Info-Abend zu Flüchtlingen: Haarscharf an der Katastrophe vorbei

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Poli­zei­haupt­kom­missar Rudolf Fröh­lich und Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel in der Ver­an­stal­tung am Mitt­woch­abend. Im Hin­ter­grund die nicht zu ent­zif­fernde Poli­zei­sta­ti­stik. (Foto: Peter Gräber)

Dass die Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung am Mitt­woch­abend (27. Januar) im Forum zur Flücht­lings­un­ter­brin­gung in Holzwickede nicht völlig aus dem Ruder gelaufen ist, ist wohl in erster Linie Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel und dem 1. Bei­geord­neten Uwe Det­lefsen sowie den übrigen Mit­ar­bei­tern der Ver­wal­tung zu ver­danken gewesen. Sie zeigten sich durch die Bank her­vor­ra­gend mit allen nötigen Fakten und Infor­ma­tionen vor­be­reitet. Was aller­dings auch kein Wunder ist, denn seit Wochen und Monaten ist die Holzwickeder Ver­wal­tung kaum noch mit etwas anderem beschäf­tigt als mit dem Thema Flücht­linge.

Ulrike Drossel fand zum Auf­takt die rich­tigen Worte und eröff­nete die Ver­an­stal­tung mit Empa­thie und einer klaren Posi­tio­nie­rung für alle in Holzwickede lebenden Men­schen – die Ein­hei­mi­schen, vor allem aber auch die Flücht­linge.

Ganz deut­lich wurde in der Ver­an­stal­tung, die ins­ge­samt in einer erstaun­lich sach­li­chen und kei­nes­wegs über­hitzten Atmo­sphäre ablief, dass viele Bürger von Holzwickede große Sorge um ihre Sicher­heit und einige viel­leicht sogar regel­rechte Angst haben. Weil das zu erwarten war, hatten die Ver­ant­wort­li­chen in Holzwickede eigent­lich zwei Ver­treter ein­ge­laden, die den Bür­gern diese Angst und Sorge hätte nehmen können: Poli­zei­haupt­kom­missar Rudolf Fröh­lich, lei­tender Poli­zei­be­amter der Kreis­po­li­zei­be­hörde und zuständig für alle Flücht­lings­un­ter­künfte im Kreis Unna (außer Lünen) sowie Tor­sten Göp­fert, Sozi­al­de­zer­nent des Kreises Unna und an diesem Abend Stell­ver­treter des Land­rates. Beide sorgten aller­dings durch ihren Auf­tritt dafür, dass der Info-Abend bei­nahe ins Gegen­teil umge­schlagen und in eine Kata­strophe geschlit­tert wäre.

Nun wäre es unfair, jemandem vor­zu­werfen, dass er kein ver­sierter Rhe­to­riker ist. Von einem lei­tenden Poli­zei­be­amten wäre jedoch zumin­dest zu erwarten gewesen, dass er die wich­tig­sten Zahlen, Fakten und Infor­ma­tionen aus seinem urei­genen Auf­ga­ben­ge­biet aus dem Effeff beherrscht und vor­tragen kann. Statt­dessen war Rudolf Fröh­lich nicht einmal in der Lage, die Grafik mit den nackten Zahlen des Lan­des­la­ge­be­richtes der Polizei für den Kreis Unna lesbar auf der Lein­wand dar­zu­stellen.

Auch auf mehr­ma­liges Nach­fragen von Bür­gern ver­wies Fröh­lich immer nur sinn­frei auf seine selbst aus drei Metern Ent­fer­nung nicht les­baren Zahlen, anstatt sie wenig­stens mal laut vor­zu­lesen, geschweige denn die Zahlen zu inter­pre­tieren. Wäre Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel ihm nicht zur Seite gesprungen und hätte die auf­ge­la­dene Situa­tion durch ihre Mode­ra­tion ent­spannt – einige der immer wieder nach­fra­genden Bürger wären wohl vor Wut geplatzt.

