Mutmaßlicher Fahrraddieb entpuppt sich vor Gericht als Unschuldslamm

Dass man auch voll­kommen unschuldig wegen Dieb­stahls auf der Ankla­ge­bank eines Gerichtes landen kann, musste ein 31-jäh­riger Mann aus Berg­kamen erfahren, gegen den heute die Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt Unna eröffnet wurde, weil er am 24. März vorigen Jahres gegen 18 Uhr aus einem Keller in der Hans-Böckler-Straße 11 in Holzwickede ein Her­renrad gestohlen haben soll.

Was soll ich sagen“, zuckte der Ange­klagte mit den Schulter, als ihn die Amts­rich­terin zum Auf­takt der Ver­hand­lung bat, sich zum Tat­vor­wurf zu äußern: „Ich weiß gar nicht, was hier mache. Ich habe mit der ganze Sache nix zu tun. Ich war nicht in Holzwickede und ver­kehre dort auch nicht. Und was soll ich mit einem Fahrrad? Ich bin Rol­ler­fahrer.“

Nun soll es ja schon vor­ge­kommen sein, dass ein Ange­klagter vor Gericht das Unschulds­lamm mimt. Doch in diesem Fall gab es auch einen 32-jäh­rigen Zeugen, der den Täter zur Tat­zeit gesehen hatte und „zu 60 Pro­zent sicher“ wie­der­kennen würde. „Nur zu 60 Pro­zent des­halb, weil es dunkel war und Mann etwa 30 Meter weit weg war“, so der Zeuge heute. Zwar musste seine Aus­sage von einer Dol­met­scherin über­setzt werden, weil er der deut­schen Sprache nicht ganz mächtig ist. Seine Aus­sage war den­noch unmiss­ver­ständ­lich: „Das ist hun­dert­pro­zentig nicht die Person, die das Fahrrad gestohlen hat“, erklärte der Zeuge mit Hin­weis auf den Ange­klagten. Der Täter habe eher süd­län­disch aus­ge­sehen. Außerdem zeigten auch die Fotos, die von den Ermitt­lungs­be­amten den Akten bei­gelegt wurden, eine andere Person als die, die er sei­ner­zeit bei der Polizei als Täter iden­ti­fi­ziert habe, erklärte der Zeuge weiter.

Bei dieser Aus­sage fiel dem Ange­klagten sicht­lich ein Stein vom Herzen. Noch mehr erleich­tert dürfte der Berg­ka­mener gewesen sein, als der Staats­an­walt nach der Zeu­gen­ver­neh­mung auf Frei­spruch wegen erwie­sener Unschuld plä­dierte und die Rich­terin ihm mit ihrem Urteil folgte. Die Kosten für das Ver­fahren trägt die Staats­kasse.

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