Gewerbsmäßiger Drogenhandel im Kinderzimmer: Bewährungsstrafe und Arrest

Weil er sein Taschen­geld auf­bes­sern woll­te, zog ein 20-Jäh­ri­ger Holzwicke­der aus dem Kin­der­zim­mer her­aus einen schwung­haf­ten Dro­gen­han­del auf. Wegen des gewerbs­mä­ßi­gen Han­delns mit Betäu­bungs­mit­teln in 20 Fäl­len hat­te sich der jun­ge Mann, der noch bei sei­ner Mut­ter wohnt, heu­te (18.3.) vor dem Amts­ge­richt in Unna zu ver­ant­wor­ten.

Ins­ge­samt 20 Mal ver­kauf­te der 20-Jäh­ri­ge in der Zeit von Ende Juli bis Mit­te Okto­ber vori­gen Jah­res Mari­hua­na in Grö­ßen­ord­nun­gen von 25 und 50 Gramm an sei­nen nur unwe­sent­lich älte­ren Haupt­ab­neh­mer. Zwi­schen 200 Euro (für 25 g.) und 380 Euro (für 50 g.) kas­sier­te der 21-Jäh­ri­ge dafür. Offen­bar ein lukra­ti­ves Geschäft, denn bei sei­ner Fest­nah­me am 13. Okto­ber vori­gen Jah­res beschlag­nahm­ten die Dro­gen­fahn­der neben Dro­gen und Zube­hör auch drei teu­re Han­dys und 4.745 Euro in bar in sei­nem Kin­der­zim­mer. Auch die drei Han­dys und das Bar­geld bekommt der Ange­klag­te nicht wie­der, zumal er in der Ver­hand­lung heu­te auf etwai­ge Ansprü­che ver­zich­te­te.

Amts­rich­te­rin Viel­ha­ber-Kart­haus zeig­te sich über­zeugt, dass es neben den 20 Fäl­len, die nach­ge­wie­sen wer­den konn­ten und heu­te zur Ver­hand­lung kamen,  wohl noch wei­te­re Geschäf­te gab. „So blau­äu­gig sind wir nicht, dass wir glau­ben, dass es nur die­sen einen Abneh­mer gab“, mein­te die Rich­te­rin.

Erdrückende Beweislast

Der Holzwicke­der mach­te denn auch auf der Ankla­ge­bank heu­te erst gar kei­nen Ver­such, sei­ne Dro­gen­ge­schäf­te zu leug­nen, son­dern zeig­te sich voll gestän­dig. Die Beweis­last war ohne­hin erdrückend, wie die Rich­te­rin fest­stell­te: Es gebe nicht nur umfang­rei­che Chat­pro­to­kol­le aus dem belieb­ten Whats­app-Mes­sen­ger. „Sehr hilf­reich“ sei auch die umfang­rei­che Aus­sa­ge des Haupt­ab­neh­mers des Ange­klag­ten bei der Poli­zei gewe­sen. Die­ser Zeu­ge wird sich in einem geson­der­ten Ver­fah­ren auch selbst noch vor Gericht ver­ant­wor­ten müs­sen.

Auf Nach­fra­ge der Rich­ter erklär­te der Ange­klag­te, dass er selbst gar kei­ne Dro­gen kon­su­mie­re. „Das ist unge­wöhn­lich“, stell­te Rich­te­rin Viel­ha­ber-Kart­haus fest.  „Erfah­rungs­ge­mäß kif­fen die mei­sten erst selbst, bevor sie dann spä­ter auch anfan­gen zu dea­len.“ Wie er denn auf die Idee ver­fal­len sei, in den Han­del mit Rausch­gift ein­zu­stei­gen?  „Ich habe Geld gebraucht“, erklär­te der jun­ge Mann. Sein Taschen­geld habe nicht gereicht.  Des­halb sei er nach Dort­mund zur Mün­ster­stra­ße gefah­ren, um dort Mari­hua­na ein­zu­kau­fen.  „Das war dumm. Aber ich bin noch jung und habe die Situa­ti­on nicht so ernst gese­hen“,  zeig­te der  Ange­klag­te spä­te Ein­sicht.