So schafft man Wut­bürger, liebe Polizei. Dabei – was wäre nicht alles mög­lich gewesen: Natür­lich hätte Rudolf Fröh­lich aus­führ­lich erläu­tern können, besser: müssen, wie die Sta­ti­stik der Poli­zei­ein­sätze zustande gekommen ist und wie die Zahlen zu ver­stehen sind, anstatt nur ganze zwei (!) Zahlen aus Dezember 2015 zu nennen.

Vertreter von Kreis und Polizei wenig hilfreich

Rudolf Fröh­lich hätte zum Bei­spiel auch ganz sach­lich dar­stellen können, was die Polizei mit ihrer dünnen Per­so­nal­decke lei­sten kann und was nicht. Das wäre sicher glaub­wür­diger gewesen, als nur auf die Auto­rität seiner Uni­form zu setzen. Dann hätte viel­leicht auch der eine oder andere Holzwickeder Bürger nach­voll­ziehen können, warum es aus Sicht der Polizei voll­kommen aus­rei­chend ist, dass die Wache in Holzwickede nicht rund um die Uhr besetzt ist. Oder warum auch noch einer der Bezirks­be­amten aus Holzwickede gerade nach Selm abge­stellt werden musste, um dort Flücht­lings­un­ter­künfte zu sichern. Ja, er hätte den besorgten Bür­gern auch erklären können, was sie selbst für ihre Sicher­heit tun können. Alles das hat der Polizei-Ver­treter jedoch nicht getan und damit die Stim­mung der Ver­an­stal­tung fast gekippt.

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Er war wirk­lich da: Kreis-Sozi­al­de­zer­nent Tor­sten Göp­fert, neben Rudolf Fröh­lich, Käm­merer Rudi Grümme und Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel. v.r.) Foto: Peter Gräber)

In einem Punkt konnte Rudolf Fröh­lich unbe­fan­genen Beob­ach­tern aller­dings auch leidtun. Schließ­lich kann der Polizei-Ver­treter nun wirk­lich nichts für die sach­liche und per­so­nelle Aus­stat­tung der Polizei. Dafür ist nun mal die Politik zuständig und hier im Kreis Unna der Landrat sowie auf Lan­des­ebene der NRW-Innen­mi­ni­ster Ralf Jäger, wie Fröh­lich auch anmerkte. Des­halb hätte spä­te­stens an dieser Stelle der Kritik Tor­sten Göp­fert sich in die Dis­kus­sion ein­mi­schen müssen. Schließ­lich ist Göp­fert als Sozi­al­de­zer­nent poli­ti­scher Beamter und als Stell­ver­treter des Land­rates Michael Makiollla am Mitt­woch­abend anwe­send gewesen.

Obwohl – war er wirk­lich anwe­send? Gesagt hat Tor­sten Göp­fert jeden­falls kein ein­ziges Wort. Statt­dessen war seinem Mie­nen­spiel deut­lich anzu­merken, was er von der ganzen Ver­an­stal­tung zu halten schien. Das war so auf­fällig, dass selbst ein Holzwickeder Bürger sich auf­ge­rufen fühlte, den im „Regen“ ste­henden Polizei-Ver­treter gegen die Kritik an der Aus­stat­tung der Polizei in Schutz nehmen zu müssen, weil der Ver­treter des Land­rates zu alledem kein ein­ziges Wort zu sagen hatte.

Zur Erin­ne­rung: Tor­sten Göp­fert ist außerdem Sozial-Dezer­nent des Kreises Unna. Und das Thema des Abends waren Flücht­linge…

Die Ein­la­dung an den Kreis-Dezer­nenten hätte sich die Holzwickeder Ver­wal­tung denn auch sparen können, weil er rein gar nichts zum Thema bei­zu­tragen wusste. Das hätte dann zumin­dest den Vor­teil gehabt, dass ein Stuhl mehr für einen der vielen Holzwickeder Bürger frei gewesen wäre, die im Gegen­satz zu Göp­fert zwar sehr inter­es­siert am Thema waren, aber stun­den­lang stehen mussten, weil den Ver­an­stal­tern die Stühle aus­ge­gangen waren.

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