Emschergenossenschaft und Gemeinde vereinbaren enge Zusammenarbeit

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Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, unterzeichnen die Kooperationserklärung im Holzwickeder Rathaus zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“. (Foto: privat)

Die Gemeinde Holzwickede hat im Mai 2014 im Rahmen der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung der Emscherkommunen, der Emschergenossenschaft und des Landes NRW (Umweltministerium) ihre Mitwirkung an der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ erklärt.  Aus der reinen Absichtserklärung ist mittlerweile eine feste Kooperationserklärung geworden – heute (31. August) wurde sie nun im Rathaus von Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, unterzeichnet.

Im Zentrum der Zukunftsinitiative stehen die Handlungs- und Gestaltungsperspektiven, die mit dem innovativen Leitbild der „Integralen Wasserwirtschaft“ und einer wassersensiblen Stadt- und Quartiersentwicklung verbunden sind.

 Alle Partner erwarten über ihre aktive Mitwirkung an der Zukunftsinitiative eine kontinuierliche Beförderung der Umsetzung ihrer jeweiligen Zielsetzungen im Bereich der Klimaanpassung, des Überflutungs- und Hochwasserschutzes, der wasserinfrastrukturellen Systeme, der Gewässerökologie sowie der urbanen Lebensqualität.

Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“

Um die Absichtserklärung zur Zukunftsinitiative mit Leben zu füllen, konkretisieren die Partner die gemeinsame Zusammenarbeit durch die Kooperationserklärung. „Eine integrale Wasserwirtschaft bringt zahlreiche Vorteile mit sich: Um den gesamten Wasserkreislauf im Blick zu behalten, führt unsere Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ unter anderem Themen wie Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung, Freiraumplanung, Klimaanpassung und Straßenbau enger zusammen“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Ein praktisches Beispiel: Wird in einer Straße die Fahrbahn saniert, müsste automatisch mitgeklärt werden, ob es sich nicht auch lohnt, im Rahmen dieser Maßnahme auch gleich ohnehin anstehende Kanalbauarbeiten durchzuführen, um spätere Mehrkosten zu vermeiden. Die zur Verfügung stehenden Daten könnten darüber hinaus auch Aufschluss darüber geben, wie der Grundwasserspiegel in der Straße aussieht und ob im Zuge der Kanalbaumaßnahme nicht auch Grundwasserdrainagen gelegt werden sollten – um nasse Keller infolge steigender Grundwasserstände zu vermeiden! Die Wasserwirtschaft kann folglich einen bedeutenden Beitrag für das Leben in den Städten und Metropol-Regionen von morgen leisten.

„In unserer Gesellschaft steht uns sauberes Trinkwasser stets ausreichend zur Verfügung. Das „Grabenprojekt Hohenleuchte“ wurde bereits erfolgreich in Holzwickede umgesetzt.

Unter diesem Aspekt unterstützen wir die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, das Folgeprojekt wird die Regenwassergewinnung der Erweiterung des neuen Rat- und Bürgerhauses sein“, sagt Holzwickedes Bürgermeisterin  Ulrike Drossel.

Kooperationen und Synergien

Die Emscherregion verändert sich nicht nur durch den Strukturwandel. Auch der demographische Wandel und der Klimawandel verändern Zielrichtungen in der Siedlungsentwicklung und stellen die Region vor neue Herausforderungen. Diese Anforderungen müssen die Planungen aller Beteiligten in der Region in abgestimmten Prozessen ausgewogen berücksichtigen. Um die Städte in der Emscher-Region auch unter sich ändernden Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu halten, müssen Veränderungen mit einer Stadtgestaltung verbunden sein, die ein intaktes Lebensumfeld ermöglicht und einen Qualitätsgewinn für das städtische Leben erzeugt.

Die Anpassung an den Klimawandel ist eine elementare Aufgabe aller Planungen. Der Umgang mit dem Regenwasser als Bestandteil der integralen Wasserwirtschaft in Siedlungsgebieten ist ein Leitthema für nahezu alle Ziele. Wasserwirtschaft hat damit eine tragende Rolle in der Stadtgestaltung und Stadtentwicklung.

Die Vernetzung von Grünzügen und Wasserachsen, temperaturregulierende Wasserflächen, dezentrale Puffer- und Speicherräume zum Rückhalt von Starkregen, die Gestaltung von urbaner Landschaft mit der Bewirtschaftung von Regenwasser sind elementare Bestandteile in der ökologischen Stadtentwicklung und der Anpassung und Minderung der Klimawandelfolgen.

Ein Ausgangspunkt für die intensivere Zusammenarbeit ist unter anderem das Kooperationsmodul „ZuGaBe“. Das Akronym steht für „Zukunftschancen ganzheitlich betrachten“. Dabei geht es um ein konkretes und praxisorientiertes GIS-gestütztes Planungsmodul. Das Programm zeigt die Potenziale des Zusammenwirkens von integraler Wasserwirtschaft und Stadt- und Freiraumplanung mit anderen Fachdisziplinen auf. Es hilft, Synergien zwischen verschiedenen Handlungsfeldern zu erkennen und Chancen für eine Stadtentwicklung mit Blick auf Wasserthemen zu ermitteln.

Regenwasser-Projekte

Die neue Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ baut darüber hinaus auf der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ auf, die die Emschergenossenschaft 2005 mit den Emscherkommunen und dem Land NRW auf den Weg gebracht hatte. In Holzwickede sind seitdem zahlreiche Projekte umgesetzt worden, hier nur zwei Beispiele:

Projekt Hohenleuchte

Das Grabenprojekt Hohenleuchte liegt westlich der Holzwickeder Innenstadt und umfasst im Wesentlichen die Wohnbebauung an der Steinstraße und der Hohenleuchtestraße sowie die große Hangfläche zwischen Lünschermannsweg und Emscherquelle. Insgesamt wurden rund 2 ha befestigte Fläche und 4 ha natürliche Fläche von der Mischkanalisation abgekoppelt. Der früher in der Kanalisation endende Graben am Lünschermannsweg wurde mit Fördermitteln des Landes aufgenommen und über neu erstellte Straßenrinnen zur Emscher geführt. Die angrenzenden Wohnstraßen wurden ebenfalls an die neuen Straßenrinnen angeschlossen. Das gesammelte Oberflächenwasser wird im Uferbereich der Emscher durch die belebte Bodenzone versickert und stärkt somit gereinigt den Niedrigwasserabfluss der Emscher. Mit Fördermitteln der Emschergenossenschaft wurde eine große Zahl der angrenzenden Dachflächen abgekoppelt, indem die Fallrohre über Rinnen bzw. Rohre an die neuen Straßenrinnen angeschlossen wurden.

Projekt Marktplatz

Das Abkopplungsprojekt Marktplatz umfasst den Marktplatz, das Rathaus und Teile des technischen Verwaltungsgebäudes. Das von diesen Flächen abfließende Oberflächenwasser wird dazu über Regenwasserkanäle einem im Emscherpark errichteten Rückhaltebecken zugeführt und von dort gedrosselt in die durch den Park fließende Emscher eingeleitet. Mit Fördermitteln der Emschergenossenschaft konnten so rund 3.300 m² befestigte Fläche von der Mischkanalisation abgekoppelt werden.

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