Holzwickeder stiehlt zwei Schachteln Zigaretten: Langjährige Haftstrafe

Weil er vom Amts­ge­richt Unna im November vorigen Jahres wegen Dieb­stahls zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewäh­rung ver­ur­teilt worden war, ging ein 36jähriger Holzwickeder in die Beru­fung. Heute (13. Februar) fand er sich vor dem Land­ge­richt Dort­mund wieder. Dort wurde sein Urteil zwar um einen Monat auf zwei Monate Haft redu­ziert. Trotzdem muss der Holzwickeder nun ins­ge­samt 18 Monate hinter Git­tern absitzen.

Die Tat des Holzwicke­ders ist unstrittig: Am 18. Juli vorigen Jahres hatte er im Aldi an der Steh­fen­straße zwei Schach­teln Ziga­retten im Wert von 8,95 Euro ein­ge­steckt und war dabei erwischt worden, als er den Laden ohne zu bezahlen ver­lassen wollte.

Eigent­lich das, was Juri­sten ein Baga­tell­de­likt nennen. Wenn, ja wenn der Ange­klagte nicht schon 21 (!) teils ein­schlä­gige Vor­strafen auf seinem Kerb­holz und zudem auch noch unter zwei­fa­cher Bewäh­rung gestanden hätte. So aber musste Richter Becker dem 36jährige heute erklären: „Irgend­wann ist das Ende der Fah­nen­stange erreicht.“

Irgend­wann ist das Ende der Fah­nen­stange erreicht.“

Richter Becker

Als Begrün­dung für seine Beru­fung führten der Ange­klagte und seine Ver­tei­di­gerin heute per­sön­liche Umstände an, die zu einer gün­stigen Sozi­al­pro­gnose geführt hätten: Der Holzwickeder leide schon länger unter psy­chi­schen Pro­blemen und Angst­zu­ständen und habe nun end­lich seine Ängste über­wunden und sich zu einer The­rapie ent­schlossen, so seine Ver­tei­di­gerin. Ver­schlim­mert hätte sich sein Krank­heits­bild noch dadurch, dass die Lebens­ge­fährtin des Ange­klagten nach seiner Ver­ur­tei­lung eine Fehl­ge­burt erlitten habe, wes­halb sich der 36-Jäh­rige schwere Vor­würfe mache. Schließ­lich bemühe sich der bisher arbeits­lose Holzwickeder neu­er­dings, eine beruf­liche Exi­stenz auf­zu­bauen. So habe er einen Kiosk gemietet in Holzwickede, den er nach einem Exi­stenz­grün­dungs­se­minar des Job­cen­ters auch bald als Selbst­stän­diger betreiben wolle. Durch das trau­ma­ti­sche Erlebnis der Fehl­ge­burt habe es bei ihm „Klick gemacht“, erklärte der Ange­klagte: „Ich will mein Leben ändern und straf­frei führen.“

21 Vorstrafen und unter zweifacher Bewährung

Genau das wollte ihm der Ver­treter der Anklage nicht so recht abnehmen: Von einer gün­stigen Sozi­al­pro­gnose könne näm­lich über­haupt nicht die Rede sein. Viel­mehr falle es dem Ange­klagten offenbar schwer, ein­zu­sehen, dass er „ekla­tant ver­sagt hat und nun die Kon­se­quenzen tragen muss“, so der Ober­staats­an­walt. Eine gün­stige Sozi­al­pro­gnose sei dem 36-jäh­rigen schließ­lich auch schon durch das Amts­ge­richt Unna gestellt worden, obwohl bereits vier Mal Bewäh­rungen wider­rufen worden waren. „Das alles hat der Ange­klagte gewusst und trotzdem erneut eine Straftat begangen.“ Mit Urteil des Amts­ge­richts Unna vom 16. März 2016 wurde eine Haft­strafe trotzdem noch einmal zur Bewäh­rung aus­ge­setzt. „Und was pas­siert?“, so der Ober­staats­an­walt: „Nur vier Monate später begeht der Ange­klagte erneut eine ein­schlä­gige Tat. Krasser kann man doch gar nicht zeigen, dass man nicht gewillt ist, sich zu ändern und fremdes Eigentum zu respek­tieren.“

Wir können bei Ihnen nicht von einer gün­stigen Sozi­al­pro­gnose aus­gehen.“

Richter Becker in seiner Urteils­be­grün­dung

Der Ange­klagte mag ja unbe­streitbar krank sein. „Mit seinen Straf­taten hat seine Krank­heit aber rein gar nichts zu tun“, betont der Ober­staats­an­walt. Der Ange­klagte, der bis­lang für seine drei kleinen Kinder, die bei seiner Ex-Frau leben, keinen Unter­halt zahlt, will außerdem künftig seinen Lebens­un­ter­halt mit einem ange­mie­teten Kiosk bestreiten. Er wolle so sein „Leben in den Griff kriegen“, erklärte der Ange­klagte.“ – „Ich würde das nicht glauben“, meint dagegen der Ober­staats­an­walt. Viel­mehr seien das alles Ver­suche, nach dem Urteil des Amts­ge­richtes Unna im November noch schnell eine gün­stige Sozi­al­pro­gnose zu doku­men­tieren. „Aber was wir hier gehört haben, sind alles nur Absichts­er­klä­rungen. Eine gün­stige Sozi­al­pro­gnose ist aber immer nur aus der Ver­gan­gen­heit mög­lich.“ Darum sei das Urteil des Amts­ge­richts auch gerecht­fer­tigt, so der Ober­staats­an­walt.

Erneute Bewährung in der Berufung abgelehnt

Ähn­lich sah es auch Richter Becker, der das Urteil zwar um einen Monat auf nur noch zwei Monate redu­zierte. „Wegen des sehr geringen Waren­wertes“, wie er begrün­dete. Aller­dings hielt auch das Gericht eine erneute Bewäh­rung nicht mehr für mög­lich. Doch genau darauf kam es dem Holzwickeder in seiner Beru­fung aber wohl an. Denn nun muss er unter Berück­sich­ti­gung seiner zwei lau­fenden Bewäh­rungs­strafen ins­ge­samt 18 Monate hinter Gitter.

Wir können bei Ihnen nicht von einer gün­stigen Sozi­al­pro­gnose aus­gehen“, begrün­dete Richter Becker sein Urteil. Der Ange­klagte habe schon „meh­rere Bewäh­rungs­chancen nicht genutzt“ und alle „War­nungen ekla­tant miss­achtet“. Bei seiner bisher letzten Tat habe der Holzwickeder auch genau gewusst, dass er bereits unter zwei Bewäh­rungs­strafen stehe. „Beson­ders schwer wiegt die hohe Rück­fall­ge­schwin­dig­keit“, die zeige, dass der Holzwickeder sich durch die vor­he­rigen Bewäh­rungs­strafen nicht im Gering­sten beein­drucken ließ.

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