Fehlende Kindergartenplätze: Drei Container als Notlösung für unversorgte Eltern nötig

Die Fläche links neben der Rausinger Halle ist nun doch wieder als Standort für einen Kin­der­garten zum 1. August im Gespräch – wenn auch nur als Not­lö­sung. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Nach der Stand­ort­suche für einen Kin­der­garten ist vor der Stand­ort­suche: Weil die Gemeinde Holzwickede es mehr als ein Jahr lang nicht geschafft hat, ein Grund­stück für den drin­gend nötigen Neubau eines Kin­der­gar­tens bereit­zu­stellen, stehen jetzt 30 Eltern mit ihren Kin­dern unver­sorgt da. Da diese Eltern aber einen ein­klag­baren Rechts­an­spruch auf einen Kin­der­gar­ten­platz haben, müssen der Kreis Unna und die Gemeinde Holzwickede jetzt im Hau­ruck-Ver­fahren wei­tere Grund­stücke für eine Con­tai­nerlö­sung zum 1. August bereit­stellen.

Immerhin hat es die Gemeinde mit viel zu langem Anlauf geschafft, auf dem Fest­platz ein Grund­stück für den regu­lären Neubau eines vier­zü­gigen Kin­der­gar­tens anzu­bieten. Ursprüng­lich sollte die Ein­rich­tung, für die die AWO als Träger vor­ge­sehen ist, schon zum 1. August dieses Jahres betriebs­be­reit sein. Doch weil sich die Holzwickeder Politik schwer tat, ein geeig­netes Grund­stück anzu­bieten, kann der Neubau erst frü­he­stens zum Sommer näch­sten Jahres fertig werden. Wenn über­haupt: Denn es gibt noch gar kein Bau­recht für die Fläche auf dem Fest­platz, die sich womög­lich auch noch als zu klein für eine vier­zü­gige Ein­rich­tung erweisen könnte. Und die Nach­barn haben schon mit Klage gedroht.

In der ent­schei­denden Sit­zung des Fach­aus­schusses hatte Tor­sten Göp­fert, als Sozial- und Fami­li­en­de­zer­nent beim Kreis Unna zuständig für die Bedarfs­pla­nung, zwar noch erklärt, dass der neue Kin­der­garten erst im kom­menden Jahr benö­tigt würde. Doch bereits in der Sit­zung wider­spra­chen ihm einige Eltern laut­stark, da sie drin­gend einen Kin­der­gar­ten­platz bereits in diesem Jahr benö­tigen. Kreis-Jugend­amts­lei­terin Sandra Waßen ver­sprach den diesen Eltern spontan eine seriöse Not­lö­sung, die zum näch­sten Kin­der­gar­ten­jahr ab 1. August noch greifen würde.

Aktuell 30 unversorgte Eltern haben Rechtsanspruch

Zu diesem Zeit­punkt hatten alle Ver­ant­wort­li­chen im Kreis- und im Rat­haus noch darauf spe­ku­liert, dass es aus­rei­chen würde, einen Con­tainer zur Unter­brin­gung einer Kin­der­gar­ten­gruppe auf dem Gelände des evan­ge­li­schen Kin­der­gar­tens „Schatz­kiste“ in Hengsen auf­zu­stellen. Doch ein Con­tainer reicht längst nicht mehr aus, um den Ver­sor­gungs­be­darf zu decken. Denn wie sich jetzt her­aus­stellt, hat das Kreis-Jugendamt die Holzwickeder Politik bereits im nicht­öf­fent­li­chen Teil des Pla­nungs- und Bau­aus­schusses am 4. April infor­miert, dass nach aktu­ellem Stand min­de­stens 30 Eltern in Holzwickede noch unver­sorgt sind. Was bedeutet: Es werden zwei wei­tere Con­tainer zur Unter­brin­gung einer U-3-Gruppe sowie einer Ü-3 Gruppe auf­ge­stellt werden müssen.

Sozial- und Fami­li­en­de­zer­nent des Kreises Unna: Tor­sten Göp­fert. (Foto: nowo­foto – Kreis Unna)

Not­lö­sungen bei der Unter­brin­gung von Kin­der­gar­ten­gruppen sind dabei nicht neu in Holzwickede. Schon seit November 2014 steht ein Con­tainer auf dem Gelände des AWO-Kin­der­gar­tens in Opher­dicke, in dem eine Kin­der­gruppe („Son­nen­käfer“) unter­ge­bracht ist. Eine wei­tere Kin­der­gar­ten­gruppe („Stern­schnuppen“) des evan­ge­li­schen Kin­der­gar­tens „Schatz­kiste“ ist pro­vi­so­risch im ehe­ma­ligen Feu­er­wehr­ge­rä­te­haus an der Schwerter Straße unter­ge­bracht.

Mit den drei noch not­wen­digen Con­tai­nerlö­sungen wären es dann ganze fünf pro­vi­so­risch unter­ge­brachte Kin­der­gar­ten­gruppen – ziem­lich viele Not­lö­sungen für eine Gemeinde, die sich selbst gerne als kinder- und fami­li­en­freund­lich beschreibt.

Bleibt nun die Frage: Wo werden die drei Con­tainer für die Kin­der­gar­ten­gruppen auf­ge­stellt? Hier hüllen sich die Offi­zi­ellen noch in Schweigen. Ent­schieden werden soll das im inter­frak­tio­nellen Älte­stenrat, der am kom­menden Montag (24. April) tagt. Viele Mög­lich­keiten gibt es indes nicht, wie die jah­re­lange Suche nach einem regu­lären Kin­der­garten-Standort gezeigt hat. Die Anfor­de­rungen an einen pro­vi­so­ri­schen Con­tai­ner­standort sind im Prinzip die glei­chen wie bei einer regu­lären Kita. Aller­dings könnte das Grund­stück wohl kleiner sein.

Klar dürfte sein, dass einer der Con­tainer für eine zusätz­liche Gruppe wie beab­sich­tigt auf dem Gelände der Kita „Schatz­kiste“ in Hengsen auf­ge­stellt wird.

Politik favorisiert Bolzplatz neben der Rausinger Halle

Dar­über hinaus hat Tor­sten Göp­fert schon erklärt, dass die beiden anderen Con­tainer nicht zwin­gend auf dem Gelände einer bereits bestehenden Ein­rich­tung ange­glie­dert sein müssten.

Des­halb dürften auch wieder alle Flä­chen in der Dis­kus­sion sein, die bereits für den Neubau im näch­sten Jahr abge­lehnt worden sind. Wobei der Standort am Aachener Weg von der Politik kate­go­risch abge­lehnt worden ist und des­halb wohl auch nicht für eine Con­tai­nerlö­sung in Frage kommt. Poli­tisch umstritten ist auch der Standort im Emscher­park (SPD-Vor­schlag), der mit knapper Mehr­heit abge­lehnt worden ist.

Bleibt noch der Standort an der Rausinger Halle (Bolz­platz). Dieser Standort wäre von allen Frak­tionen mit­ge­tragen worden und wird des­halb favo­ri­siert, wie es heißt. Gegen ihn sprach ledig­lich, dass er etwas zu klein war für einen vier­zü­gigen Kin­der­garten und zusätz­li­cher Grund­er­werb nicht mög­lich war. Für eine Not­lö­sung mit zwei Kin­der­gar­ten­gruppen in zwei Con­tai­nern wäre die gemein­de­ei­gene Fläche aller­dings allemal aus­rei­chend. Gut mög­lich also, dass es zum 1. August doch noch einen neuen Kin­der­garten an der Rausinger Halle gibt. Wenn auch nur als Pro­vi­so­rium.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.