Jubiläum für ein Urgestein im Rathaus: Rudi Grümme 40 Jahre im Dienst

Kleine Feierstunde und Urkunden-Übergabe zum 40-jährigen Dienstjubiuläum, v.l. Beigeordneter Bernd Kasischke, Jubilar und Kämmerer Rudi Grüm,me, Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Christian Timm, stellvertretender Fachbereichseliter Finanzen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Klei­ne Fei­er­stun­de und Urkun­den-Über­ga­be zum 40-jäh­ri­gen Dienst­ju­bi­lä­um, v.l. Bei­ge­ord­ne­ter Bernd Kasisch­ke, Jubi­lar und Käm­me­rer Rudi Grüm­me, Bür­ger­mei­ste­rin Ulri­ke Dros­sel und Chri­sti­an Timm, stell­ver­tre­ten­der Fach­be­reichs­lei­ter Finan­zen. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

Es ist wohl das Schick­sal aller Käm­me­rer, die den Dau­men auf der Kas­se hal­ten müs­sen, dass sie nicht immer unein­ge­schränkt zu den belieb­te­sten Kol­le­gen einer Ver­wal­tung gehö­ren. Bei Rudi Grüm­me, der heu­te für sein 40-jäh­ri­ges Dienst­ju­bi­lä­um geehrt wur­de, ist das irgend­wie anders. Viel­leicht liegt es dar­an, dass der 64-jäh­ri­ge auch schon ein Berufs­le­ben vor dem öffent­li­chen Dienst hat­te und auch als Gemein­de­käm­me­rer nie ver­ges­sen hat, für wen er die Pin­un­sen zusam­men­hält: näm­lich für uns alle, die Steu­er­zah­ler. Ganz sicher liegt es aber dar­an, dass Rudi Grüm­me eigent­lich ein ganz net­ter Kerl und Kol­le­ge ist.

Und einem sol­chen ver­zeiht man dann sogar, dass er sei­nen Vor­gän­ger im Amt, Max-Otto Kohl, mit einer Son­nen­bril­le mas­kiert, Sprech­funk und Pisto­le in der Hand per­sön­lich in den Ruhe­stand geschickt hat. Zum Gau­di aller Betei­lig­ten. Denn was nur weni­ge wis­sen dürf­ten: Vor sei­nem Dienst im Rat­haus war Rudi Grüm­me Mit­te der 70er Jah­re auch mal zwei Jah­re lang Per­so­nen­schüt­zer für pro­mi­nen­te Bun­des­po­li­ti­ker wie Her­mann Schmitt-Vocken­hau­sen und Carl Car­stens. Mit Letz­te­rem, der ein begei­ster­ter Lieb­ha­ber aus­gie­bi­ger Wan­de­run­gen war, ver­bin­det Grüm­me unan­ge­neh­me Erin­ne­run­gen an Fuß­weh und „lan­ge Wan­de­run­gen kreuz und quer durch die Eifel“.

Vor der Gemeinde Bodyguard für Politiker

Denn eigent­lich hat­te es Rudi Grüm­me schon immer eher mit Zah­len. Sei­ne Aus­bil­dung begann der gebür­ti­ge Ham­menser („Ham­mer hört sich doch blöd an.“) 1969 zum Steu­er­fach­an­ge­stell­ten. Nach einem kur­zen Inter­mez­zo als Steu­er­be­ra­ter in Hamm wech­sel­te er Anfang 1973 als Poli­zei­voll­zugs­be­am­ter zum Bun­des­grenz­schutz. „Ich woll­te als jun­ger Mann nicht zur Bun­des­wehr“, nennt er den prag­ma­ti­schen Grund. Sechs Jah­re spä­ter kehr­te er dann aus gesund­heit­li­chen Grün­den wie­der an die alte Wir­kungs­stät­te in das Steu­er­be­ra­tungs­bü­ro nach Hamm zurück.

1981 wech­sel­te Rudi Grüm­me dann in die Bun­des­wehr­ver­wal­tung und begann eine Lauf­bahn­aus­bil­dung zum Beam­ten des geho­be­nen nicht­tech­ni­schen Dien­stes. Sei­ne letz­te Sta­ti­on vor der Gemein­de Holzwicke­de war das Kreis­wehr­er­satz­amt Unna, wo er sich im Berufs­för­de­rungs­dienst um Sol­da­ten, die in den Ruhe­stand gin­gen, küm­mer­te.

Du hast uns durch tur­bu­len­te Zei­ten geführt und warst der erste Käm­me­rer im Kreis Unna, der eine Kom­mu­ne wie­der aus der Haus­halts­si­che­rung gebracht hat.“

Ulri­ke Dros­sel, Bür­ger­mei­ste­rin

Auf Emp­feh­lung des spä­te­ren kom­mu­na­len Wirt­schafts­för­de­rers Det­lef Nel­le, der eben­falls aus Hamm kommt, wech­sel­te Grüm­me dann am 1. Janu­ar 1988 als Gemein­d­ein­spek­tor und Beam­ter auf Lebens­zeit zur Gemein­de Holzwicke­de in die Finanz­ver­wal­tung. „Bis heu­te habe ich kei­nen ein­zi­gen Tag bereut“, ver­si­chert der Jubi­lar, des­sen Lauf­bahn dann im April 2008 mit der Bestel­lung zum Gemein­de­käm­me­rer ihren Höhe­punkt fand.

