Carolinebrücke schon sanierungsbedürftig: Kosten in sechsstelligem Bereich drohen

Der gesamte Verlkauf der Carolinebrücke, die Fahrstühle und Treppen werden zeitnah videoüberwacht, kündigte die Verwaltung heute im Planungs- und Bauausschuss an. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Kaum zehn Jahre nach ihrem Bau ist die Caro­li­ne­brücke schon sanie­rungs­be­dürftig: Der gesamte Boden­belag muss saniert werden. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Da kommt noch etwas auf die Gemeinde zu: Dass die Caro­li­ne­brücke, im Volks­mund auch spöt­tisch „Rother-Steig“ genannt, mir rd. 3,5 Mio. Euro Bau­ko­sten mehr als dreimal so teuer wie ange­kün­digt wurde, ärgert noch immer viele Holzwickeder Bürger. Jetzt droht neuer Ärger. Keine zehn Jahre nach dem Bau der Brücke ist sie bereits sanie­rungs­be­dürftig, wahr­schein­lich wegen Bau­män­geln. Wie teuer die Sanie­rung wird, steht noch gar nicht fest. Doch Fach­leuten wie Uwe Nett­len­busch, Leiter der Tech­ni­schen Dienste der Gemeinde, ist bei aller Zurück­hal­tung klar: „Die Kosten liegen sicher im hohen sechs­stel­ligen Bereich.“

Der Sanie­rungs­be­darf erstreckt sich dabei nicht etwa auf die ständig defekten Auf­züge, mit denen es von Anfang an Ärger gibt oder gar die tra­gende Kon­struk­tion, die völlig in Ord­nung ist. Es geht allein um den Boden­belag auf der Brücke. Dort bil­deten sich schon früh auch für den Laien erkenn­bare Blasen. Diese Blasen wölben sich mal mehr, mal weniger groß nach außen. „An einigen Stellen zeigen sich auch Ein­brüche nach innen“, bestä­tigt Uwe Nett­len­busch. Die Gemeinde hat die betrof­fenen Stellen aus­bes­sern lassen, das eigent­liche Pro­blem aber nicht in den Griff bekommen.

Ursache vermutlich Baumängel

An einer Kom­plett­sa­nie­rung der Ober­fläche führt kein Weg vorbei.“

Uwe Nett­len­busch

Zur Ursa­chen­for­schung und weil der Ver­dacht auf Aus­füh­rungs­mängel beim Bau besteht, hat die Gemeinde einen externen Gut­achter ein­ge­schaltet, dessen Gut­achten jetzt vor­liegt. Das Ergebnis wurde im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss am Diens­tag­abend vor­ge­stellt – bezeich­nen­der­weise im nicht­öf­fent­li­chen Teil der Sit­zung. Die Nach­frage eines Bür­gers zum Sanie­rungs­kon­zept für die Brücke in der öffent­li­chen Bür­ger­fra­ge­stunde zuvor wurde von der Ver­wal­tung abge­blockt.

Auch gegen­über dem Emscher­blog bleibt der Leiter der Tech­ni­schen Dienste der Gemeinde vage, was die im Gut­achten benannte Ursache für die Bla­sen­bil­dungen angeht: „Der Aufbau des Boden­be­lags ist wohl regel­ge­recht. Es könnte aber sein, dass einige Mate­ria­lien zu früh auf­ein­ander gebracht worden sind. Auch ein­drin­gende Feuch­tig­keit spielt da eine Rolle“, meint Uwe Nett­len­busch. „An einer Kom­plett­sa­nie­rung der Ober­fläche führt kein Weg vorbei.“ Zwei Vari­anten werden dazu im Gut­achten vor­ge­schlagen: Die Sanie­rung mit einem durch­ge­henden Belag, ähn­lich der bestehenden Situa­tion, oder die Ver­le­gung von Kunst­stoff­pa­nelen auf dem Boden.

Zudem ist es mit der eigent­li­chen Sanie­rung nicht getan. Die Ein­rich­tung einer Bau­stelle auf einer Brücke über eine Bahn­linie ist aus­ge­spro­chen auf­wendig. „Das haben wir ja auch schon bei der Arbeit an der kleinen Brücke auf der Was­ser­straße gesehen“, meint Nett­len­busch. „Auch dafür musste teil­weise der kom­plette Bahn­ver­kehr gesperrt werden.“

Juristische Frage zunächst im Vordergrund

Doch zunächst steht nicht die tech­ni­sche, son­dern die juri­sti­sche Frage im Vor­der­grund. Für ihr wei­teres Vor­gehen holte sich die Ver­wal­tung im Fach­aus­schuss diese Woche grünes Licht: „Wir prüfen jetzt zunächst, inwie­weit eine Klage Zweck hat und Sinn macht“, bestä­tigt Nett­len­busch.

Denn beim Nach­weis einer feh­ler­haften Aus­füh­rung könnte die Gemeinde das sei­ner­zeit beauf­tragte Unter­nehmen noch immer in Regress nehmen, um nicht auf den hor­renden Kosten für die Sanie­rung sitzen zu bleiben.

Doch dieser Nach­weis wird kaum zu führen sein, ahnt Nett­len­busch: „Ver­mut­lich ist beim Aufbau tat­säch­lich irgendein Fehler pas­siert. Im Gut­achten wird auch von ‚ver­steckten Män­geln‘ gespro­chen.“ Doch genau bei diesem Ter­minus lehnen Juri­sten gerne mal eine Klage wegen Aus­sichts­lo­sig­keit ab, weiß der Leiter Tech­ni­sche Dienste. Er selbst habe es in seiner lang­jäh­rigen Praxis auch noch nie erlebt, dass eine Klage unter Beru­fung auf „ver­steckte Män­geln“ Erfolg hatte.

Es steht also zu befürchten, dass das letzte Kapitel der teuren Caro­li­ne­brücke in Holzwickede noch nicht geschrieben ist.

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