Kreistag verabschiedet Haushalt für 2015: Kreisumlage auf 47,52 v.H. festgesetzt

Wilk (Small)

Kreis­di­rek­tor und Käm­me­rer Kreis­di­rek­tor und Käm­me­rer Dr. Tho­mas Wilk beim Ein­brin­gen sei­nes Haus­halts­ent­wurfs Anfang Novem­ber im Kreis­tag. (Foto: Kreis Unna)

(PK) Der Kreis­tag hat den Haus­halt für 2015 beschlos­sen. Bei einem Gesamt­vo­lu­men von rund 446,5 Mil­lio­nen Euro blei­ben die Sozi­al­auf­wen­dun­gen mit rund 270 Mil­lio­nen Euro größ­ter Aus­ga­be­po­sten. Der Hebe­satz der All­ge­mei­nen Kreis­um­la­ge liegt bei 47,52 v.H..

Ein­ge­bracht hat­te Kreis­di­rek­tor und Käm­me­rer Dr. Tho­mas Wilk den Haus­halt Anfang Novem­ber mit einem Hebe­satz von 47,95 v.H. (2014 = 46,7 v.H.). Mit der Sen­kung um 0,43 Pro­zent­punk­te gegen­über dem Ent­wurf reagier­te er auf zwi­schen­zeit­lich ein­ge­tre­te­ne Ent­la­stungs­ef­fek­te und arbei­te­te sie umge­hend — wie gegen­über den kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­ten und Gemein­den zuge­sagt – in den Haus­halt­plan 2015 ein.

Soziallasten

So will der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe (LWL) die vom Kreis ins­be­son­de­re für die Betreu­ung behin­der­ter Men­schen zu zah­len­de LWL-Umla­ge nicht so deut­lich erhö­hen wie noch bei Auf­stel­lung des Haus­halts­ent­wur­fes signa­li­siert. Der Hebe­satz soll nun viel­mehr bei 16,5 v.H. lie­gen (2014 = 16,3 v.H.). Das bedeu­tet unter dem Strich eine Ent­la­stung um rund 2,2 Mil­lio­nen gegen­über dem Ent­wurf.

Eben­falls ent­la­stend wirkt sich das Ein­sprin­gen des Lan­des bei der Wei­ter­fi­nan­zie­rung der Schul­so­zi­al­ar­beit aus. Statt 800.000 Euro müs­sen für 2015 „nur“ 540.000 Euro im Kreis­haus­halt für die Bezah­lung der Schul­so­zi­al­ar­bei­ter bereit­ge­stellt wer­den. So hoch ist der vom Kreis und den Städ­ten und Gemein­den zu schul­tern­de Eigen­an­teil.

Jugendamts-Umlage

Beschlos­sen vom Kreis­tag wur­de auch der Hebe­satz der dif­fe­ren­zier­ten Kreis­um­la­ge. Die­se Umla­ge wird von Bönen, Fröndenberg/Ruhr und Holzwicke­de für die Erle­di­gung der Jugend­amts­auf­ga­ben durch den Kreis gezahlt. Der Hebe­satz beträgt im kom­men­den Jahr 23,8275 v.H. (2014: 21,79547 v.H.).

Stellenplan

Eben­falls mit dem Haus­halt ver­ab­schie­det wur­de der Stel­len­plan der Kreis­ver­wal­tung für 2015, mit dem der Kreis sei­nen bereits vor Jah­ren ein­ge­schla­ge­nen per­so­nel­len Spar­kurs wei­ter fort­setzt. Aus­ge­wie­sen wer­den 2015 genau 749,5 Stel­len (2014: 752,9 Stel­len) Davon sind exakt 221,2 Stel­len (182) dritt­fi­nan­ziert und bela­sten damit nicht die von den kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­ten und Gemein­den zu zah­len­de Kreis­um­la­ge.

