Bewährungsstrafe für Schlägerei im „Pütt“: 54-Jähriger zieht Berufung zurück

Der Vor­fall tut ihm leid. Er ist auch kein Schläger, son­dern wird eher als fried­li­cher Mensch beschrieben. Oben­drein hat er bei der Schlä­gerei am 2. November in der Gast­stätte Zum Pütt in Holzwickede selbst am mei­sten gelitten und eine Fraktur der Augen­höhle, Prel­lungen an Rippen und Ober­schenkel durch die Schläge und Tritte seines kör­per­lich über­le­genen Geg­ners davon­ge­tragen. Kein Wunder, dass dem 54-jäh­rigen Holzwickeder das Urteil des Amts­ge­richtes Unna nicht schmeckt, nachdem er wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung auch noch zu sechs Monaten Haft auf zwei Jahre zur Bewäh­rung aus­ge­setzt ver­ur­teilt wurde. Doch alles das ist noch immer kein Grund, der Beru­fung des 54-Jäh­rigen statt­zu­geben.

Das machte dem Holzwickeder in seiner Beru­fungs­ver­hand­lung heute (3.9.) Richter Ludwig Brock­meier vor dem Land­ge­richt in Dort­mund klar. Wäh­rend die vier Zeugen, die bereits vor dem Amts­ge­richt Unna aus­ge­sagt hatten, draußen auf dem Gerichts­flur war­teten, ließ der Richter das Tat­ge­schehen am 2. November 2014 im Pütt, noch einmal Revue pas­sieren – soweit es über­haupt geklärt werden konnte.

Bierglas ins Gesicht geschlagen

Danach hatte der 54-Jäh­rige zu fort­ge­schrit­tener Stunde und schon ziem­lich abge­füllt ein Taxi rufen lassen und wollte am Tresen seinen Deckel bezahlen, als sich von hinten der Zeuge W. näherte und eben­falls zahlen wollte. Warum es dann zum Streit zwi­schen beiden kam, ist schon nicht mehr so ganz zu klären gewesen. Der Ange­klagte behauptet, von dem Zeugen W. „dau­ernd zuge­textet“ und belei­digt worden zu sein. Was er dabei genau gesagt hat – daran kann sich der 54-Jäh­rige nicht mehr erin­nern. Jeden­falls eska­lierte der Streit und der Ange­klagte drehte sich unver­mit­telt um und schlug dem Zeugen W. mit seinem Bier­glas ins Gesicht. Ob er mit dem Glas schlagen oder nur das Bier daraus aus­schütten wollte, wie er behauptet, blieb unklar. Die Kon­se­quenzen nicht: Vom Glas im Gesicht getroffen erlitt der Zeuge W. eine Joch­bein­prel­lung. Was den wesent­lich jün­geren und kräf­ti­geren W. aller­dings nicht davon abhielt, den 54-Jäh­rigen im Wort­sinn unter den Tisch zu prü­geln.

Nach meiner Lebens­er­fah­rung nimmt die Erin­ne­rung eines Men­schen mit der Zeit ab und nicht zu“

Ludwig Brock­meier, Richter am Land­ge­richt Dort­mund

Richter Ludwig Brock­meier befragte den 54-Jäh­rigen in der Beru­fungs­ver­hand­lung heute ein­dring­lich, ob über­haupt und wenn ja wodurch sich der Ange­klagte in der Tat­nacht pro­vo­ziert gefühlt hat. Doch es blieb dabei: Der Ange­klagte kann sich nicht mehr erin­nern, was ihn so aus­ra­sten ließ, dass er mit dem Glas zuschlug. Was dem Richter merk­würdig vorkam: In seiner ersten Aus­sage hatte der Holzwickeder noch ange­geben, sich an rein gar nichts erin­nern zu können, was ihn ins Kran­ken­haus­bett gebracht hatte. Etliche Wochen später wusste er dann immerhin schon wieder, dass er sich ein Taxi gerufen hatte, bezahlen und seinem Kon­tra­henten Bier ins Gesicht schütten wollte, weil dieser ihn beim Warten „voll­ge­quatscht“ hatte. Nach seinem Besuch beim Anwalt schließ­lich, erin­nerte sich der 54-Jäh­rige dann auch daran, dass er belei­digt und pro­vo­ziert worden ist.

Reduzierung der Mindeststrafe nicht möglich

Nach meiner Lebens­er­fah­rung nimmt die Erin­ne­rung eines Men­schen mit der Zeit ab und nicht zu“, so Richter Ludwig Brock­meier süf­fi­sant. Doch selbst wenn der Ange­klagte tat­säch­lich verbal pro­vo­ziert worden sei, könne das noch immer nicht als Not­wehr­si­tua­tion gewertet werden, so der Richter weiter. Das aber wäre der ein­zige Grund gewesen, das Urteil des Amts­ge­richtes in der Beru­fung zu revi­dieren. Zumal die Staats­an­walt­schaft es ablehnte, das Ver­fahren ein­zu­stellen und dem Gericht damit die Hände gebunden waren.

Eine wei­tere Redu­zie­rung der Strafe war nicht mög­lich. Denn mit sechs Monaten Haft auf zwei Jahre zur Bewäh­rung aus­ge­setzt, ist bereits die abso­lute Min­dest­strafe bei gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung ver­hängt. „Das Urteil des Amts­ge­richtes Unna ist also ganz in Ord­nung“, teilte Richter Ludwig Brock­meier dem Ange­klagten und seiner Ver­tei­di­gerin mit. Da zu erwarten sei, dass die vier war­tenden Zeugen vor­aus­sicht­lich keine anderen Aus­sagen machen werden als in der ersten Ver­hand­lung, legte das Gericht dem Ange­klagten nahe, seine Beru­fung zurück­zu­ziehen – was der 54-Jäh­rige dann auch nach kurzer Bedenk­zeit tat, um end­lich einen Schluss­strich unter seine lei­dige Ange­le­gen­heit zu ziehen. Die Kosten des Ver­fah­rens gehen dafür zu seinen Lasten.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.