Landrat regt Modellregion Ruhrgebiet an: Arbeit statt Arbeitslosigkeit bezahlen

 Landrat Makiolla (Mitte) und andere Verwaltungschefs im Ruhrgebiet wollen ein Förderprogramm zur Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit. Foto: Thomas Schmidt

Landrat Makiolla (Mitte) und andere Ver­wal­tungs­chefs im Ruhr­ge­biet wollen ein För­der­pro­gramm zur Redu­zie­rung der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit. (Foto: Thomas Schmidt)

(PK) Die Arbeits­lo­sig­keit sinkt, die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäf­tigten steigt. Doch für die, die Arbeits­lo­sig­keit in zweiter oder dritter Genera­tion erleben, ändert sich meist wenig. Landrat Makiolla und andere Ver­wal­tungs­chefs im Ruhr­ge­biet wollen das ändern.

Wir machen uns für ein För­der­pro­gramm stark, dass die in man­chen Fami­lien über Genera­tionen hinweg ver­fe­stigte Arbeits­lo­sig­keit knackt“, erläu­tert Landrat Michael Makiolla. Ver­ab­redet wurde die par­tei­über­grei­fende Initia­tive bei einem Treffen am Mitt­woch in Herne zwi­schen den Haupt­ver­wal­tungs­be­amten im Ruhr­ge­biet und Karola Geiß-Nett­höfel, der Regio­nal­di­rek­torin des Regio­nal­ver­bands Ruhr (RVR).

Bis Juni soll von Ver­wal­tungs­fach­leuten der Ruhr­ge­biets­kreise und -städte ein Eck­punk­te­pa­pier als Grund­lage für die Dis­kus­sion mit dem Bund über die Schaf­fung der „Modell­re­gion Ruhr­ge­biet gegen Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit“ und ein pass­ge­naues För­der­pro­gramm erar­beitet werden.

Den Chancenlosen eine Chance geben

Die Bot­schaft ist klar. Die letzt­lich geschei­terten Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nahmen (ABM) alter Prä­gung mit Job­ver­tei­lung nach dem Gieß­kan­nen­prinzip sollen auf keinen Fall neu belebt werden. Viel­mehr soll ein Pro­gramm auf eine bestimmte Ziel­gruppe zuge­schnitten werden: „Wir wollen den Chan­cen­losen eine Chance geben“, so Landrat Makiolla.

Im Blick haben die Ver­wal­tungs­chefs dabei die­je­nigen, die seit Jahr­zehnten keine Berüh­rung und damit kei­nerlei Erfah­rung mit der Arbeits­welt und den für eine erfolg­reiche Berufs­tä­tig­keit gel­tenden Regeln wie etwa Auf­stehen, Pünkt­lich­keit oder Ver­läss­lich­keit bei der Auf­ga­ben­er­le­di­gung haben. Wichtig ist dem Landrat auch, das durch den ange­dachten „öffent­lich geför­derten Arbeits­markt keine Kon­kur­renz zum ersten Arbeits­markt ent­steht“.

Kosten­neu­tral wird so ein För­der­pro­gramm nicht werden. „Es ist aber immer besser, Arbeit zu finan­zieren als Arbeits­lo­sig­keit“, betont Landrat Makiolla. Der Kreis bezahlt Arbeits­lo­sig­keit vor allem über die Kosten der Unter­kunft für Bezieher von Arbeits­lo­sen­geld II mit.

Wenn der Bund über ein För­der­pro­gramm in sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tige Arbeit inve­stiert, bekommen nicht nur oft am Rande der Gesell­schaft ste­hende Men­schen ihre mög­li­cher­weise erste Chance zu arbeiten. Auch eine immer wieder auf­kom­mende Neid­dis­kus­sion wird ein­ge­dämmt“, ist der Chef der Kreis­ver­wal­tung Unna über­zeugt.

  • Hin­ter­grund: Die Zahl der ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäf­tigen im Kreis Unna stieg zwi­schen dem Stichtag 31.09.2014 und dem 31.09.2015 um genau 3.273 auf 122.175 (+2,8 Pro­zent).

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