Stimmen aus den Fraktionen

SPD-Che­fin Bri­git­te Czieh­so unter­strich, dass die Städ­te und Gemein­den sowie der Kreis als kom­mu­na­le Fami­lie nach unzäh­li­gen Spar­run­den in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten „finan­zi­ell mit dem Rücken an der Wand ste­hen“. Weil die­se Mise­re nicht selbst gemacht sei, blei­be nur der drin­gen­de Appell an Bund und Land, so Czieh­so: „Über­nehmt end­lich die Kosten für die ver­brief­ten Sozi­al­lei­stun­gen!“

CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Wil­helm Jas­per­n­ei­te ver­kün­de­te für sei­ne Frak­ti­on das „Nein“ zum Haus­halt, weil es nach sei­ner Über­zeu­gung am Hand­lungs­wil­len man­ge­le und zu sehr an alten Struk­tu­ren fest­ge­hal­ten wer­de. Die CDU ver­fol­ge mit ihren Anträ­gen einen umfas­sen­den Poli­tik­an­satz und habe an genau die­sen Struk­tu­ren ange­setzt, denn: „Wir kön­nen uns kei­ne Aus­wei­tung von frei­wil­li­gen Aus­ga­ben lei­sten.“

Für die Frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen mach­te Her­bert Gold­mann klar, dass die Spar­be­mü­hun­gen nicht weit genug gin­gen: „Die Unfä­hig­keit einer poli­ti­schen Mehr­heit im letz­ten Kreis­tag, ihren Kon­so­li­die­rungs­bei­trag zu lei­sten, ist Aus­druck tief­grei­fen­der Igno­ranz der aktu­el­len Finanz­si­tua­ti­on.“ Sei­ne For­de­rung: „Loka­le Gren­zen über­win­den, koope­ra­ti­ve Pla­nungs­pro­zes­se, Auf­ga­ben­kri­tik, Stan­dards hin­ter­fra­gen.“

Für die Links­frak­ti­on signa­li­sier­te Wer­ner Sell ein „Ja“. Er stell­te aber fest, dass man trotz aller Spar­be­mü­hun­gen „auf kei­nen grü­nen Zweig“ kom­me. „Die Gei­ßel der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit hat uns im Wür­ge­griff.“ Sell mach­te außer­dem eine Unge­rech­tig­keit bei der Ver­ga­be der Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen nicht nur im Ver­gleich mit den kreis­frei­en Städ­ten, son­dern auch mit ande­ren Krei­sen aus.

Für die Frak­ti­on von GfL-Lünen / UWG Selm mach­te Maria Lip­ke deut­lich, dass „gewach­se­ne kul­tu­rel­le Güter“ wie die Neue Phil­har­mo­nie West­fa­len nicht haus­halts­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen zum Opfer fal­len dürf­ten. „Das Orche­ster ist ein Forum, Treff­punkt und Bil­dungs­trä­ger, und es muss als wei­cher Stand­ort­fak­tor genau­so geför­dert wer­den wie Cap­pen­berg oder Opher­dicke.“

Micha­el Klo­ster­mann unter­strich für die FDP-Grup­pe, dass Lösun­gen dar­in lie­gen, durch stra­te­gi­sche Ver­än­de­run­gen dau­er­haft Ein­spa­run­gen zu erzie­len, ohne gleich Lei­stun­gen für die Bür­ger zu strei­chen: „Wir set­zen wei­ter­hin auf Syn­er­gie­ef­fek­te bei der inter­kom­mu­na­len Zusam­men­ar­beit.“ Das loka­le Kirch­turm­den­ken kön­ne aller­dings nur durch exter­ne Beglei­tung ver­schwin­den.

Chri­sti­an Roß beton­te für die Grup­pe der Pira­ten: „Ziel im Kreis muss es sein, zum einen mehr Unter­neh­men ‚vor Ort‘ zu bekom­men, die qua­li­fi­zier­te Arbeits­plät­ze schaf­fen, und zum ande­ren auch die Maß­nah­men des Job­cen­ters wei­ter zu ver­bes­sern. Nur so ist es auf Dau­er mög­lich, einen Teil der hohen Sozi­al­ko­sten zu min­dern.“

Hel­mut Stalz lehn­te als Spre­cher der Grup­pe der Frei­en Wäh­ler den Haus­halt ab. Er führ­te aus, dass sei­ne Grup­pe Lösungs­an­sät­ze auf­ge­zeigt habe, um „die vor­han­de­nen struk­tu­rel­len Defi­zi­te anzu­ge­hen“. „Die deut­li­che Erhö­hung der Kreis­um­la­ge um etwa 8 Mil­lio­nen Euro wer­den wir ableh­nen, zumal im Haus­halts­ent­wurf noch gro­ße Risi­ko­fak­to­ren schlum­mern, die schnell zu einem Nach­trags­haus­halt füh­ren könn­ten.“

Infor­ma­tio­nen zum Haus­halt 2015 sowie die Reden der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den und Grup­pen­spre­cher fin­den sich im Inter­net unter www.kreis-unna.de.

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