Bundesverdienstkreuz für Irmgard Devrient und Reinhard Wohlgemuth

MiLandtrat Michael Makiolla (2.v.l.) verlieh das Bundesverdienstkreuz im Namen des Bundespräsidenten an Reinhard Wohlgemuth (l.) und Irmgard Devrient für ihre Verdienste um den Natur-ö und Artenschutz. Rechts im Bild;: Hlzwickedes stellvertretender Bürgernmeister FRank Lausmann. (Foto: peter Gräber)

Landrat Michael Makiolla (2.v.l.) ver­lieh das Bun­des­ver­dienst­kreuz heute im Namen des Bun­des­prä­si­denten an Rein­hard Wohl­ge­muth (l.) und Irm­gard Devrient für ihre Ver­dienste um den Natur- und Arten­schutz. Rechts im Bild: Holzwickedes stell­ver­tre­tender Bür­ger­mei­ster Frank Laus­mann. (Foto: Peter Gräber)

Selten hat es wohl jemand mehr ver­dient: Die beiden ehren­amt­li­chen Holzwickeder Umwelt- und Natur­schützer Irm­gard Devrient und Rein­hard Wohl­ge­muth sind heute (24. Juni) mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­ge­zeichnet worden.

Ver­liehen wurde die höchste Aus­zeich­nung, die Deutsch­land zu ver­geben hat, im Namen von Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck durch Landrat Michael Makiolla im Spie­gel­saal von Haus Opher­dicke.

In seiner Lau­datio betonte Landrat Michael Makiolla, dass Irm­gard Devrient, die vielen Holzwicke­dern auch als „Fle­der­maus-Mutter“ bekannt ist, sowie Rein­hard Wohl­ge­muth, „her­aus­ra­gende Ver­dienste im Natur- und Arten­schutz sowie auf dem Gebiet der Umwelt­bil­dung“ haben. Seit Anfang der 1980er Jahre haben Irm­gard Devrient und Rein­hard Wohl­ge­muth zahl­reiche Exkur­sionen ins­be­son­dere mit ihrem zwi­schen­zeit­lich ver­stor­benen „Zieh­vater“, dem lan­des­weit bekannten und ver­sierten Orni­tho­logen Heinz Her­ken­rath aus Holzwickede, unter­nommen.

Heinz Her­ken­rath war übri­gens der erste Bürger, dem Michael Makiolla in seiner Amts­zeit als Landrat des Kreises Unna im Auf­trag des Bun­des­prä­si­denten das Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­hän­digen durfte.

Der Kreis Unna, der sich über drei Jahr­zehnte erfolg­reich bemüht, die hei­mi­sche Land­schaft und unsere hei­mi­schen Tier­arten zu schützen, sei bei dieser Auf­gabe „auf die Mit­wir­kung und den Ide­en­reichtum der vielen ehren­amt­li­chen aktiven Natur­schützer ange­wiesen“, betonte Makiolla weiter. „Ohne das Enga­ge­ment des ehren­amt­li­chen Natur­schutzes ständen wir nicht da, wo wir uns heute befinden. Frau Devrient und Herr Wohl­ge­muth zählen zu denen, die sich hier beson­ders enga­giert haben!“

Ohne das Enga­ge­ment des ehren­amt­li­chen Natur­schutzes ständen wir nicht da, wo wir uns heute befinden. Frau Devrient und Herr Wohl­ge­muth zählen zu denen, die sich hier beson­ders enga­giert haben!“

Landrat Michael Makiolla

Ehrenamtlicher Naturschutz wichtig für den Kreis Unna

In der Begrün­dung des Bun­des­prä­si­denten zur Ordens­ver­lei­hung heißt es, dass sich Irm­gard Devrient und Rein­hard Wohl­ge­muth seit 1980 im Bereich des Natur- und Arten­schutzes enga­gieren. Im Laufe der ver­gan­genen Jahr­zehnte konnten sie durch zahl­reiche Exkur­sionen ein solides Grund­wissen im Bereich der Vogel­stimmen, aber auch Arten­kennt­nisse erwerben. Ab 1987 haben sie dieses Wissen als Auto­di­dakten ver­tieft, unter anderem auf dem Gebiet der Fle­der­maus­kunde und des Schutzes dieser bedrohten Arten­gruppe. Sie gelten – weit über die Grenzen Nord­rhein-West­fa­lens hinaus – als aus­ge­wie­sene Spe­zia­li­sten auf diesem Gebiet.

