Kreis-Politik steht einstimmig hinter der Außengastronomie am Haus Opherdicke

Haus Opherdicke, terrasse

So soll sie aussehen, die Terrasse für die Außengastronomie auf der Südseite von Haus Opherdicke. Die Fotomontage wurde heute auch im Kreis-Kulturausschuss vorgestellt. (Fotomontage Kreis Unna)

Für die Kreisverwaltung gab Kreisdirektor und Kämmerer Dr. Thomas Wilk heute (25.8.) im Ausschuss für Kultur und Bildung im Kreishaus einen Sachstandsbericht zur geplanten Außengastronomie mit Terrasse am Haus Opherdicke. An der Sitzung nahmen auch ein gutes Dutzend Holzwickeder Bürger als Zuhörer teil.

Die eigentliche Planung ist hinlänglich bekannt. Dr. Wilk hat sie auch schon bei einem Ortstermin Mitte Juli gegenüber Vertretern des Historischen Vereins und einigen Bürgern vorgestellt. Der Kreisdirektor betonte heute noch einmal, dass man die Terrasse ganz bewusst nicht mittig, sondern seitlich versetzt an der Südseite von Haus Opherdicke geplant hat, um die Ansicht nicht zu zerstören. Da die Terrasse 1,40 m über dem Wasserspiegel geplant ist und auch noch ein Rückschnitt der Uferbepflanzung erfolgen soll, wird sich die Wasserfläche der Gräfte nach dem Bau der Terrasse  unterm Strich sogar noch vergrößern.

Interessanter als die bekannte Planung, die von Interessierten auch bei der Pächterin des Kultur-Cafés in Haus Opherdicke eingesehen werden kann, waren da schon die Erklärungen, die der Kreisdirektor zum Planungsverfahren gab.

„Es ist keine weitere Beschlussfassung mehr für den Bau der Terrasse nötig“, stellte Dr. Wilk auch heute noch einmal klar:

Neuausrichtung der Gastronomie längst im Gange

Der Kreistag hat im Dezember 2015 beschlossen, die nötigen Finanzmittel in Höhe von 170.000 Euro für den Bau der Terrasse zur Außengastronomie bereitzustellen. „Es kann gut sein, dass wir diese Summe gar nicht ausschöpfen müssen“, zeigt sich der Kreis-Kämmerer zuversichtlich. Danach gab es im Kreistag eine Erörterung mit dem Ergebnis, dass vor der Errichtung der Terrasse noch einmal über neue Öffnungszeiten und andere Rahmenbedingungen für die Außengastronomie nachgedacht werde.

Diese Neuausrichtung der Gastronomie läuft parallel zum Bau der Terrasse und ist längst im Gange, so Dr. Wilk: Das Marketing und die Öffnungszeiten sind teilweise schon geändert worden. Außerdem ist eine Unternehmensberatung aus Holzwickede eingeschaltet worden, die weitere Vorschläge erarbeiten wird.

Haus Opherdicke

An dieser Seite von Haus Opherdicke soll die Außengastronomie angesetzt werden. (Foto: Peter Gräber)

Lediglich die Gemeinde Holzwickeder wird sich am 6. September in ihrem Fachausschuss noch mit der Terrasse befassen. Dabei geht es um die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens.

Aus Sicht der obersten Denkmalpfleger in Münster, mit denen man sich sehr intensiv abgestimmt hat, ist der Denkmalschutz gewahrt, erinnert der Kreisdirektor. Die Denkmalpfleger in Münster haben ihre Zustimmung zu der Terrasse erteilt.  Nach Stellungnahme der zuständigen Denkmalpflegerin Bettina Heine-Hippler „gehört eine Außengastronomie“ heute „zum Standard“ für einen Gastronomiebetrieb.

Der Kreis Unna sei durch die Instandsetzung von Haus Opherdicke „den Belangen des Denkmalschutzes in besonderem Maße nachgekommen“. Bei der geplanten Terrasse handele es sich, so die Denkmalschützerin, nur um einen „minimalen Eingriff“. Wobei der Kreis Unna „alles getan hat, um die Gestaltung zu minimieren“, so dass sich die Terrasse „vom Eindruck her unterordnet“.

Gemeinde muss noch Einvernehmen erteilen

Die Gemeinde kann ihr Einvernehmen zu der Planung erteilen. Dann ist alles klar für den geplanten Bau noch diesen Herbst. Tut sie das nicht, geht die Sache nach Düsseldorf zu NRW-Bauminister Michael Groschek und es wird einen Ministerbeschluss geben. „Das ist auch nichts Außergewöhnliches“, erläuterte Dr. Wilk. „So etwas passiert sehr häufig.“

Was im Ausschuss heute deutlich wurde: Die Politik im Kreis steht geschlossen hinter der Planung und trägt sie mit.

