tig unter­stützt vom legen­dä­ren Land­rat Fritz Böck­mann – schaff­ten es, einem noch unter­schätz­ten Bevöl­ke­rungs­teil nach­hal­tig ein Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mo­ment und eine les­ba­re Stim­me zu geben. Das war durch­aus klug, auch dass damals ein Chef­re­dak­teur gewählt wur­de, der rich­tig was von sei­nem Fach ver­stand: Egbert Tei­mann, amtie­ren­der Pres­se­spre­cher des Krei­ses mit höchst­wer­ti­gen Sta­tio­nen im Berufs­le­ben – von der oft zitier­ten “WR” über den “WA” bis hin zur Pres­se­stel­le der SPD-Frak­ti­on im Deut­schen Bun­des­tag (damals noch in Bonn und unter der Füh­rung von Her­bert Weh­ner).

Ist doch was, oder? Blei­ben wir bei den eher dumpf­backi­gen Umgangs­for­men von heu­te. Das Iden­ti­fi­ka­ti­ons­or­gan (Druck­auf­la­ge 7.500) einer nach wie vor wach­sen­den Bevöl­ke­rungs­grup­pe (die im Übri­gen noch bereit ist Papier­nes zu lesen) droht auf dem Altar der Kon­so­li­die­rung eines Haus­hal­tes geop­fert zu wer­den. Ziem­lich hoh­ler Ansatz. Wobei die Kon­so­li­die­rungs­be­mü­hun­gen sicher nötig sind, aber ob das Opfer “UZ” wirk­lich kriegs­ent­schei­dend sein wird, bezwei­fe­le ich doch sehr.

Es han­delt sich der­zeit um rund 15.000 Euro im Jahr, die durch regel­mä­ßig erschei­nen­de Anzei­gen zu einem erkleck­li­chen Teil refi­nan­ziert wer­den. Auch wenn es gera­de eine Mode­er­schei­nung sein mag, Publi­ka­tio­nen gleich wel­cher Art den Gar­aus zu machen, dem klug-weit­sich­ti­gen Kreis hät­te ich da ande­re Über­le­gun­gen als sol­che Kurz­sich­tig­keit zuge­traut.

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