40 Jahre Kreis Unna: Landrat würdigt kommunale Neuordnung

Landrat Michael Makiolla, beim Anschneiden des Geburtstagskuchens beim Bürgerfest zum 30.-jährigen bestehens, würdigte im Kreiustag das 40-jährige Bestehen des Kreises Unna. (Foto: Kreis Unna)

Landrat Michael Makiolla (r.) würdigte im Kreistag heute die koimmunale Neuordnung vor 40 Jahren: Anschneiden des Geburtstagskuchens beim Bürgerfest zum 30-jährigen Bestehens des Kreises Unna. (Foto: Kreis Unna)

In einer Rede im Kreistag erinnerte Landrat Michael Makiolla heute (23.6.) an die kommunale Neuordnung im Jahr 1975. Das Jahr 1975 war das Gründungsjahr des Kreises Unna, in dem gleichzeitig die Städte Lünen, Schwerte, Werne und Selm in die Kreisgemeinschaft aufgenommen wurden. In seiner ersten Sitzung am 20. Mai 1975 wählte der neu gewählte Kreistag Fritz Böckmann aus Bönen zum ersten Landrat des neu gebildeten Kreises Unna.

Als Institution, so Landrat Michael Makiolla, könne sich der Kreis Unna auf eine über 260-jährige Geschichte berufen. Eine Geschichte, die 1753 mit der Errichtung des preußischen Kreises Hamm durch König Friedrich II. ihren Anfang nahm und die alten Ämter Hamm, Unna, Kamen, Lünen und Schwerte sowie die Gerichtsbarkeiten Buddenbork, Haaren, Heeren und Reck zu einem staatlichen Verwaltungsbezirk unter der Leitung des Landrates zusammenfasste.

Berufung auf eine 260-jährige Geschichte

Der Kreis Unna habe seine Kerngebiete immer behauptet: Wenn man sich die Stadt Hamm wegdenke, dann entsprach das damalige Kreisgebiet südlich der Lippe fast genau dem 1975 durch die kommunale Neuordnung geschaffenen Gebietszuschnitt. Der Kreis Unna sei also der historische Rechtsnachfolger des alten preußischen Kreises Hamm. Nach der Neugliederung des preußischen Staates im Gefolge des Wiener Kongresses im Jahre 1815 verließen Lünen und Schwerte den Kreis wieder. 1901 folgte die Stadt Hamm: Sie wurde kreisfrei. Durch die Neugliederung des Ruhrgebietes stießen 1928 nach der Auflösung des Kreises Hörde die Gemeinden Holzwickede, Hengsen und Opherdicke zum Kreis.

Der Name „Kreis Unna“ existiert seit 1930. Aber erst 1930 wurde das Landratsamt, also der Kreissitz, nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Städten Unna und Kamen von Hamm nach Unna verlegt. Seither heißt unser Kreis „Kreis Unna“.

„Kommunale Neugliederung war in unserer Region schon lange vor dem Jahr 1975 ein wichtiges kommunalpolitisches Thema“, erinnerte Makiolla. „Man kann sogar sagen: Die damaligen Politiker aus dem Kreis Unna waren hier bundes- und landesweit führend.“

Erste Gemeindezusammenschlüsse schon 1951

Bereits der erste demokratisch gewählte Landrat nach dem 2. Weltkrieg und spätere NRW-Innenminister Hubert Biernat habe die Anregung zum ersten Gemeindezusammenschluss im Kreisgebiet gegeben, nämlich von Altenbögge und Bönen, der 1951 auch vollzogen wurde.

1964 erfolgte der Zusammenschluss von Ardey, Dellwig und Langschede. 1966 wurde die Stadt Bergkamen aus fünf amtsangehörigen Gemeinden gebildet und 1967 schlossen sich Methler, Wasserkurl und Westick zusammen.

