Holzwickedes Partnerstadt Weymouth and Portland eine Hochburg der EU-Gegner

Grafik der Weymouth and Portland Chamber of Commerce.

(Gra­fik: Wey­mouth and Port­land Cham­ber of Com­mer­ce)

Dass Groß­bri­tan­ni­en aus der Euro­päi­schen Uni­on aus­sche­ren wür­de, ­damit hat­te wohl kaum jemand ernst­haft gerech­net. Noch grö­ßer dürf­te die Über­ra­schung aber in Holzwicke­de dar­über sein, dass aus­ge­rech­net die eng­li­sche Part­ner­stadt Wey­mouth and Port­land sich als eine der Hoch­bur­gen der EU-Geg­ner ent­puppt hat:

23.352 Wahl­be­rech­tig­te oder 61,0 Pro­zent aller Wahl­be­rech­tig­ten in der eng­li­schen Part­ner­stadt haben sich gegen einen Ver­bleib in der EU aus­ge­spro­chen. Die Wahl­be­tei­li­gung lag bei 75,8 Pro­zent. Das ist das dritt­be­ste Ergeb­nis der EU-Geg­ner in ganz South West Eng­land. Nur in zwei Wahl­be­zir­ken haben die Aus­tritts­geg­ner mini­mal bes­ser abge­schnit­ten als in Holzwicke­des Part­ner­stadt. Zum Ver­gleich das Gesamt­er­geb­nis: Hier haben sich „nur“ 51,89 Pro­zent aller wahl­be­rech­tig­ten Bri­ten für einen EU-Aus­tritt aus­ge­spro­chen, wobei die Wahl­be­tei­li­gung lan­des­weit bei 72,21 Pro­zent lag.

Marie-Lui­se Wehlack, die Vor­sit­zen­de des Deutsch-Bri­ti­schen-Clubs, hat den ersten Schock über den Brex­it inzwi­schen ver­daut. Für die EU-Skep­sis in der eng­li­schen Part­ner­stadt hat sie aller­dings auch kei­ne Erklä­rung. „Gleich nach­dem das Ergeb­nis fest­stand, hat mir eine eng­li­schen Freun­din eine Mail geschrie­ben: ‚The Brex­it will not split us!‘“, berich­tet Marie-Lui­se Wehlack. „Ich kann es immer noch nicht rich­tig fas­sen, was da pas­siert ist.“

The Brex­it will not split us!“

E-Mail  einer Freun­din aus Wey­mouth an Marie-Lui­se Wehlack

Sicher,  die Twin­ning Socie­ty, der eng­li­sche Part­ner­ver­ein, ist win­zig und Wey­mouth eine gro­ße Stadt. Aber auch da hat Marie-Lui­se Wehlack nie den Ein­druck gehabt, dass die Men­schen in Holzwicke­des Part­ner­stadt Euro­pa oder gar Deutsch­land gegen­über ableh­nend ein­ge­stellt sind. Im Gegen­teil. Wey­mouth lebt vom Tou­ris­mus. „Ich habe mich gewun­dert wie vie­le Deut­sche dort in jüng­ster Zeit zu tref­fen sind.“ Nach den olym­pi­schen Spie­len, die auch in Wey­mouth aus­ge­tra­gen wur­den, habe sich die Part­ner­stadt sehr dar­um bemüht, ein Hafen für die Aida-Flot­te zu wer­den. „Seit­dem legen alle zwei Woche gro­ße Aida-Schif­fe im Hafen von Wey­mouth an und es kom­men Tau­sen­de deut­scher Tou­ri­sten dort an“, meint Marie-Lui­se Wehlack.

Partnerschaft bleibt, wird aber schwieriger

So sah er aus, der Abstimmungszettel, mit dem sich die deutliche Mehrheit in Holzwickedes Partrnerstadt für den EU-Austritt entschieden hat.

Der Abstim­mungs­zet­tel mit dem sich eine sehr deut­li­che Mehr­heit in Holzwicke­des Par­t­rner­stadt für den EU-Aus­tritt ent­schie­den hat.

Ob das so blei­ben wird, ist ja jetzt frag­lich.“ Bei ihrer Suche nach Erklä­run­gen für den Brex­it hält es die Vor­sit­zen­de des DBC mit dem deut­schen Bun­des­prä­si­den­ten: „Ich den­ke auch, dass nicht die Eli­ten oder Wirt­schaft für die­se Ent­schei­dung ver­ant­wort­lich sind, son­dern die ein­fach Bevöl­ke­rung, die die Trag­wei­te des Brex­its noch gar nicht erkannt hat.“

An den freund­schaft­li­chen Band auf Ebe­ne der Part­ner­ver­ei­ne wird sich wohl nichts ändern, hofft Marie-Lui­se Wehlack nichts ändern. Im Sep­tem­ber will der DBC wie geplant das 30jährige Bestehen der deutsch-eng­li­schen Part­ner­schaft fei­ern. Aller­dings könn­ten man­che Din­ge schwie­ri­ger wer­den, dazu gehört etwa das freie Rei­sen. „In zwei Wochen fin­det unse­re näch­ste Kul­tur­rei­se nach Sis­sing­hurst statt. Wie das in Zukunft mit dem Rei­se­ver­kehr sein wird, sehe ich schon etwas mit Sor­ge.“ So sei die Nut­zung der Fäh­ren durch die stren­ge­ren Ein­rei­se­kon­trol­len schon jetzt schwie­ri­ger gewor­den. „Durch die stren­ge­ren Kon­trol­len müs­sen wir etwa 1,5 Stun­den mehr Zeit ein­pla­nen“, meint Wehlack. „Das hat zwar noch nichts mit dem Brex­it zu tun. Wegen der vie­len Flücht­lin­ge sind die Kon­trol­len ein­fach stren­ger gewor­den. Aber in Zukunft könn­te es ja sogar wie­der eine Visum-Pflicht geben.

Im kom­men­den Jahr will der DBC auf jeden Fall auch wie­der einen Euro­pa-Tag fei­ern. „Der ist viel­leicht jetzt nöti­ger denn je“, glaubt Marie-Lui­se Wehlack. Beim ersten Euro­pa-Tag hat­ten die Freun­de der Twin­ning Socie­ty noch mit­ge­zo­gen. Von offi­zi­el­ler Sei­te der Stadt war da jedoch schon etwas mehr Zurück­hal­tung zu spü­ren, erin­nert sich Marie-Lui­se Wehlack: Offi­zi­ell woll­te sich nie­mand an dem geplan­ten Markt bei unse­rem Euro­pa-Tag betei­li­gen.“

Mit Blick auf das aktu­el­le Abstim­mungs­er­geb­nis zum Brex­it wis­sen wir nun auch war­um.

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visage

Dipl.-Journalist

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