Holzwickeder versteckt Kumpel vor Polizei im Schrank: Sechs Monate Haftstrafe

Es ist eine Geschichte, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann: Weil er seinen wegen Dieb­stahls gesuchten Kumpel vor der Polizei in seinem Klei­der­schrank ver­steckte ist ein 42 Jahre alter Holzwickeder vor dem Amts­ge­richt Unna zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewäh­rung ver­ur­teilt worden.

Die Anklage warf dem arbeits­losen und allein­er­zie­henden Vater einer acht­jäh­rigen Tochter, die gestern die Ver­hand­lung im Gerichts­saal mit­er­lebte, Straf­ver­ei­te­lung vor: Am 14. Februar dieses Jahres standen plötz­lich Poli­zei­be­amte vor der Tür des Holzwicke­ders. Sie hatten einen Hin­weis bekommen, dass sich der wegen Dieb­stahls gesuchte 56 Jahre alte Kumpel des 42-Jäh­rigen in dessen Woh­nung auf­hält.

Der Ange­klagte stritt zunächst ab, den Gesuchten zu kennen und ver­wei­gerte den Beamten den Zutritt in seine Woh­nung. Doch die Poli­zi­sten ließen sich nicht abwim­meln. Dar­aufhin ließ der 42-Jäh­rige die Beamten ein und wech­selte die Stra­tegie: Er kenne den Gesuchten, aber nur flüchtig. Der Gesuchte sei jedoch nicht in der Woh­nung. Von seinem Schlaf­zimmer wollte der Ange­klagte die Poli­zei­be­amten wei­terhin fern­halten: Dort schlafe seine kleine Tochter, die nicht gestört werden dürfe.

Schrankhocker im Zeugenstand

Im Schlaf­zimmer fanden die Beamten dann tat­säch­lich die acht­jäh­rige Tochter des Holzwicke­ders im Bett vor – aller­dings auch den gesuchten 58-Jäh­rigen im Klei­der­schrank des Zim­mers. 

Dar­aufhin tischte der allein­er­zie­hende Vater fol­gende Geschichte auf: Er habe nicht gewusst, dass sein Bekannter noch in der Woh­nung ist. Er sei zwi­schen­zeit­lich kurz ein­ge­schlafen und nach dem Auf­wa­chen davon aus­ge­gangen, dass sein Bekannter die Woh­nung schon ver­lassen hat. Im Übrigen habe er nicht gewusst, dass sein 56 Jahre alte Bekannter von der Polizei gesucht wird.

Weil Richter Jörn Granseuer dem Ange­klagten zumin­dest die Chance geben wollte, dass sich seine hane­bü­chene Geschichte als wahr erweist, wollte er vor seinem Urteils­spruch den Schrank­hocker als Zeugen befragen. Zwei Ver­hand­lungs­ter­mine ließ der 58-Jäh­rige platzen. Gestern ver­suchte er dann, seinen ange­klagten Kumpel so gut es ging zu ent­la­sten: Sein Kumpel habe nicht gewusst, dass er ver­steckt hielt und auch nicht, dass nach ihm gefahndet worden sei. Er habe ja selbst nicht gewusst, dass er von der Polizei gesucht wird, erklärte er im Zeu­gen­stand treu­herzig.

Achtjährige Tochter ins Bett gelegt

Über­zeugen konnte der Zeuge den Richter nicht: „Ich glaube Ihnen nicht“, erklärte Jörn Granseuer auch dem Ange­klagten. Der Richter geht davon aus, dass der 42-Jäh­rige ver­hin­dern wollte, dass die Polizei seinen Bekannten fest­nimmt und dazu auch seine acht­jäh­rige Tochter vor der Durch­su­chung ins Bett gelegt hat.

Gegen den Ange­klagten sprach bei der Urteils­fin­dung, dass er nicht weniger als neun Vor­strafen im Bun­des­zen­tral­re­gi­ster auf­zu­weisen hat und unter zwei­fa­cher Bewäh­rung steht. Eine wei­tere Bewäh­rungs­strafe kam des­halb nicht mehr in Frage für den Richter. Er ver­ur­teilte den allein­er­zie­henden Vater wegen Straf­ver­ei­te­lung zu sechs Monate Frei­heits­strafe. 

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