Als Käm­me­rer hat Grüm­me in der Emscher­ge­mein­de gute und auch schlech­te Zei­ten erlebt, erin­ner­te die Bür­ger­mei­ste­rin Ulri­ke Dros­sel in der klei­nen Fei­er­stun­de zum Dienst­ju­bi­lä­um heu­te: „Du hast uns durch tur­bu­len­te Zei­ten geführt und warst der erste Käm­me­rer im Kreis Unna, der eine Kom­mu­ne wie­der aus der Haus­halts­si­che­rung gebracht hat.“ Noch immer ist Holzwicke­de die ein­zi­ge Gemein­de im gan­zen Kreis mit einem in Ein­nah­men und Aus­ga­ben aus­ge­gli­che­nen Haus­halt.

Finanzen gut bestellt

Aktu­ell steht die Gemein­de Holzwicke­de sogar gut wie lan­ge nicht da, bestä­tigt Grüm­me, der die­sen Umstand auch im Gemein­de­rat mor­gen deut­lich machen wird, wenn er sei­nen letz­ten Haus­halts­ent­wurf ein­brin­gen wird. Die Rekord­ein­nah­me von 14 Mil­lio­nen Euro Gewer­be­steu­ern, weiß Grüm­me als erfah­re­ner Käm­me­rer, hat nicht allein mit der guten Kon­junk­tur zu tun. „Es hängt auch mit der gemein­sa­men Kraft­an­stren­gung aller und guten Poli­tik zusam­men, die ja Flä­chen für die Ansied­lun­gen der Unter­neh­men bereit­ge­stellt hast“, lobt der Käm­me­rer. „Wir brau­chen die­ses Pol­ster aber auch für den Rat­haus­neu­bau. Das Vor­ha­ben wird zwar geför­dert, bin­det aber auch sehr viel Eigen­mit­tel.“

Wir brau­chen die­ses Pol­ster aber auch für den Rat­haus­neu­bau. Das Vor­ha­ben wird zwar geför­dert, bin­det aber auch sehr viel Eigen­mit­tel.“ 

Rudi Grüm­me, Käm­me­rer

Näch­stes Jahr geht Rudi Grüm­me dann in den geord­ne­ten Ruhe­stand. Damit ver­liert die Gemein­de­ver­wal­tung einen ihrer erfah­ren­sten Mit­ar­bei­ter und letz­ten Ver­wal­tungs­käm­pen alter Schu­le. Es ist kein Geheim­nis: Nach dem uner­war­te­ten Tod Jens-Uwe Schmied­gens und Uwe Det­lef­sens aus der Füh­rungs­rie­ge im Rat­haus ist Rudi Grüm­me als Käm­me­rer und Abwe­sen­heits­ver­tre­ter mit sei­ner lang­jäh­ri­gen Erfah­rung der Lot­se im Sturm, an dem sich die zahl­rei­chen neu­en Kol­le­gen und auch die in Ver­wal­tungs­din­gen uner­fah­re­ne Bür­ger­mei­ste­rin ori­en­tie­ren konn­ten und wei­ter kön­nen.

Doch bevor er im näch­sten Jahr geht, hat Grüm­me noch zwei ganz „sport­li­che“ Zie­le auf sei­ner per­sön­li­chen Agen­da: „Die End­ab­rech­nung für Caro­li­ne neu im näch­sten Jahr und die Gemein­de­wer­ke. Die wür­de ich ger­ne noch hin­be­kom­men vor­her.“

Noch „sportliche“ Ziele vor dem Ruhestand

Immer mehr Kom­mu­nen grün­de­ten eige­ne Gemein­de­wer­ke, weil sie mit den Kon­zes­si­ons­ab­ga­ben der Ener­gie­ver­sor­ger allein nicht mehr zufrie­den sind, erklärt Grüm­me. „Auch wir wol­len zusätz­lich noch eine Gewinn­be­tei­li­gung, die sonst bei den Ener­gie­ver­sor­gern ver­blei­ben wür­de. Mit einem Gemein­de­werk wären wir auch da gut auf­ge­stellt.“

Fast schon etwas weh­mü­tig fügt der 64-Jäh­ri­ge hin­zu: „Die­se Zie­le wie auch alles ande­re kann man natür­lich nicht allei­ne, son­dern immer nur zusam­men errei­chen. Das möch­te ich beto­nen. An dem Zusam­men­halt wie frü­her fehlt es etwas. Klar, die vie­len neu­en und jun­gen Kol­le­gen, die wir bekom­men haben, müs­sen sich noch etwas beschnup­pern.  Ich hof­fe aber und wün­sche mir, dass sich alle noch zusam­men­fin­den wer­den.“

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visage

Dipl.-Journalist

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