Fahrradfahrer übersehen: Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingestellt

Gar nicht glück­lich war der 52 Jahre alte Ange­klagte mit dem Angebot, das ihm der Unnaer Amts­richter Chri­stian Johann heute (14. Februar) unter­brei­tete: Er sei bereit die Anklage gegen den selbst­stän­digen Kfz-Mei­ster aus Schwerte wegen fahr­läs­siger Kör­per­ver­let­zung ein­zu­stellen, wenn dieser 500 Euro an eine gemein­nüt­zige Ein­rich­tung zahlt.

Was dem Ange­klagten vor­ge­worfen wird: Am 29. Juni vorigen Jahres ver­ur­sachte er gegen 16.55 Uhr mit einem Kun­den­fahr­zeug der Marke Dacia als Links­ab­bieger im Ein­mün­dungs­be­reich Lang­scheder- und Müh­len­straße Straße einen Ver­kehrs­un­fall mit einem vor­fahrt­be­rech­tigten Rad­fahrer. Das ist soweit unstrittig und auch zivil­recht­lich schon abge­han­delt.

Wenn ein Pfeil auf Sie zufliegt, können Sie den auch nicht sehen.

Der Anklagter (52 J.)

Vor dem Amts­ge­richt ging es heute allein um die fahr­läs­sige Kör­per­ver­let­zung. „Da bin ich mir keiner Schuld bewusst, denn ich habe ja auch keinen Fehler gemacht“, so der Ange­klagte. Er habe den Gegen­ver­kehr auf­merksam beob­achtet und zunächst auch noch einen Trecker weg­fahren lassen. Den Rad­fahrer habe er in dem unüber­sicht­li­chen Ein­mün­dungs­be­reich über­haupt nicht erkennen können. „Der war ver­mut­lich viel zu schnell und schlug in mein Heck ein, als ich schon in der Müh­len­straße stand. Den konnte ich gar nicht sehen.“ Schließ­lich habe der Geschä­digte ein 15.000 Euro teures Renn-E-Bike von Can­non­dale gefahren. „Wenn ein Pfeil auf Sie zufliegt, können Sie den auch nicht sehen“, so der Ange­klagte.

Geldbuße von 500 Euro an Verkehrswacht

Dieser Argu­men­ta­tion wollte der Richter aller­dings nicht folgen: „Sie haben die Vor­fahrt nicht beachtet. Wel­ches Fahr­zeug es war, ist doch ganz egal. Es hätte ja auch ein Motorrad sein können“, so der Richter. Da der Ange­klagte sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen hat, auch keine Punkte in Flens­burg, bot das Gericht nach Vor­schlag des Staats­an­waltes an, das Ver­fahren wegen fahr­läs­siger Kör­per­ver­let­zung nach § 153 a gegen Zah­lung einer Geld­buße von 500 Euro vor­läufig ein­zu­stellen. 

Die Geld­buße schien dem Ange­klagten jedoch zu hoch, wie er nach län­gerer Bera­tung mit seinem Ver­tei­diger aus­richten ließ. Damit biss er jedoch beim Richter auf Granit: „Wir sind hier nicht auf dem Basar“, wies er den Ange­klagten zurecht und rech­nete ihm vor: Allein das nötige Gut­achten zur Klä­rung der Frage, ob er den Rad­fahrer hätte sehen können oder nicht, würde schon 4.000 Euro kosten. Hinzu kämen anschlie­ßend noch die Strafe bei einem Urteil sowie die wei­teren Kosten des Ver­fah­rens – da sei er 500 Euro noch gut bedient. Dar­aufhin stimmte der Ange­klagte, wenn auch zäh­ne­knir­schend, der Zah­lung von 500 Euro an die Ver­kehrs­wacht zu.

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