Bürgerantrag: Stolpersteine sollen an NS-Opfer in Holzwickede erinnern

Die Ver­le­gung von Stol­per­steinen wurde jetzt auch für Holzwickede bean­tragt: Bei­spiel für einen ver­legten Stol­per­stein in Berlin-Char­lot­ten­burg (Foto: Axel Mau­ruszat – commons.wikimedia.org)

Die Stol­per­steine, mit denen der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 1995 an die Ver­folgten und Opfer des Natio­nal­so­zia­lismus erin­nert, sollen auch in Holzwickede ver­legt werden dürfen. Einen ent­spre­chenden Antrag hat Wil­helm Hoch­gräber, VHS-Dozent aus Holzwickede, bereits Ende Januar bei Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel gestellt.

Kosten würden der Gemeinde Holzwickede nicht ent­stehen durch die Ver­le­gung der Stol­per­steine. Es könnte ledig­lich die Ein­rich­tung eines Spen­den­kontos erfor­der­liche werden wie in der Nach­bar­kom­mune Unna, so der Antrag­steller. „Aller­dings ist bei der Ver­le­gung die Hilfe des Bau­be­triebs­hofes nötig, wenn eine Ver­tie­fung für das Ein­lassen der Steine aus­ge­hoben werden muss“, so Hoch­gräber weiter. „Das sind dann aber auch die ein­zigen Fol­ge­ko­sten.“

Auch in Schwerte, Frön­den­berg, Iser­lohn, Holzwickedes Part­ner­stadt Col­ditz sowie in Dort­mund wurden schon Stol­per­steine ver­legt sowie in ins­ge­samt über 1.000 wei­teren Orten Deutsch­lands und 20 Län­dern Europas.

Die Ver­le­gung der Stol­per­steine in Holzwickede hält Hoch­gräber für not­wendig, weil in der Gemeinde durch orts­ge­schicht­liche Lite­ratur oder Denk­mäler den NS-Opfern bisher nicht gedacht wird. Durch die Recher­chen von Mit­glie­dern der von ihm gelei­teten VHS-Gruppe „Spu­ren­suche NS-Opfer in Holzwickede“ und die Recher­chen einer Gruppe der ört­li­chen Geschichts­werk­statt im Histo­ri­schen verein sind jedoch kon­krete Opfer bekannt: poli­tisch Ver­folgte, Juden, Behin­derte, Zwangs­ste­ri­li­sierte, Homo­se­xu­elle, Zwangs­ar­beiter und Opfer der NS-Mili­tär­ju­stiz.

Recherchen der VHS-Gruppe und der Geschichtswerkstatt

In den mei­sten Fällen rei­chen die vor­han­denen Infor­ma­tionen noch nicht für eine Ver­le­gung von Stol­per­steinen aus, da zur Kon­zep­tion des Künst­lers die Recherche der Lebens­ge­schichte der Opfer in der NS-Zeit gehört“, räumt Wil­helm Hoch­gräber ein.

Am wei­te­sten fort­ge­schritten und „inhalt­lich mehr als aus­rei­chend“ sind die Recher­chen bisher im Zusam­men­hang mit sieben ermor­deten Behin­derten aus Holzwickede. „Hier steht einer ersten Stol­per­stein-Ver­le­gung in Holzwickede nichts mehr im Wege.“

Seit Januar 2010 trägt die Gemeinde Holzwickede bekannt­lich den Titel „Gemeinde ohne Ras­sismus – Gemeinde mit Cou­rage“. Ver­geben wurde diese Aus­zeich­nung durch das Netz­werk „Aktion Cou­rage“. Dessen Geschäfts­führer sprach auf Ein­la­dung des Freun­des­kreises Holzwickede-Lou­viers am 12. Februar 2015 in der Rausinger Halle. Dabei wies er darauf hin, dass die Ver­le­gung von Stol­per­steinen für die Gemeinde eine Mög­lich­keit sei, ihre mit der Aus­zeich­nung ver­bun­dene Ver­pflich­tung zu erfüllen, min­de­stens einmal pro Jahr eine Ver­an­stal­tung gegen Ras­sismus durch­zu­führen.

Beispiele für Stolpersteine mit einem Bezug zu Holzwickede:

  • Armin Hol­länder, Jahr­gang 1876, †15.9.1941, aus Unna, Mas­sener Str. 18/​20, war in Holzwickede als flie­gender Händler tätig;
  • Albert Cohen, Jahr­gang 1878, depor­tiert 1943 aus Westerburg/​Sobibor ermordet April 1943, aus Apler­beck, Schü­ru­ferstr. 328, arbei­tete im 1. WK an der alten ev. Süd­schule als Lehrer;
  • Rosa Arens­berg, Jahr­gang 1898, depor­tiert 1942, ermordet in Riga, aus Apler­beck, Köln-Ber­liner-Str. 16, wurde in Holzwickede geboren.

Info:
Stol­per­steine bilden ein dezen­trales Kunst­denkmal, gekenn­zeichnet durch die beson­deren Merk­male: indi­vi­du­elles Gedenken, Ein­zel­an­fer­ti­gung, Ver­le­gung am Lebensort des NS-Opfers, sym­bo­li­sche Zusam­men­füh­rung zer­ris­sener Fami­lien, Ver­le­gung im öffent­li­chen Raum, Finan­zie­rung aus pri­vaten Mit­teln. Jeder Stol­per­stein kostet etwa 120 Euro, plus Fahrt- und Unter­brin­gungs­ko­sten des Künst­lers. Mehr Info zu den Stol­per­steinen auch unter www.stolpersteine.eu

  • Termin: Das nächste Treffen des VHS-Kurses „Spu­ren­suche NS-Opfer in Holzwickede“ findet am Don­nerstag, 2. März, 18.30 bis 20 Uhr, in der Begeg­nungs­stätte, Ber­liner Allee 16 a statt.

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