Emscherkaserne umwandeln: SPD und CDU wollen auf rd. 1,5 Mio. Euro verzichten

Die abge­mil­der­ten Vor­ga­ben der Gemein­de sol­len Inve­sto­ren anlocken: die ehe­ma­li­ge Emscher­ka­ser­ne in Holzwicke­de. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

Mit der Mehr­heit der bei­den gro­ßen Frak­tio­nen SPD und CDU hat der Pla­nungs- und Bau­aus­schuss in sei­ner Sit­zung am Mon­tag­abend dir Vor­ga­ben für einen mög­li­chen Inve­stor des Wohn­parks Emscher­quel­le kon­kre­ti­siert. Ins­ge­samt 16 Punk­te gibt die Gemein­de den Inve­sto­ren für die Umwand­lung der Emscher­ka­ser­ne in Wohn­bau­land vor.  Zwei ganz ent­schei­den­de Vor­ga­ben will die Gemein­de den Inve­sto­ren erlas­sen: Grund­stücke für jun­ge Fami­li­en müs­sen nicht mehr unter Boden­richt­wert abge­ge­ben wer­den. Außer­dem will die Gemein­de auf rund 1,5 Mil­lio­nen Euro Ein­nah­men ver­zich­ten.

Ein­nah­men in die­ser Höhe oder ein ande­rer geld­wer­ter Vor­teil (z.B. Grund­stücke) wür­den der Gemein­de nach der so genann­ten 25-Pro­zent-Rege­lung zuste­hen, die der Gemein­de­rat im Jahr 1997 beschlos­sen hat. Seit­dem erhält die Gemein­de Holzwicke­de von Eigen­tü­mern, deren Grund­stücke in Wohn­bau­land umge­wan­delt wer­den und damit eine erheb­li­che Wert­stei­ge­rung erfah­ren, einen Anteil von 25 Pro­zent an die­ser Wert­stei­ge­rung. Bei einem ange­peil­ten Ver­kaufs­wert von rund fünf Mil­lio­nen Euro müss­te die Gemein­de im Fall der Emscher­ka­ser­ne rund 1,5 Mil­lio­nen Euro (oder Grund­stücke im Gegen­wert) vom Bund oder dem künf­ti­gen Inve­stor erhal­ten.

In ihrer Beschluss­vor­la­ge ist die Ver­wal­tung fälsch­li­cher­wei­se davon aus­ge­gan­gen, dass die Ein­nah­men aus der 25-Pro­zent-Rege­lung für die Erschlie­ßung des Wohn­parks Emscher­quel­le zu ver­an­schla­gen sind. Aus­schuss­vor­sit­zen­der Wil­fried Brink­mann mach­te jedoch in der Sit­zung deut­lich, dass sich die Ver­wal­tung hier im Irr­tum befin­det. Die Ein­nah­men sei­en in kei­ner Wei­se zweck­ge­bun­den. Ohne­hin sehen die Vor­ga­ben für den Inve­stor vor, dass er die äuße­re Erschlie­ßung auf sei­ne eige­nen Kosten vor­zu­neh­men hat. Von daher wäre eine Ver­rech­nung des 25-Pro­zent-Anteils mit den Erschlie­ßungs­ko­sten auch gar nicht not­wen­dig, wie Brink­mann dar­leg­te.

Ursprüngliche Vorgaben für Investoren konkretisiert

Baß erstaunt zeig­ten sich die Aus­schuss­mit­glie­der, dass der Ver­tre­ter der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en Ange­le­gen­hei­ten (BIMA), der die Inter­es­sen des Bun­des beim Ver­kauf des Kaser­nen­ge­län­des ver­tritt, in der Sit­zung erklär­te: „Ich höre hier heu­te zum ersten Mal von die­ser 25-Pro­zent-Rege­lung.“ Offen­bar wur­de sei­tens der Gemein­de­spit­zen in der Ver­gan­gen­heit ver­säumt, auf die­se Rege­lung auf­merk­sam zu machen.

Die Bür­ger kom­men sich doch ver­äp­pelt vor.“

Fritz Bern­hardt, Spre­cher der FDP im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss

Die Ver­tre­ter von Bür­ger­block, FDP und Grü­nen im Aus­schuss kri­ti­sier­ten denn auch, „die Sala­mi-Tak­tik“, mit der nach der Bür­ger­be­fra­gung zum Wohn­park Emscher­quel­le immer mehr der ursprüng­li­chen Vor­ga­ben für Inve­sto­ren zurück­ge­nom­men wer­den. „Die Bür­ger kom­men sich doch ver­äp­pelt vor“, so FDP-Spre­cher Fritz Bern­hardt.

Unge­ach­tet die­ser Kri­tik emp­fah­len die SPD und CDU-Ver­tre­ter im Aus­schuss mit 10 zu 7 Stim­men die in 16 Punk­ten kon­kre­ti­sier­ten und auf­ge­weich­ten Vor­ga­ben für die Inve­sto­ren im Rat zu beschlie­ßen.

Ich habe immer gesagt, dass die Vor­ga­ben von SPD und CDU nie­mals umzu­set­zen sind“, erin­nert Wil­fried Brink­mann (Bür­ger­block). Aber auch in den neu­en Vor­ga­ben sind nach Ansicht des Aus­schuss­vor­sit­zen­den „von der Ver­wal­tung noch nicht genau die Infra­struk­tur­maß­nah­men bezif­fert“, die der künf­ti­ge Inve­stor erbrin­gen soll. Und der Ver­zicht auf die 25-Pro­zent-Rege­lung sei „völ­lig indis­ku­ta­bel“, so der Fach­aus­schuss­vor­sit­zen­de: „Ich möch­te die Grund­stücke oder den Geld­wert haben. In die­sem Punkt wer­den wir auch nicht locker las­sen.“ Schließ­lich gehe es um viel Geld für die Gemein­de.

SPD-Chef Micha­el Klim­ziak erklär­te jedoch schon, dass dar­über, wie mit der 25-Pro­zent-Rege­lung ver­fah­ren umge­gan­gen wer­den soll, noch bera­ten wer­den kann. Sei­ne Frak­ti­on sei jedoch bereit,  auch den Geld­wert mit den Erschlie­ßungs­ko­sten, die der Inve­stor sowie­so erbrin­gen muss, zu ver­rech­nen, wie von der Ver­wal­tung vor­ge­schla­gen. „Unser Maß­stab war von Anfang an, dass wir nicht ver­die­nen wol­len, aber auch kein Geld dazu­le­gen wol­len.“ Ziel und Sinn der gan­zen Umwand­lung sei doch, dass „der Schand­fleck weg­kommt und kin­der­rei­che Fami­li­en in die Gemein­de zu bekom­men. Damit kön­nen dann am Ende alle gut leben. Die klei­ne­ren Par­tei­en wol­len doch nur die Umset­zung die­ses Bau­ge­bie­tes ver­zö­gern.“

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visage

Dipl.-Journalist

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