Mit der Feuerwehr-Drehleiter auf Hindernisfahrt durch die Wohnquartiere

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Im Ernst­fall wäre wert­volle Zeit bei der Ret­tung von Men­schen­leben ver­loren gegangen: Dieser Anwohner im Amselweg musste sein Fahr­zeug umparken, weil das Dreh­lei­ter­fahr­zeug der Feu­er­wehr nicht durchkam. (Foto: Peter Gräber)

Wenn es brennt und Men­schen­leben in Gefahr sind, kommt es auf Sekunden an. Doch immer wieder ver­liert die Frei­wil­lige Feu­er­wehr der Gemeinde wert­volle Zeit, weil ohnehin enge Straßen und Wege zuge­parkt sind. Nicht immer geschieht das vor­sätz­lich. Oft ist es ein­fach nur Gedan­ken­lo­sig­keit. Im Ergebnis ist es für die Feu­er­wehr, die sich mit ihren großen Fahr­zeugen fest­fährt, das­selbe: Sie kommt womög­lich nicht recht­zeitig zum Ein­satzort.

Weil oben­drein die Mit­ar­beiter des Ord­nungs­amtes der Gemeinde auch noch auf Unver­ständnis stoßen, wenn sie Falsch­parker auf das Pro­blem auf­merksam machen, haben sich Feu­er­wehr­füh­rung und Ord­nungsamt am Sams­tag­morgen (6. Februar) zu einer ganz beson­deren Aktion ent­schlossen. Mit ihrem großen Dreh­lei­ter­fahr­zeug fuhr die Feu­er­wehr, begleitet von Kräften des Ord­nungs­amtes, einige neur­al­gi­sche Straßen ab, um auf ihre Pro­bleme auf­merksam zu machen. Für einige Anlieger, die unsanft mit Blau­licht und Sirene aus der Mor­gen­ruhe gerissen wurden, war der mor­gend­liche Ein­satz lehr­reich. Oder, wie es ein Anlieger for­mu­lierte: „Nicht aus­zu­denken, wenn das jetzt ein Ernst­fall gewesen wäre.“

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Im Rosenweg muss das Feu­er­wehr-Fahr­zeug auf dem Gehweg fahren und kann die Kurve trotzdem kaum kriegen. (Foto: Gräber)

Gleich­zeitig ver­teilten die Kräfte des Ord­nungs­amtes Hand­zettel in der Nach­bar­schaft. „Wir helfen gerne – wenn man uns lässt“, infor­mierte die Feu­er­wehr darin, die 24 Stunden und 365 Tagen im Jahr parat steht und durch­schnitt­lich 150 Ein­sätze im Jahr fährt. Inner­halb von spä­te­stens acht Minuten muss die Feu­er­wehr am Ein­satzort sein und ist es nor­ma­ler­weise auch. Wenn keine Hin­der­nisse unter­wegs im Weg stehen.

Unab­hängig von etwaigen Park- oder Hal­te­ver­boten muss eine gesetz­lich vor­ge­schrie­bene Min­dest­breite auf den Straßen von drei Metern ein­ge­halten werden. „Das ist schon wenig genug, wenn man bedenkt, dass unser Dreh­lei­ter­fahr­zeug 11 m lang, 2,50 m breit und 3,20 m hoch ist“, meint der stell­ver­tre­tende Gemein­de­wehr­führer, Werner Kohl­mann.

Zu geringe Durch­fahrts­breiten und zuge­stellte Hydranten sind gerade in den Wohn­quar­tieren von Holzwickede häufig der Grund, warum die Feu­er­wehr wert­volle Zeit ver­liert. „Dabei kann im Ernst­fall jede Sekunde über Men­schen­leben ent­scheiden“, weiß Uwe Det­lefsen, Erster Bei­geord­neter der Gemeinde.

Im Ernstfall geht es um Sekunden bei der Menschenrettung

Keine Alter­na­tive ist es für Auto­fahrer, auf den Gehweg aus­zu­wei­chen. Denn das Parken auf dem Gehweg ist laut Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung nicht erlaubt. Aus gutem Grund: Der Gehweg ist aus­schließ­lich Fuß­gän­gern vor­be­halten. Eine Min­des­breite muss so bemessen sein, dass Roll­stuhl­fahrer oder Mütter mit Kin­der­wagen noch pas­sieren können.

