Besonders schwerer Diebstahl: 20-Jähriger kommt glimpflich davon

Noch einmal glimpf­lich davon­ge­kommen ist ein 20-jäh­riger Holzwickeder heute (14. Februar) vor dem Amts­ge­richt Unna, wo er wegen eines beson­ders schweren Dieb­stahls auf der Ankla­ge­bank saß. Die Staats­an­walt­schaft warf dem jungen Mann vor, in der Zeit vom 29. bis 30. Juni vorigen Jahres ein 600 Euro teures nagel­neues Fahrrad im Bereich der Holzwickeder-/Un­naer Straße gestohlen zu haben. Weil das Schloss am Rad mit einem Sei­ten­schneider geknackt wurde, gilt der Dieb­stahl als beson­ders schwer­wie­gend.

Pech für den Ange­klagten: Etwa einen Monat später wurde er mit dem gestoh­lenen Fahrrad von dem Eigen­tümer erwischt, den der ganz gut kannte. Der Geschä­digte melde sich bei der Polizei, die das Fahrrad dar­aufhin auch beim Ange­klagten sicher­stellte. Gegen­über der Polizei gab der 20-Jäh­rige den Fahr­rad­dieb­stahl zu.

Plötzlich war’s der Bruder

Heute über­raschte er das Gericht mit einer anderen Geschichte: Das Fahrrad habe eigent­lich sein Bruder gestohlen, der im offenen Straf­vollzug ist. „Ich habe die Tat nur aus Doof­heit auf mich genommen.“ Er habe seinen Bruder schützen wollen, der im offenen Straf­vollzug ist. „Mein Bruder kam irgend­wann mit dem Fahrrad an und ich dachte es wäre von seiner Freundin“, so der Ange­klagte mit treu­her­zigem Blick. „Dann bin ich auch mal mit dem Rad her­um­ge­fahren.“ Wobei er dann auf den Eigen­tümer, einen Bekannten, traf.


Ich habe die Tat nur aus Doof­heit auf mich genommen.

Der Ange­klagte (20 J.)

Gegen­über der Polizei habe er den Dieb­stahl zuge­geben. „Weil ich auch ein biss­chen Schiss vor meinem Bruder habe. Wir streiten uns öfters mal und haben uns beim Schüt­zen­fest zuletzt auch richtig geprü­gelt.“ Vor allem wenn Alkohol im Spiel ist, sei sein Bruder aggressiv.

So richtig glauben konnte der Staats­an­walt und auch der Richter diese Geschichte nicht. Zumal der 20-Jäh­rige zuvor auch schon mal auf­fällig geworden ist und das Konto seiner Oma leer­ge­räumt hatte. Die Befra­gung des Eigen­tümer des Fahr­rades konnte den Sach­ver­halt aller­dings auch nicht ent­schei­dend erhellen. Immerhin wurde so klar, dass dem Besitzer kein Schaden ent­standen ist. Sein Rad wurde ihm unbe­schä­digt zurück­ge­geben und auch das geknackte Schloss war nicht viel wert.

Verfahren mit Ermahnung eingestellt

In Anbe­tracht dieses Umstandes folgte Richter Chri­stian Johann dem Antrag des Staats­an­waltes und stellte das Ver­fahren nach § 153a vor­läufig ein – aller­dings nicht ohne eine ein­dring­liche Ermah­nung: „Ich gehe davon aus, dass Sie das Fahrrad gestohlen haben, kann es Ihnen aber nicht beweisen.“ Daran würde sich wahr­schein­lich auch nichts ändern, wenn ein teures psy­cho­lo­gi­sches Gut­achten ein­ge­holt und der Bruder aus der JVA als wei­terer Zeuge ver­nommen würde. Da kein Schaden ent­standen ist, wollte der Richter keine wei­teren Kosten ver­meiden. „Aber wenn ich Sie das nächste Mal hier sehe, werde ich den ganzen Zauber durch­ziehen, egal worum es dann geht.“ Mit dieser War­nung ent­ließ der Richter den 20-Jäh­rigen unbe­straft.

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