Bernd Engelhardt (SPD) erinnerte an die großen Anstrengungen und das Engagement, mit dem der Kreis das Haus Opherdicke für etliche Millionen Euro hergerichtet habe und so auch eine enorme Wertsteigerung erzielt hat. Haus Opherdicke genießt höchste Anerkennung als Ort der Kultur und Begegnung im ganzen Land. „Mit der Außengastronomie hat die Politik nun beschlossen, diese Rolle weiter zu stärken und zu vervollständigen.“ Seine Fraktion habe sich sehr intensiv mit der Außenanlage und Gastronomie beschäftigt und trägt den Beschluss zur Planung mit.

Auch die FDP trägt die Terrasse mit, so ihr Sprecher Julius Will. „Wir wissen, dass das Projekt vor Ort auch kritisch gesehen wird.“ Deshalb hat sich seine Fraktion nochmal umfassend und informiert. Ergebnis: „Vielleicht sollten wir mal nachdenken, ob wir die Gastronomie nicht vergrößern wollen.“

„Wir unterstützen das Bauvorhaben und freuen uns über jede Erweiterung“, betont auch Peter Dörner (CDU). Haus Opherdicke hat im Laufe der Jahrhunderte viele Erweiterungen erfahren, bis die Anlage zu der wurde, die sie heute ist.

„Wir brauchen diese Außengastronomie“, betont auch Grünen-Sprecher Hartmut Hegewald-Gnad. Wobei die Terrasse nur „eine marginale Veränderung“ ist. „Es gibt immer wieder Leute, die sich gerne dorthin setzen würden. Einer Außengastronomie gehört einfach dazu.“

Anschließend unterbrach die Ausschussvorsitzende Christine Hupe (SPD) die Sitzung, um den anwesenden Bürgern Gelegenheit zu Fragen zu geben.

Gastronomie im Innenhof ausdrücklich nicht gewollt

Ulrich Wegner aus Holzwickede, der nicht zum Heimatverein gehört, dessen Vertreter auch anwesend waren, verlas daraufhin gleich einen ganzen Fragenkatalog gespickt mit kritischen Anmerkungen zu dem Projekt. Im Wesentlichen warf der Holzwickeder dem Kreis vor, bislang noch gar kein Konzept für die Gastronomie präsentiert zu haben. Viel sinnvoller und auch deutlich preiswerter als die Terrasse auf der Südseite, wäre eine Außengastronomie im Innenhof von Haus Opherdicke aufgehoben, so Wegner. Die fehlende Küche sei kein Argument, da man auch einen Gastro-Container aufstellen könnte. Außerdem sei der Weg durch das Innere von Haus Opherdicke zur geplanten Außengastronomie mit 60 Metern viel zu weit. Darum werde auch die wichtige Zielgruppe der Radfahrer die Terrasse kaum nutzen.

Dr. Thomas Wilk mit Vertretern des Historischen Vereins und Holzwickeder Bürfger beim Ortsterrmin im Juli am Haus Opherdicke. (Foto: P. Gräber)

Dr. Thomas Wilk mit Vertretern des Historischen Vereins und Holzwickeder Bürger beim Ortstermin im Juli am Haus Opherdicke. (Foto: Peter Gräber)

Dr. Thomas Wilk machte daraufhin noch einmal deutlich, dass der Kreis das Konzept eines Kultur-Cafés verfolgt: Das Café folgt den Ausstellungen im Haus, auch mit den Öffnungszeiten. „Wir wollen den Besuchern Gelegenheit geben, auch mal Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.“

Eine Außengastronomie im Innenhof ist „ausdrücklich nicht gewünscht“. Stattdessen soll der einzigartige Blick ins Ruhrtal mit der Außengastronomie des Kultur-Cafés verbunden sein. „Wir wollen den Südblick, der von vielen so gelobt wird und keinen Hofblick.“ Die Terrasse ist problemlos und barrierefrei durch das Innere von Haus Opherdicke zu erreichen. Auch die Radfahrer hat der Kreis im Blick, versichert Dr. Wilk. „Wir haben hier schon sehr viel positive Resonanz erhalten.“

Ein Gastro-Container sei ebenfalls nicht gewollt,  betont der Kreisdirektor. „Ich weiß auch nicht, was das Denkmalamt dazu wohl sagen würde.“ Eine Vollgastronomie mit Mittag- oder Abendessen soll es auch in Zukunft nicht geben auf Haus Opherdicke. Deshalb stellt das Kultur-Café mit der Außengastronomie auch keine Konkurrenz für andere private Gastronomiebetriebe oder eine unzulässige Subventionierung dar.

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Dipl.-Journalist

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