Lange Tradition endet: Finales Abschmücken der Kompanie Altes Dorf im Dorfkrug

Letztes Treffen der Kom­panie Altes Dorf zum Abschmücken im Dorf­krug, v.li.: Joa­chim Bach­mann mit seinem Vater Ernst-August, Karin Jende und Her­bert Rob­bert. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Es gibt wohl kein zweites Gebäude in der Emscher­ge­meinde, das so eng mit dem Schüt­zen­wesen in Holzwickede ver­bunden ist, wie das Haus Goe­the­straße 62. Hier im Saal der Gast­stätte Zum Dorf­krug berief Konrad Schmul­bach 1951 die Grün­dungs­ver­samm­lung der Kom­panie Altes Dorf ein – der älte­sten Kom­panie im Bür­ger­schüt­zen­verein Holzwickede. Seitdem ist der Dorf­krug unun­ter­bro­chen Ver­eins­lokal, Ver­samm­lungsort und Heim­statt für die Kom­panie Altes Dorf. Gestern Abend (9.7.) endete diese Tra­di­tion: Die Kom­panie Altes Dorf traf sich ein letztes Mal in ihrem Ver­eins­lokal zum finalen Abschmücken.

Der erste Haupt­mann unserer Kom­panie war damals mein Opa August“, erzählt der aktu­elle Haupt­mann der Kom­panie, Joa­chim Bach­mann. 1993 war der Enkel in dieser Funk­tion in die Fuß­stapfen seines Opas getreten. Offenbar liegt das Schüt­zen­wesen in den Genen der Bach­manns ver­an­kert. Denn auch der Vater von Joa­chim Bach­mann, Ernst-August Bach­mann, trug den grünen Rock und war viele Jahre lang stell­ver­tre­tender Kom­pa­nie­führer. Und natür­lich ist auch die nächste Genera­tion der Familie schon bei den Schützen im Alten Dorf ziem­lich aktiv.

Für Joa­chim Bach­mann ist das Gebäude mit dem Dorf­krug mehr als nur das Ver­eins­lokal seiner Kom­panie. „Es ist auch mein Eltern­haus, hier bin ich auf­ge­wachsen.“ Im Jahr 2001 ver­kauften seine Eltern das Haus an Renate und Her­bert Rob­bert. Danach führte zunächst Karin Jende die Tra­di­ti­ons­gast­stätte einige Jahre lang. Die beliebte Ver­eins­wirtin übergab den Zapf­hahn anschlie­ßend an Alfred Sche­bera, der den Dorf­krug drei Jahre lang führte und der letzte Wirt war.

Vereinslokal war echter Glücksfall für Kompanie

Das letzte Foto der Kom­panie Altes Dorf vor dem ehe­ma­ligen Ver­eins­lokal Zum Dorf­krug. (Foto: privat)

Mit allen Ver­eins­wirten sind die Schützen, aber auch andere Ver­eine wie die TGH oder der TuS Elch, wun­derbar aus­ge­kommen. „Wir haben früher sogar hier im Saal geschossen“, erin­nert Joa­chim Bach­mann. „Wir hatten da einen Luft­ge­wehr­stand, für den wir zehn Meter Abstand benö­tigten. Die hatten wir auch genau.“ Doch mit dem Schießen war es bereits ein halbes Jahr nachdem Alfred Sche­bera den Dorf­krug über­nommen hatte vorbei. Seit gut einem Jahr war die Tra­di­ti­ons­gast­stätte auch schon nur noch zu beson­deren Anlässen geöffnet – ein langer Abschied auf Raten.

Für die Kom­panie Altes Dorf ist ihr Ver­eins­lokal in all den Jahren ein echter Glücks­fall gewesen. „Wenn wir hier im Garten gefeiert haben, dann haben wir unsere Sachen anschlie­ßend ein­fach in den Keller geräumt und fertig“, meint Joa­chim Bach­mann. „Das geht nicht mehr so bequem in Zukunft. So ein Ver­eins­lokal wie bisher werden wir nur sehr schwer wie­der­finden können“, weiß der Haupt­mann. Im Grunde haben sich die Schützen aus dem Alten Dorf auch schon damit abge­funden, kein Ver­eins­lokal mehr zu haben. „Wir kriegen das schon irgendwie anders auf die Reihe“, ist Joa­chim Bach­mann sicher. „Die grö­ßeren Feiern werden wir bei dem einen oder anderen unserer Mit­glieder, das Platz dafür hat, durch­führen.“

Wir haben heute auch zwei neue Mit­glieder auf­nehmen können.“

Joa­chim Bach­mann

Am Diens­tag­abend kamen noch einmal viele Mit­glieder und Gäste, um sich bei Lecke­reien vom Grill und kühlen Getränken im Garten vom Dorf­krug zu ver­ab­schieden. Auch Karin Jende, Renate und Her­bert Rob­bert und die Eltern von Joa­chim Bach­mann schauten vorbei. Selbst­re­dend fei­erten auch Karl-Heinz Pakusch und seine Frau Karin mit, seit Montag das neue Kai­ser­paar der Bür­ger­schützen und eben­falls Mit­glied der Kom­panie Altes Dorf.

Heute geht hier eine lange Tra­di­tion zu Ende“, sagte Haupt­mann Joa­chim Bach­mann bei der Begrü­ßung der Gäste zum Abschmücken am Diens­tag­abend. Sorgen um die Kom­panie Altes Dorf muss sich aller­dings nie­mand machen. Die Kom­panie, die aktuell 60 Mit­glieder zählt, ist leben­diger denn je: „Wir haben heute auch wieder zwei neue Mit­glieder auf­nehmen können“, freute sich der Kom­pa­nie­führer.

Heute Vor­mittag (10. Juli) trafen sich dann einige Schützen, um die letzten Gerät­schaften der Kom­panie aus dem Keller und Schuppen des ehe­ma­ligen Ver­eins­lo­kals aus­zu­räumen und abzu­trans­por­tieren. Der neue Eigen­tümer des Gebäude Goe­the­straße 62 wird den Dorf­krug umbauen und dort eine Woh­nung ein­richten.

Räumungsparty im Dorfkrug für den guten Zweck

Am kom­menden Sonntag (14. Juli) von 11 bis 16 Uhr laden Renate und Her­bert Rob­bert zur großen Räu­mungs­party in den Dorf­krug ein. Das gesamte Inventar, von den Glä­sern bis zu den Möbeln, steht zum Ver­kauf. Ewer also noch schnell ein Erin­ne­rungs­stück aus der Tra­di­ti­ons­gast­stätte oder auch einen Gebrauchs­ge­gen­stand ergat­tern will, sollte sich diesen Termin notieren. „Der größte Teil des Erlöses ist für den Verein ‚Wir für Holzwickede‘ bestimmt“, sagt Renate Rob­bert.

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