Handelsreport Ruhr 2018: Einzelhandel bleibt prägend für Städte und Ortsteilzentren

Vorlage des IHK-Handelsreport Ruhr 2018 (v. l.): Jörg Lehnerdt, Leiter er BBE Handelsberatung GmbH Niederlassung in Köln, Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der federführenden IHK zu Dortmund, Ulf Wollrath, Geschäftsführer der IHK zu Dortmund.  (Foto: IHK zu Dortmund/Stephan Schütze)
Vorlage des IHK-Handelsreport Ruhr 2018 (v. l.): Jörg Lehnerdt, Leiter er BBE Handelsberatung GmbH Niederlassung in Köln, Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der federführenden IHK zu Dortmund, Ulf Wollrath, Geschäftsführer der IHK zu Dortmund. (Foto: IHK zu Dortmund/Stephan Schütze)

Der Einzelhandel war, ist und bleibt auch künftig für die Entwicklung der Innenstädte und Ortsteilzentren prägend. Er ist nach wie vor die Leitbranche und Hauptmagnet für die Besucher. Allerdings müssen wir auch feststellen, dass die bisher überragende Dominanz des Einzelhandels zurückgeht. Auch aus diesem Grund bekennen sich die Industrie- und Handelskammern (IHK) des Ruhrgebiets zu den Innenstädten und Stadtteilzentren. Sie sind nach wie vor ein wichtiger Standortfaktor für die gesamte Stadt. Dies waren die Kernaussagen des Präsidenten der federführenden IHK zu Dortmund, Heinz-Herbert Dustmann, zur Entwicklung des großflächigen Einzelhandels im Ruhrgebiet.

Wachsender Onlinehandel

Der wachsende Onlinehandel mache es aber nicht einfacher die Balance zwischen den Expansionswünschen der großflächigen Handelsbetriebe und der Sicherung gewachsener Handelsstrukturen in den Zentren zu halten. Aus diesem Grund halten die Ruhr-IHKs eine räumliche Steuerung des großflächigen Einzelhandels aus gesamtwirtschaftlichem Interesse für notwendig und gerechtfertigt. Dustmann: „Wir fordern die Kommunen auf, kommunale und regionale Einzelhandels- und Zentrenkonzepte aufzustellen, zu aktualisieren und umzusetzen.“ Damit könne Investitions- und Planungssicherheit für alle Beteiligten geschaffen werden. Er wies auf eine aktuelle Broschüre der Ruhr-IHKs zu Einzelhandels- und Zentrenkonzepten hin.

Diese Aussagen glaubt man Dustmann aufs Wort. Hat er doch in Dortmunds größtem Nebenzentrum Hombruch gerade einen Lifestyle-Store eröffnet der die Wünsche von der oberen Mitte bis hin zu Premium-Marken erfüllt. Wörtlich sagte Dustmann: „Neben meinem Hauptgeschäftsfeld in der Ladengestaltung auf internationaler Ebene, bin ich mit Leidenschaft auch Einzelhändler.

Möbelmärkte wichtiges strategisches Thema

Jörg Lehnerdt, Leiter der BBE Handelsberatung GmbH Niederlassung in Köln, bestätigte, dass die hohen Wachstumsraten bei den Verkaufsflächen „650+“ der Vergangenheit angehören zu scheinen. Mit 7,05 Millionen m² werde zwar ein Höchststand erreicht, gegenüber 2016 habe es allerdings nur wenig Veränderung ergeben. Ein wichtiges strategisches Thema bleiben die Expansionspläne von Möbelmärkten, in einem nicht mehr wachsenden Markt, der von Konzentrationsprozessen und Übernahmen geprägt sei.

Lehnerdt resümierte: „Neueröffnungen sind seltener geworden, finden aber immer noch häufiger statt als Schließungen. Zuletzt haben dabei Fachmärkte das Geschehen dominiert. Verlierer am Markt sind weiterhin Warenhäuser und Fachgeschäfte. Nach Jahren des Rückgangs wächst die Bevölkerung im Gebiet der Ruhr-IHKs wieder, dennoch hat die Einwohnerzahl mit 5,84 Mio. den Stand von 2009 (5,93 Mio. Ew.) noch nicht wieder erreicht. Mit 1,21 m² gibt es inzwischen mehr Verkaufsflächen je Einwohner als je zuvor. Auch die Flächen von Lebensmittelmärkten haben mit 0,30 m² je Einwohner einen neuen Höchststand erreicht. Die mittlerweile 1.815 Lebensmittelmärkte „650+“ haben im Durchschnitt 1.220 m² Verkaufsfläche und sind damit seit 2009 stetig gewachsen. Viele kleinere Märkte wurden inzwischen aufgegeben oder umgenutzt.“

Zentrale Versorgungsbereiche rückläufig

Die Zahl der in Einzelhandelskonzepten festgelegten Zentralen Versorgungsbereiche (ZVB) sei von ehemals 621 im Jahr 2013 auf nunmehr 471 zurückgegangen. Grund dafür seien die zu geringen Besatzstrukturen in kleineren ehemaligen Nahversorgungszentren. Lehnerdt hob hervor, dass sich die stärkeren Zentren im Ruhrgebiet im Wettbewerb zum Onlinehandel behaupteten, denn die Verkaufsflächen der strukturprägenden „650+“-Betriebe in den ZVB seien nicht weniger geworden: Mit 2,2 Mio. m2 erreichen sie weiterhin einen Anteil von 31 Prozent an der Gesamtverkaufsfläche der größeren Betriebe. Als Folge des zunehmenden Onlinehandels zeige sich allmählich aber ein Bedeutungsverlust der Haupt- und Nebenzentren bei wichtigen Innenstadtbranchen wie insbesondere Bekleidung, Unterhaltungselektronik und Sport.

Weitere aktuelle Kennzahlen und Fakten zu den Einzelhandelsstrukturen im Ruhrgebiet bietet der IHK-Handelsreport Ruhr 2018, der auf der Homepage der Ruhr-IHKs  heruntergeladen werden kann.

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