AWO-Dialog über Zukunft der Kita: „Wir brauchen ein neues Gesetz“

Viel Reso­nanz erhielt die AWO auf ihre Ein­la­dung – über 100 Per­so­nen dis­ku­tier­ten über die Ergeb­nis­se der AWO-Stu­die. (Foto: AWO)

Die Kin­der­ta­ges­stät­ten in NRW sind laut einer von der AWO in Auf­trag gege­be­nen wis­sen­schaft­li­chen Stu­die so stark unter­fi­nan­ziert, dass sie ihrem Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­trag nur noch ein­ge­schränkt gerecht wer­den. Wil­fried Bart­mann, Unter­be­zirks­vor­sit­zen­der im Kreis Unna for­dert: „Wir brau­chen ein völ­lig neu­es Gesetz für die früh­kind­li­che Bil­dung.“

Bart­mann eröff­ne­te am Diens­tag (25.4.) den Dia­log „Zukunft.Kita – Frü­he Bil­dung gemein­sam gestal­ten“, zu dem die AWO in die Schwank­hal­le der Unna­er Lin­den­braue­rei ein­ge­la­den hat­te. Die Reso­nanz war groß.

31 Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen betreibt die AWO im Kreis Unna. Rund 2.100 Kin­der wer­den hier betreut. Das 2008 unter Pro­te­sten ein­ge­führ­te und bereits mehr­fach novel­lier­te Kin­der­bil­dungs­ge­setz (KiBiz) gibt den Rah­men vor, in dem früh­kind­li­che Bil­dung in NRW statt­fin­det. Dass die­ser für vie­le Fehl­ent­wick­lun­gen ver­ant­wort­lich ist, mach­ten die Ver­fas­ser der AWO-Stu­die zu Beginn der Ver­an­stal­tung deut­lich.

Kinderbildungsgesetz (KiBiz) ist eine Sackgasse

Prof. Dr. Chri­sti­na Jas­mund und Prof. Dr. Wer­ner Heister von der Hoch­schu­le Nie­der­rhein waren der Ein­la­dung nach Unna gefolgt. Sie defi­nier­ten päd­ago­gi­sche und betriebs­wirt­schaft­li­che Stan­dards für den Bereich Kita, ohne die die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft nicht zu mei­stern sei­en – dar­un­ter vor allem ein deut­lich bes­se­res Ver­hält­nis von Fach­kräf­ten und der zu betreu­en­den Kin­der­zahl, mehr Zeit für die so genann­te „mit­tel­ba­re päd­ago­gi­sche Arbeit“ wie Eltern­ge­sprä­che oder die Doku­men­ta­ti­on kind­li­cher Ent­wick­lungs­schrit­te sowie kon­ti­nu­ier­li­che Fort- und Wei­ter­bil­dung auf hohem Niveau.

Die Auf­ga­ben, die in der Kita heu­te gemei­stert wer­den müs­sen, wach­sen ste­tig“, so die Pro­fes­so­ren Jas­mund und Heister. Die Betreu­ung, der U3-Kin­der, Inklu­si­on, Sprach­för­de­rung, der Rechts­an­spruch auf einen Kita-Platz und damit die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf sei­en nur eini­ge Stich­wor­te.

Finanzierungsgesetz dringend reformieren

Dass das Finan­zie­rungs­sy­stem drin­gend auf neue Bei­ne gestellt wer­den muss, war eine For­de­rung, die in der voll­be­setz­ten Schwank­hal­le von allen Betei­lig­ten wie­der­holt for­mu­liert wur­de. Rai­ner Goe­pfert, Geschäfts­füh­rer des AWO-Unter­be­zirks, ließ Zah­len spre­chen: „Seit Inkraft­tre­ten des KiBiz 2008 sind die Per­so­nal­ko­sten um rund 32 Pro­zent, die KiBiz-Zuschüs­se aber nur um 13,5 Pro­zent gestie­gen. Den Trä­gern bleibt da nur der Weg, im gesetz­lich zuläs­si­gen Rah­men Per­so­nal­stel­len abzu­bau­en.“

AWO-Geschäfts­füh­rer Rai­ner Goe­pfert, Bei­ge­ord­ne­te Elke Kap­pen, Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Hart­mut Ganz­ke, Kita-Lei­te­rin Alex­an­dra Möl­ler, Mode­ra­tor Tho­mas Hor­sch­ler, Prof. Dr. Wer­ner Heister, Prof. Dr. Chri­sti­na Jas­mund und AWO-Unter­be­zirks­vor­sit­zen­der Wil­fried Bart­mann gestal­te­ten die Ver­an­stal­tung inhalt­lich. (Foto: AWO)

Auch Elke Kap­pen, Bei­ge­ord­ne­te der Stadt Kamen, for­der­te mehr Geld für das System. „Wir reden hier von nach­hal­ti­gen Inve­sti­tio­nen. Die gan­ze spä­te­re Ent­wick­lung des Men­schen wur­zelt in den Bil­dungs­pro­zes­sen der frü­hen Kind­heit.“ Alex­an­dra Möl­ler, Lei­te­rin der AWO-Kita „Gän­se­blüm­chen“ in Kamen-Meth­ler beton­te, dass Bil­dung in die­ser sen­si­blen Alters­pha­se nur über gute und zuver­läs­si­ge Bezie­hun­gen funk­tio­nie­re. „Kin­der brau­chen ver­läss­li­che und aus­rei­chend Ansprech­part­ner.“

Hart­mut Ganz­ke (SPD), der als ein­zi­ger hei­mi­scher Land­tags­ab­ge­ord­ne­te an der Dis­kus­si­on teil­nahm, signa­li­sier­te, dass die SPD-Frak­ti­on ver­stan­den habe: Ein neu­es Gesetz soll nach der Wahl geschaf­fen wer­den. Erste Gesprä­che mit den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den und den Trä­gern gebe es bereits. „Wir müs­sen weg von den Kinds­pau­scha­len, hin zur För­de­rung der Ein­rich­tun­gen.“

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