1991 rich­teten sie auf dem Flach­dach ihres Anwe­sens in Holzwickede ein Fle­der­maus­quar­tier ein. Das Quar­tier wurde schnell von Abend­seg­lern ange­nommen, die sich dort sogar fort­pflanzten und wei­tere Art­ge­nossen anzogen. Ent­spre­chende Stu­dien nahm das Paar über­wie­gend nachts vor. So konnten z.B. mit Baby­phone und Detektor Ein- und Aus­flugs­zeiten der Tiere doku­men­tiert werden. Allein im Kreis Unna konnten fünf­zehn ver­schie­dene Fleder­mausarten und teils auch deren Fort­pflan­zungs­stätten nach­ge­wiesen werden. Die Ergeb­nisse dieser mehr als 20jährigen Unter­su­chung sowie wei­tere fle­der­maus­kund­liche Be­funde wurden in diversen Fach­zeit­schriften ver­öf­fent­licht. Der Schutz der Fle­der­mäuse liegt den beiden Experten beson­ders am Herzen. Sie setzen sich für den Schutz der Quar­tiere ein, geben Tipps bei geplanten Sanie­rungs­ar­beiten und helfen tat­kräftig mit, vor­han­dene Quar­tiere zu opti­mieren und neue Quar­tiere her­zu­richten.

Bevölkerung für Fledermaus- und Vogelschutz sensibilisiert

Durch gezielte Auf­klä­rungs­in­itia­tiven und Fle­der­maus­füh­rungen gelingt es ihnen immer wieder, die Be­völkerung für die Schutz­be­dürf­tig­keit dieser Arten­gruppe zu sen­si­bi­li­sieren.

Rein­hard Wohl­ge­muth hat annä­hernd 4.500 Fle­der­mäuse mar­kiert – davon alleine 3.700 Abend­segler – und dabei wert­volle Hin­weise zu einer scho­nenden Berin­gung der emp­findlichen Tiere ent­wickelt.

Zahl­reiche Vogel- und Fle­der­maus­kä­sten werden all­jähr­lich von Irm­gard Devrient und Rein­hard Wohl­ge­muth kon­trol­liert und wei­tere Kästen ange­bracht. Sie küm­mern sich auch um auf­gefundene, geschwächte oder ver­letzte Fle­der­mäuse, wobei sie die Kosten für Tier­ärzte und Futter weit­ge­hend per­sön­lich tragen. Wei­terhin haben die beiden bereits mehr als 20 Schulen und Kin­der­gärten besucht und konnten auf diesem Wege viele junge Men­schen für Fle­der­mäuse begei­stern.

Sie betei­ligen sich an diversen Erfas­sungs­pro­grammen wie den Zäh­lungen der Saatkrä­hen im Kreis Unna, der Was­ser­vo­gel­zäh­lung auf der Ruhr in Schwerte sowie der landes­weiten Erfas­sung der Kor­mo­rane.

Als ehren­amt­li­cher Mit­ar­beiter der Vogel­warte Hel­go­land führt Rein­hard Wohl­ge­muth seit vie­len Jahren ein Berin­gungs­pro­gramm an Dohlen und Turm­falken durch. Dies ist gleichzei­tig mit der Ein­rich­tung von neuen Brut­mög­lich­keiten für diese Vögel ver­bunden.

Irm­gard Devrient und Rein­hard Wohl­ge­muth enga­gieren sich in Natur­schutz­ver­bänden, in der ‚Arbeits­ge­mein­schaft für Orni­tho­logie und Natur­schutz‘ sowie im ‚Natur­schutz­bund‘ (NABU) Kreis­ver­band Unna. Hier hatte Irm­gard Devrient von 1991 bis 2003 das Amt der stell­ver­tre­tenden. Vor­sit­zenden inne und konnte in dieser Funk­tion den ehren­amt­li­chen Natur­schutz maß­geblich vor­an­bringen. Außerdem enga­gieren sich beide im Lan­des­fach­aus­schuss für Fle­der­maus­schutz des NABU.

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