Aus und vorbei: SPD und CDU versenken im Kreistag millionenschwere Stiftung

Die mil­lio­nen­schwe­re Stif­tung für Haus Opher­dicke wird es nicht geben. Dafür haben SPD und CDU im Kreis­tag gesorgt: Haus Opher­dicke im Früh­ling. (Foto: Archiv)

Die Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ten von CDU und SPD haben durch ihre Schwer­fäl­lig­keit dafür gesorgt, dass dem Kreis Unna über zwei Mil­lio­nen Euro ver­lo­ren gegan­gen sind:  Das hoch­be­tag­te Paar Sabi­ne und Rein­hard Frie­sen­dorf hat kein Inter­es­se mehr, dem Kreis Unna sein mil­lio­nen­schwe­res Ver­mö­gen in Form einer Stif­tung zugun­sten von Haus Opher­dicke zu hin­ter­las­sen. „Die bei­den haben Tho­mas Heng­sten­berg heu­te defi­ni­tiv abge­sagt“, bestä­tigt Land­rat Micha­el Makiol­la.

Heng­sten­berg, der als Ver­trau­ens­per­son der bei­den Stif­ter im Stif­tungs­rat sit­zen soll­te, infor­mier­te Micha­el Makiol­la heu­te im Lau­fe des Tages wei­sungs­ge­mäß über die Absa­ge der bei­den Stif­ter. Der Land­rat setz­te dar­auf­hin die für näch­ste Woche auf Antrag der Lin­ken anbe­raum­te Son­der­sit­zung des Kreis­ta­ges ab. „Die Sit­zung ist ja nun hin­fäl­lig.“

Sondersitzung des Kreistages abgesagt

Mit der Absa­ge der Stif­ter hat der obsku­re Streit um die Grün­dung der Stif­tung sei­nen unrühm­li­chen Höhe­punkt gefun­den. Ursa­che dürf­te die Ver­zö­ge­rung der Stif­tungs­grün­dung durch die bei­den gro­ßen Frak­tio­nen von CDU und SPD im letz­ten Kreis­tag des alten Jah­res sein, die für Außen­ste­hen­de aus nicht nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den erfolg­te.  Denn alle Fra­gen zur Stif­tung, bestä­tigt Land­rat Micha­el Makiol­la, sei­en längst geklärt und beant­wor­tet.

Die bei­den Stif­ter, die Ver­bin­dun­gen nach Holzwicke­de und in den Kreis Unna haben, hat­ten vor­ge­se­hen, dass nach ihrem Tod das gesam­te Ver­mö­gen von zwei Mil­lio­nen Euro plus X über die Stif­tung an den Kreis Unna fal­len soll­te. Ihre ein­zi­ge Bedin­gung: Das Geld soll­te für Haus Opher­dicke ver­wen­det wer­den.

Alle Unter­la­gen und Ver­trä­ge für die Grün­dung der Stif­tung lagen seit August vori­gen Jah­res“, betont Micha­el Makiol­la. Auch ihr Testa­ment hat­te das Ehe­paar bereits gemacht. „Das ein­zi­ge, was noch in die Unter­la­gen ein­ge­tra­gen wer­den muss­te, war die Num­mer der Stif­tung.“

Mit 87 Jahren keine Zeit mehr für lange Diskussionen

Der­zeit in Schloss Cap­pen­berg zu sehen: Skulp­tur von Rai­mondo Puc­ci­nel­li, Frau­en­ober­kör­per, 1930er Jah­re, Bron­ze. (Foto: Kreis Unna)

Dass der Kreis­tag dann im Dezem­ber die Grün­dung der Stif­tung ver­tag­te und auf die lan­ge Bank schob, haben die älte­ren Herr­schaf­ten als Affront emp­fun­den, weiß Micha­el Makiol­la: „Und das kann ich sogar nach­voll­zie­hen.“ Der Land­rat beschreibt Sabi­ne und Rein­hard Frie­sen­dorf als „unheim­lich net­te, sym­pa­thi­sche Leu­te“, die vor allem auch „ganz unpo­li­tisch“ sei­en. „Bei­de gehen auf die 90 zu und ver­ste­hen die Welt nicht mehr. Sie kom­men sich vor wie Bitt­stel­ler.“

In mei­nem Tele­fo­nat mit der 87 Jah­re alten Sabi­ne Frie­sen­dorf kurz vor Weih­nach­ten hat­te sie mir auch gesagt, dass sie in ihrem Alter gar kei­ne Zeit mehr hat, noch lan­ge zu dis­ku­tie­ren über die Stif­tung“, so Makiol­la wei­ter. „Da waren die bei­den schon sehr auf­ge­bracht.“

Mit­tel­fri­stig kommt jetzt auch noch ein ganz ande­res Pro­blem auf den Kreis zu: Die Skulp­tu­ren des ame­ri­ka­nisch-ita­lie­ni­schen Bild­hau­ers Rai­mondo Puc­ci­nel­li, die der­zeit in Schloss Cap­pen­berg zu sehen sind, wur­den dem Kreis Unna von sei­ner Toch­ter unter der Bedin­gung geschenkt, dass die­se Kunst­ob­jek­te öffent­lich prä­sen­tiert wer­den. Ursprüng­lich soll­ten die Puc­ci­nel­li-Skulp­tu­ren des­halb im Park des Kul­tur- und Begeg­nungs­zen­trums Haus Opher­dicke auf­ge­stellt wer­den. Ent­we­der muss der Kreis nun die­se Skulp­tu­ren zurück­ge­ben oder aber er wird Geld für ihre Prä­sen­ta­ti­on in die Hand neh­men müs­sen.

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visage

Dipl.-Journalist

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