Eine Woche Dauerarrest für Drogendeal auf dem Schulhof

Weil er im März des Jahres ins­ge­samt fünf Mal Drogen (Mari­huana bzw. Can­nabis) an seine min­der­jäh­rigen Mit­schüler ver­kauft haben soll, musste sich ein 19-jäh­riger aus Holzwickede heute (28.9.) vor dem Amts­ge­richt in Unna ver­ant­worten.

Ins­ge­samt vier Mal soll der Holzwickeder die Drogen im Gegen­wert von jeweils zehn bis 20 Euro am Bahnhof in Königs­born an seine Abnehmer im Alter von 13 bis 14 Jahren ver­kauft haben. Ein wei­teres Mal wurden die Drogen von ihm sogar in einem Gym­na­sium in Unna ver­kauft.

Auf der Ankla­ge­bank heute leug­nete der 19-Jäh­rige die ersten vier ihm vor­ge­wor­fenen Taten („Davon weiß ich nichts“) und räumte ledig­lich den Ver­kauf von Can­nabis an einen jün­geren Schüler in dem Gym­na­sium ein, das er auch selbst noch besucht. Er sei von dem jün­geren Schüler ange­spro­chen worden, ob er ihm Can­nabis besorgen könne, so der Holzwickeder. „Ja, ich habe ihm etwas besorgt“, räumte der Ange­klagte ein. Er habe erst noch eine Klausur geschrieben, sei dann weg gegangen, um die Drogen zu holen. Eigent­lich sei es ihm nur darum gegangen, die beiden 13 und 14 Jahre alten Abnehmer „zu ver­ar­schen“ , recht­fer­tigte sich der Ange­klagte: Statt der ver­langten knapp zwei Gramm habe er etwas für den Eigen­konsum abge­zweigt und nur ein Gramm an die beiden jün­geren Schüler gelie­fert.

19-Jähriger als Drogendealer in der Schule bekannt

So harmlos, wie sich der Ange­klagte heute vor Gericht gab, ist er aber offen­sicht­lich nicht. Zumin­dest wussten an seiner Schule viele Schüler, dass er mit Drogen dealt. Denn im Zeu­gen­stand sagten zwei der min­der­jäh­rigen Zeugen heute aus, dass in ihrer Schule all­ge­mein bekannt gewesen sei, dass man bei dem Holzwickeder Drogen kaufen könne. Zu der kon­kreten Tat befragt, sagten die beiden Zeugen aus, dass sie außer­halb der Schule zusam­men­ge­standen hatten, um eine Ziga­rette zu rau­chen, als der Holzwickeder sich dazu gesellt und ihnen erklärt habe, dass sie ihn nur anrufen bräuchten, wenn sie Can­nabis kaufen wollten. Und tat­säch­lich habe der Ange­klagte auch seine Tele­fon­nummer hin­ter­lassen, über die dann auch einer der beiden Kon­takt zu ihm auf­nahm und den Dro­gen­deal ein­fä­delte. Vor der ersten Pause habe er den Ange­klagten ange­rufen, der in der zweiten Pause auch prompt das Haschisch lie­ferte. „Nach der Schule haben wir es dann geraucht.“

Der zweite junge Zeuge sagte aus, dass er Anfang des Jahres auch einmal nach Holzwickede gefahren sei, nachdem er den Ange­klagten ange­rufen hatte. Anschlie­ßend sei er auf dem Bahn­hofs­ge­lände ein Stück mit dem 19-Jäh­rigen ein Stück gegangen und habe dabei Can­nabis im Wert von zehn Euro bei ihm gekauft.

Ich weiß nicht, wie die beiden dazu kommen, so etwas zu sagen“, erklärte der Ange­klagte dazu nur. Der Staats­an­walt und Richter Chri­stian Johann schienen ange­sichts dieser Aus­sagen nicht mehr von der Harm­lo­sig­keit des Ange­klagten über­zeugt. Zumal an der Schule des Ange­klagten offen die Gerüchte zu kur­sieren scheinen, dass er mit Drogen deale.

Verfahren wegen der vier anderen Taten abgetrennt

Nach kurzer Bera­tung trennte Richter Chri­stian Johann die ersten vier Tat­vor­würfe ab, um sie geson­dert zu ver­han­deln. Ver­han­delt wurde anschie­ßend noch die von dem Holzwickeder ein­ge­räumte Tat. Die Ver­tre­terin der Jugend­ge­richts­hilfe sprach in ihrer Stel­lung­nahme davon, dass der 19-Jäh­rige wohl eher noch nach dem Jugend­straf­recht zu beur­teilen sei, weil ihm noch die Reife eines Erwach­senen fehle. In den Vor­ge­sprä­chen habe der Holzwickeder auch nur wenig Ein­sicht gezeigt, was die Trag­weite seines Ver­ge­hens angehe. Immerhin habe er Kin­dern den Dro­gen­konsum ermög­licht. Des­halb emp­fahl die Jugend­ge­richts­hilfe einen Frei­zeit­ar­rest zu ver­hängen.

Der Staats­an­walt ging mit der­selben Begrün­dung sogar noch etwas weiter und bean­tragte eine Woche Dau­er­ar­rest für den Holzwickeder. Mit seinem Urteil folgte Richter Chri­stian Johann diesem Antrag. Zwi­schen dem Anruf des Schü­lers und der spä­teren Über­gabe der Drogen habe genü­gend Zeit gelegen, in der der Ange­klagte sich hätte bewusst werden können, was da tut: näm­lich Drogen an Kinder ver­kaufen. „Aus erzie­he­ri­schen Gründen scheint mir der ein­wö­chige Dau­er­ar­rest des­halb nötig“, so er Richter in seiner Urteils­be­grün­dung. Immerhin könne der Arrest auch in den Ferien abge­sessen werden. Ob der 19-Jäh­rige in dem abge­trennten Ver­fahren eben­falls so glimpf­lich davon kommt, bleibt abzu­warten.

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