Handschellen und Nacht in Haft „heilsamer Schock“

Wesent­lich bei­ge­tra­gen haben dürf­te dazu sei­ne Ver­haf­tung am 13. Okto­ber vori­gen Jah­res.  Da wur­de der knapp 20-Jäh­ri­ge in Hand­schel­len abge­führt und mit dem Poli­zei­wa­gen zum Ver­hör gebracht. Anschlie­ßend muss­te er eine Nacht in Haft ver­brin­gen. Das sei ein „heil­sa­mer  Schock“ für ihn gewe­sen, ver­si­chert der Holzwicke­der: „Ich hat­te so etwas ja noch nie erlebt. Seit­dem habe ich nie wie­der gedealt.“

Einen aus­ge­spro­chen „guten Geschäfts­sinn“ atte­stier­te die Ankla­ge­ver­tre­te­rin dem jun­gen Holzwicke­der in der Ver­hand­lung heu­te. „Nur lei­der ent­wickel­te sich der in eine fal­sche Rich­tung.“  Dass der Ange­klag­te gezielt den Kon­takt zu pro­fes­sio­nel­len Dro­gen­händ­lern in der Dort­mun­der Sze­ne gesucht habe und selbst in den Han­del mit Rausch­gift ein­ge­stie­gen sei, um sei­nen Lebens­un­ter­halt zu finan­zie­ren, zeu­ge von erheb­li­cher kri­mi­nel­ler Ener­gie. Wie schwer­wie­gend sei­ne Straf­ta­ten sind, zei­ge sich auch dar­an, dass nach dem Erwach­se­nen­straf­recht eine Bewäh­rungs­stra­fe für den Holzwicke­der gar nicht mehr in Fra­ge käme.

Soll­te der knapp 20-jäh­ri­ge aber nach Ansicht des Gerich­tes noch unter das Jugend­straf­recht fal­len, so die Staats­an­wäl­tin, sei eine Haft­stra­fe von einem Jahr Haft zur Bewäh­rung, ver­bun­den mit einer Woche Dau­er­ar­rest, ange­mes­sen. Der Ver­tei­di­ger folg­te dem Antrag der Ankla­ge bis auf einen Punkt: Der „Warn­schuss-Arrest“ sei nicht nötig. Zumal der Ange­klag­te einen Teil­zeit­job habe, den er dann zu ver­lie­ren dro­he.

Gericht sieht „schädliche Neigung“

Rich­ter Viel­ha­ber-Kart­haus folg­te mit ihrem Urteil von einem Jahr Haft zur Bewäh­rung aus­ge­setzt dem Antrag der Ankla­ge und ver­häng­te auch die gefor­der­te eine Woche Dau­er­ar­rest: Das sei mit Schu­le und Job durch­aus ver­ein­bar. „Man kann alles regeln und den Dau­er­ar­rest  auch in die Feri­en legen.“ Er sei aber not­wen­dig, um dem Ange­klag­ten zu ver­deut­li­chen, was ihm blüht, soll­te er noch ein­mal ins Dro­gen­ge­schäft ein­stei­gen. „Wor­te rei­chen da allein mei­stens nicht aus.“

Ob der zur Tat­zeit knapp 20-jäh­ri­ge über­haupt noch unter das Jugend­straf­recht fal­le, sei vom Gericht durch­aus „tur­bu­lent dis­ku­tiert“ wor­den, so die Rich­te­rin in der Urteils­be­grün­dung. Aller­dings befin­de sich der 20-Jäh­ri­ge erkenn­bar noch in der Fin­dungs­pha­se und Rei­fe­ver­zö­ge­run­gen könn­ten nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Zugun­sten des Ange­klag­ten spre­che außer­dem, dass er einen Haupt­schul­ab­schluss habe und der­zeit wie­der zur Schu­le gehe, um die Fach­ober­schul­rei­fe zu erlan­gen sowie einen Teil­zeit­job aus­übe. Zudem sei er gestän­dig und bis­lang prak­tisch straf­frei gewe­sen. Aller­dings zeug­ten sei­ne Straf­ta­ten auch von einer „erheb­li­chen Kri­mi­na­li­tät“. Zwei­fel­los sei bei dem 20-Jäh­ri­gen eine „schäd­li­che Nei­gung vor­han­den“, die auch nicht von heu­te auf mor­gen erle­digt sei. Hier wol­le das Gericht ein­fach sicher sein, dass die­ses Defi­zit beho­ben wer­de. Dem Holzwicke­der wird ein Bewäh­rungs­hel­fer zuge­teilt. Soll­te der jun­ge Holzwicke­der sich in den zwei Jah­ren Bewäh­rungs­zeit eine wei­te­re Straf­tat zuschul­den las­sen kom­men, wan­dert er unver­meid­lich hin­ter Git­ter.

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visage

Dipl.-Journalist

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