Mundraub im Norma bringt Angeklagten schon vor dem Urteil in Haft

Weil er am 9. Sep­tem­ber vori­gen Jah­res im Nor­ma an der Bahn­hof­stra­ße Lebens­mit­tel im Wert von 36,60 Euro in sei­nen Ruck­sack stopf­te und damit ohne zu bezah­len ver­schwin­den woll­te, musst sich der 57-jäh­ri­ge Marek S. heu­te (19. März) wegen Dieb­stahls vor dem Amts­ge­richt Unna ver­ant­wor­ten.

Ein klas­si­scher Mund­raub und eigent­lich eine Lap­pa­lie — den­noch lan­de­te der Ange­klag­te schon vor der Ver­hand­lung heu­te für 30 Tage in Haft. Weil er zu den ersten ange­setz­ten Ver­hand­lungs­ter­mi­nen erst gar nicht erschie­nen war und sich auch nicht erklä­ren woll­te, war Amts­rich­ter Chri­sti­an Johann „auf Num­mer Sicher“ gegan­gen und hat­te den 57-Jäh­ri­gen bis zum neu­en Ter­min inhaf­tie­ren las­sen.

Dort saß der Ange­klag­te heu­te, flan­kiert von sei­nem Pflicht­ver­tei­di­ger und einer Dol­met­sche­rin.  Den Hin­weis des Rich­ters: „Sie hät­ten nicht ins Haft gemusst“, quit­tier­te er mit einem kur­zen Nicken. Die ihm vor­ge­wor­fe­ne Tat räum­te S. aber sofort ein. Reu­mü­tig ver­sprach er, dass so etwas nicht wie­der vor­kom­me. Als Motiv für den Dieb­stahl gab er an: Zur Tat­zeit sei er arbeits­los gewe­sen und habe noch kei­ne Unter­stüt­zung vom Amt bekom­men. „Ich hat­te kein Geld und Hun­ger.“

Für die­se Situa­ti­on zeig­te Rich­ter Chri­sti­an Johann sogar gewis­ses Ver­ständ­nis. „Wenn ich Hun­ger hät­te, wür­de ich das wohl auch tun. Ich wür­de dann aber auch bestraft.“  Aller­dings ist der Ange­klag­te nicht zum ersten Mal straf­fäl­lig gewor­den. Seit 2011 ist der 57-Jäh­ri­ge ins­ge­samt zehn Mal ein­schlä­gig quer durchs gan­ze Ruhr­ge­biet wegen Dieb­stäh­len teils auch zu län­ge­ren Haft­stra­fen ver­ur­teilt wor­den.

700 Euro Geldstrafe wegen Diebstahls

Zuletzt wohn­te er bei einem Bekann­ten in Unna, weil er die Mie­te für sei­ne eige­ne Woh­nung nicht mehr zah­len konn­te und die­se ver­lo­ren hat­te. Als monat­li­chen Ein­künf­te gab S. heu­te 300 Euro an, da er inzwi­schen Unter­stüt­zung erhält. „Wie soll es denn mit Ihnen wei­ter­ge­hen“, woll­te der Rich­ter von ihm wis­sen: „In ihrem Alter ist es nicht mehr so cool auf der Stra­ße zu leben.“

Eine über­zeu­gen­de Ant­wort hat­te der Ange­klagt nicht parat: Er kön­ne wie­der bei sei­nem Bekann­ten unter­kom­men und ver­su­che dann, sich nütz­lich zu machen, zu arbei­ten und etwas Geld zu ver­die­nen.

Wie soll es denn mit Ihnen wei­ter­ge­hen“? In ihrem Alter ist es auch nicht mehr so cool auf der Stra­ße zu leben.“

Fra­ge von Amts­rich­ter Chri­sti­an Johann an den Ange­klag­ten

Ob er die Stel­len ken­nen wo er Hil­fe bekom­men kön­nen, woll­te der Rich­ter wis­sen. „Nein, ich kom­me schon selbst zurecht“, so der Ange­klag­te. „Das glau­be ich eher nicht“, zeig­te sich Rich­ter Chri­sti­an Johann skep­tisch. „War­um steh­len Sie sonst Essen und leben auf der Stra­ße?“

Ange­sichts der lan­gen Vor­stra­fen­li­ste woll­te die Ankla­ge­ver­tre­te­rin das Ver­fah­ren nicht ein­fach ein­stel­len. „Mög­li­cher­wei­se käme sogar eine Frei­heits­stra­fe in Betracht.“ Doch weil der Ange­klag­te gestän­dig war und bei sei­ner Tat kein Scha­den ent­stan­den ist – die Ware ver­blieb im Nor­ma —  bean­trag­te sie nur eine Geld­stra­fe von 70 Tages­sät­zen a‘ zehn Euro. Der Ver­tei­di­ger von S. bat um ein mil­des Urteil.

Rich­ter Chri­sti­an Johann schloss sich mit sei­nem Urteil dem Antrag der Staats­an­walt­schaft an und ver­ur­teil­te den Ange­klag­ten zu einer Geld­stra­fe von 700 Euro. S. muss außer­dem die Kosten des Ver­fah­rens tra­gen. Der Haft­be­fehl gegen ihn wur­de auf­ge­ho­ben.

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visage

Dipl.-Journalist

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