Einbruch in Reitsportgeschäft: DNA-Spur reicht für Verurteilung nicht aus

Wegen schweren Dieb­stahls in Holzwickede hatte sich ein 37jährige Litauer heute (23. August) vor dem Amts­ge­richt in Unna zu ver­ant­worten.

Die Anklage warf ihm vor, in der Zeit vom 18. Juni (20.30 Uhr) bis 20. Juni 2014 (9.30 Uhr) in ein Reit­sport­ge­schäft an der Nord­straße in Holzwickede ein­ge­bro­chen zu sein und dort zahl­reiche Waren, dar­unter ein Laptop, ein Fern­seher, Beklei­dung, Reit­ge­schirr und Sättel im Gesamt­wert von 33.000 Euro ent­wendet zu haben. Durch solche Ein­brüche soll der Litauer, der inzwi­schen gehei­ratet und einen Job als Schweißer im Ems­land gefunden hat, seinen Lebens­un­ter­hal­tung bestritten haben.

Der Ange­klagte selbst nahm sein Recht zu Schweigen wahr und sagte in der Ver­hand­lung heute kein ein­ziges Wort. Im Zeu­gen­stand wurde der Inhaber des Reit­sport­ge­schäftes befragt, der ledig­lich Angaben zu den zahl­rei­chen ver­schwun­denen Waren bei dem Ein­bruch in sein Geschäft machen konnte. Zeugen des eigent­li­chen Tat­ge­sche­hens gibt es keine.

Auf die Ankla­ge­bank gebracht hat den 37-Jäh­rigen eine DNA-Spur, die von den Kri­mi­nal­be­amten an der Ein­gangstür des Reit­sport­ge­schäftes gesi­chert werden konnte. Das DNA-Profil ergab beim Abgleich mit den ein­schlä­gigen kri­mi­na­li­sti­schen Daten­banken einen Treffer und führte zu dem Litauer, der dar­aufhin ange­klagt wurde.

Leider konnte die DNA-Spur am Tatort nicht voll­ständig gesi­chert werden, wie ein Gut­achter heute dem Gericht erläu­terte. Den­noch gebe es immer noch eine sta­ti­sti­sche Wahr­schein­lich­keit von 1:530, dass es sich um die gene­ti­sche Spur des 37-jäh­rigen Ange­klagten han­delt. Oder anders aus­ge­drückt: Als Täter, der in das Reit­sport­ge­schäft in Holzwickede ein­ge­bracht, kommt ohne jeden Zweifel nur der Ange­klagte oder ein Bruder von ihm in Betracht.

Nur Angeklagter oder sein Bruder können Täter sein

Andere Beweise als die DNA-Spur gibt es in diesem Fall nicht. Der Staats­an­walt­schaft reichte die Aus­sage des Gut­ach­ters den­noch, um zumin­dest den Tat­vor­wurf des Dieb­stahls als bewiesen anzu­sehen. Daran, dass der Litauer der Täter sei, gebe es bei einer Wahr­schein­lich­keit von 1:530 keine berech­tigten Zweifel mehr. Gegen den Ange­klagten spre­chen zudem ein halbes Dut­zend zumeist ein­schlä­gige Vor­strafen. Positiv sei, dass der 37-Jäh­rige inzwi­schen einen festen Arbeits­platz im recht beschau­li­chen Ems­land ange­nommen habe. Der Staats­an­walt for­derte des­halb eine Haft­strafe von 18 Monaten für ihn, die zur Bewäh­rung aus­ge­setzt werden sollte.

Der Ver­tei­diger plä­dierte kurz und knapp auf Frei­spruch für seinen Man­danten. Selbst wenn die Wahr­schein­lich­keit, dass er die Tat begangen habe, sta­ti­stisch 1:1 Millon wäre, reiche das für eine Ver­ur­tei­lung nicht aus, so der Ver­tei­diger. Denn es gebe eben trotz aller Sta­ti­stik auch die Mög­lich­keit, dass nicht der Ange­klagte, son­dern ein naher männ­li­cher Ver­wandter der Täter sei.

Wir haben Sie heute zwar frei­ge­spro­chen, aber machen Sie so etwas nicht noch einmal.“

Richter Jörg Hücht­mann

Dieser Auf­fas­sung schloss sich schließ­lich nach kurzer Bera­tung auch Richter Jörg Hücht­mann an: Außer der DNA-Spur gebe es bei dieser Tat kein ein­ziges wei­teres Indiz, das gegen den Ange­klagten spreche. Des­halb sei der Ange­klagte nach dem Rechts­grund­satz In dubio pro reo (Im Zweifel für den Ange­klagten) frei­zu­spre­chen. Laut Gut­achter könne letzt­lich nicht voll­ständig aus­ge­schlossen werden, dass auch ein Bruder des Ange­klagten der Täter sein könnte. „Und ein unzu­rei­chender Frei­spruch ist immer noch besser als ein unzu­rei­chendes Urteil“, so der Richter.

Dem schweig­samen Ange­klagten gab er abschlie­ßend aller­dings noch das Zitat eines bereits pen­sio­nierten Kol­legen als War­nung mit auf den Nach­hau­seweg: „Wir haben Sie heute zwar frei­ge­spro­chen, aber machen Sie so etwas nicht noch einmal.“

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