In ihren Flyern appel­liert die Gemeinde des­halb an die Bürger:

  • Min­de­stens drei Meter Durch­fahrts­breite für Feu­er­wehr und Ret­tungs­wagen halten
  • Fünf Meter Abstand von Kreu­zungen und Ein­mün­dungen halten
  • Nicht vor Hydranten oder auf Schacht­deckeln parken
  • Min­de­stens 1,20 m Geh­weg­breite halten

Wenn das nicht mög­lich ist“, so Uwe Det­lefsen, „dann ist jedem zumutbar, dass er auch mal ein paar Meter laufen muss.“

Die mei­sten Anwohner, die bei der Feu­er­wehr­übung heute auf­merksam wurden zeigten denn auch Ver­ständnis. „Die par­kenden Autos hier sind wirk­lich ein Pro­blem“, bestä­tigte etwa Detlev Spitter aus dem Rosenweg. „Vor zwei Jahren steckte hier ein Kran­ken­wagen im Ein­satz fest.“

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Beim Ein­satz im Korn­blu­menweg geht es mit dem Dreh­lei­ter­fahr­zeug um Mili­meter – und leider viel zu oft auch gar nicht. Wenn jetzt der Dach­stuhl des Falsch­par­kers brennen würde… (Foto: Peter Gräber)

Auch Volker Bange aus dem Rosenweg findet die Aktion der Gemeinde zur Sen­si­bi­li­sie­rung der Anwohner gut. „Es muss tat­säch­lich etwas getan werden hier. Und am Sams­tag­morgen erreicht man auch die Leute.“ Aller­dings gibt Volker Bange auch zu Bedenken, dass zu jedem Haus­halt inzwi­schen zwei bis drei Autos gehören und durch die vielen Ein- und Zufahrten Park­plätze recht knapp geworden sind am Rosenweg. Er selbst habe des­halb auf seinem Grund­stück wei­tere Stell­plätze schaffen wollen. „Die büro­kra­ti­schen Hürden waren aller­dings enorm hoch.“

Auch im Korn­blu­menweg ging es heute um Zen­ti­meter. „Im Ernst­fall hätten wir hier sehr viel wert­volle Zeit ver­loren“, bestä­tigt Feu­er­wehr­chef Jürgen Luh­mann. Immerhin gelang es nach minu­ten­langem Ran­gieren seinem Stell­ver­treter, Werner Kohl­mann, mit dem Dreh­lei­ter­fahr­zeug die ver­schie­denen Eng­stellen zu pas­sieren. Im Amselweg ging dagegen gar nichts mehr. Dort musste ein Anwohner unsanft mit der Sirene geweckt werden, damit er seinen Pkw umsetzen konnte. Dabei hätte der durchaus auf der Fahr­bahn vor dem Haus parken dürfen – wenn er die drei Meter Min­dest­breite ein­ge­halten hätte. Reu­mütig und in kurzer Hose parkte der Anlieger sein Auto um. „Das hat uns etwa zehn Minuten geko­stet“, sagt Uwe Det­lefsen.

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Wollen die Bürger mit ihrer Aktion sen­si­bi­li­sieren, v.l.: Bei­geord­neter Uwe Det­lefsen mit den Mit­ar­bei­tern des Ord­nungs­amtes Ste­fanie Hein­rich, Jürgen Kügler, Martin Malaschewski und Sarah Mohr. (Foto: Peter Gräber)

Zum Abschluss fuhr der Dreh­lei­ter­wagen dann auch noch einmal durch die Neue Caro­line, wo im Port­landweg inzwi­schen auch Stell­plätze pro­vi­so­risch abmar­kiert wurden. „Offenbar auch einige zuviel, wie wir bei der Fahrt heute fest­ge­stellt haben“, so Det­lefsen weiter. „Wenn wir dort das Parken erlauben würden, käme die Feu­er­wehr nicht mehr durch.“

Die Bilanz der Ver­ant­wort­li­chen nach der Aktion heute Morgen: „Die Situa­tion war heute unty­pisch. Nor­ma­ler­weise sind die Weg schlimmer zuge­parkt“, betont Feu­er­wehr­chef Jürgen Luh­mann. „Trotzdem war die Aktion ein Erfolg und wir werden sie auch wie­der­holen“, meint der Bei­geord­nete Uwe Det­lefsen. „Dann aber werk­tags nach 17 Uhr. Um diese Zeit hatten wir näm­lich einen ganz anderen Ein­druck als heute.“ Doch auch die Gemeinde und Feu­er­wehr habe bei der Aktion heute etwas gelernt: „Wir werden den einen oder anderen Stell­platz wieder ent­fernen müssen. Außerdem werden wir über einige bau­liche Ver­än­de­rungen nach­denken und viel­leicht auch einige Straßen zusätz­lich in den Win­ter­dienst nehmen müssen.“

Eine Kon­se­quenz steht für das Ord­nungsamt der Gemeinde schon heute fest: „Wir werden es künftig nicht mehr bei Appellen belassen, son­dern auch Knöll­chen schreiben“, kün­digt Uwe Det­lefsen an.

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