Historischer Verein: Auch Andenken an Haus Dudenroth fällt nun Baggern zum Opfer

Birgit und Peter Skupch, Monika Blenbnemann, Dieter Niederstadt und PluBa-Vorsitzender Wilfried Brinkmann (v.l.) auf dem Baugrundstück für die neue Kita. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de) 

Der Historische Verein Holzwickede ist überhaupt nicht glücklich mit der Ausweisung der neuen Fläche im Emscherpark für den geplanten AWO-Kindergarten: 32 Jahre nach dem Abriss von Haus Dudenroth fällt für den Historische Verein durch die Standortentscheidung nun auch das historische Andenken an das ehemalige Rittergut den Baggern zum Opfer.

Wie damals der reale Abriss geht auch der symbolische auf das Konto der Politik, kritisiert der Vorstand des Historischen Vereins. Was Monika Blennemann und dem übrigen Vorstand unter den Nägeln brennt, machte die Vorsitzende heute bei einem Ortstermin deutlich: „Wenn die neue Kita hier genau auf dem Standort des ehemaligen Haus Dudenroth realisiert wird, müssen nicht nur etliche Bäume fallen“, so Monika Blennemann. „Es kann auch nicht mehr daran erinnert werden, wo früher einmal Haus Dudenroth gestanden hat.“

ISEK-Projekt sollte Erinnerung wach halten

Diese alte Postkarte zeigt das ehemalige Haus Dudenroth, das in etwa an der Stelle stand, auf dem die neue Kita errichtet werden soll. (Foto: Sammlung Dr. Eden)

Um das Andenken an das historische Rittergut, dem heute noch viele alte Holzwickeder nachtrauern, zu erhalten. Hatte der Historische Verein bereits im Mai 2016 beantragt, „die Erinnerungen an die Geschichte des ehemaligen Hauses Dudenroth in die derzeitigen Planungen zum ISEK einfließen zu lassen“. Noch früher, im Jahr 1989, hatte auch der Kulturausschuss schon dafür ausgesprochen, das Andenken an Haus Dudenroth zu wahren.

Stefan Thiel, zuständiger Mitarbeiter in der Verwaltung, hatte daraufhin für den ehemaligen Standort von Haus Dudenroth ein grobes Konzept entwickelt, wie auf 1 500 m2 Fläche der Festplatz umgestaltet und „die Geometrie des ehemaligen haus Dudenroth lesbar“ gemacht werden könnte, etwa durch Heckenpflanzungen im Grundriss, eine erhöhte Grasfläche im Bereich der ehemaligen Hoffläche, Teilrodungen, Wegebeleuchtung und vieles mehr.

Mittelfristige Realisierung für 110 000 Euro

Diese, vermutlich einzige Aufnahme, zeigt den Abriss von Haus Dudenroth im Jahr 1976. (Foto. Archiv)
Seltenes Bilddokument: eine der raren Aufnahmen vom Abriss von Haus Dudenroth im Jahr 1976. (Foto. Archiv)

Zwar schaffte es das Projekt nicht unter die 17 ISEK-Projekte mit höchster Priorität. Aber immerhin war eine mittelfristige Umsetzung in den Jahren 2020 bis 2021 vorgesehen. Kosten sollte das ganze ca. 110 000 Euro.

„Wenn nun die Kita auf dieser Fläche errichtet wird, kann das Projekt natürlich nicht mehr realisiert werden“, so Dieter Niederstadt, der stellvertretende Vorsitzende des Historischen Vereins. Deshalb will der Vorstand auch noch einen Protestbrief an die Bürgermeisterin und den Vorsitzenden des Planungs- und Bauausschusses schicken.

Kita wichtig – Protest aber auch 

Dass der Historische Verein sich so für Haus Dudenroth ins Zeug legt, ist verständlich: „Auf den Abriss von Haus Dudenroth geht unsere eigene Vereinsgründung zurück“, erinnert Monika Blennemann. Formal wurde der Historische Verein zwar erst zwölf Jahre nach dem Abriss gegründet. „Aber die Gründung war eindeutig eine Folge des Protestes gegen den Abriss von Haus Dudenroth.“

Und so will der Vorstand auch seinen aktuellen Protest verstehen: „Natürlich ist der Kindergarten wichtig und wir wollen den Bau auch nicht verhindern. Aber wir protestieren aufs Schärfste, dass das Andenken an Haus Dudenroth so missachtet wird. Diese ganze Hin- und Herschieberei der möglichen Bauflächen ist doch völlig unnötig gewesen und eine Provinzposse.“

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Dipl.-Journalist

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