Als erster Kreis bundesweit neu geordnet

Oberkreisdirektor Dr. Lothar Voit (l.), Landrat Fritz Böckmann (3.v.l.) und Lünens Oberbürgermeister Hans-Werner Harzer (r.) beim Neujahrsempfang 1975 in der Aula der Hellweg-Berufsschule. (Foto: Helmut Welke - Kreisbildstelle)

Oberkreisdirektor Dr. Lothar Voit (l.), Landrat Fritz Böckmann (3.v.l.) und Lünens Oberbürgermeister Hans-Werner Harzer (r.) beim Neujahrsempfang 1975 in der Aula der Hellweg-Berufsschule. (Foto: Helmut Welke – Kreisbildstelle)

Schließlich war der Kreis Unna der erste Kreis nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern im Bundesgebiet, der insgesamt gemeindlich neu geordnet wurde. Die Amtsverwaltungen wurden abgeschafft durch Stadt- und Gemeindeverwaltungen ersetzt.

Kommunale Neugliederung sei in den Augen der damaligen Kommunal- und Landespolitiker kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um die öffentlichen Dienstleistungen für die Bürger zu optimieren. Zugleich galt die Gebietsreform als notwendiges Fundament einer langfristigen und effektiven Wirtschaftsförderung vor dem Hintergrund der Krise des Steinkohlebergbaus, die bereits ab Mitte der 1950er Jahre absehbar gewesen ist.

Die zweite Neugliederung durch das Ruhrgebiet-Gesetz und das Münster-Hamm-Gesetz vor 40 Jahren veränderte nicht mehr die Binnenstruktur des Kreises Unna, sondern verlieh ihm seine heutige äußere Gestalt. Die Gemeinden Pelkum, Rhynern und Uentrop wurden an die Nachbarstadt Hamm abgegeben, während die Städte Lünen, Schwerte, Werne und Selm Teil der Kreisgemeinschaft wurden.

Als Umlandkreis von Dortmund konzipiert

Der neue Kreis Unna wurde als ein Umlandkreis zur Stadt Dortmund konzipiert, der die nördlichen, östlichen und südlichen Gemeinden im Verflechtungsbereich des Oberzentrums Dortmund umfasste. Seine Aufgabe sollte es nach dem Willen des Gesetzgebers sein, die Stadt-Umland-Probleme in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem großen Nachbarn zu lösen.

Insbesondere in der Wirtschaftsförderung haben sich die Antriebskräfte des Kreises Unna nach der Neuordnung bewährt. Organisation und Methoden dieser übrigens schon 1961 gegründeten und damit bundesweit ersten Wirtschaftsförderung sind fast zu einem Markenzeichen unseres Kreises geworden.

Neue Impulse durch die Neuordnung

Auch auf anderen Feldern sind durch die Neugliederung Energien freigesetzt worden, die zu wichtigen Impulsen mit landes- und bundesweiter Aufmerksamkeit geführt haben. So haben wir Anfang der 1980er Jahre das erste kommunale Umweltamt Deutschlands geschaffen. Die ersten deutschen kommunalen Gesundheitshäuser hat der Kreis Unna 1990 in Lünen und Unna eingerichtet. Auch unsere Gesundheits- und Pflegekonferenzen waren die ersten ihrer Art in unserem Land.

Außerdem zählen wir unter den Kreisen in Nordrhein-Westfalen zu den aktivsten und erfolgreichsten in den Bereichen Integration von Zuwanderern, Kultur, gesundheitliche Selbsthilfe, Pflegebedarfsplanung und bei der Arbeitsmarktpolitik.

Heute eine erfolgreiche Leistungsgemeinschaft

Der Kreis Unna hat sich trotz aller Probleme in den vergangenen 40 Jahren zusammen mit seinen Städten und Gemeinden zu einer erfolgreichen Leistungsgemeinschaft für die örtliche und überörtliche Versorgung der Menschen mit öffentlichen Dienstleistungen entwickelt.

Als Vier-Regionenkreis mitten in Nordrhein-Westfalen sind wir heute die Brücke von der Metropole Ruhr in das Münsterland, in das Sauerland und in die westfälische Bördelandschaft. Anders als die meisten großen Ruhrgebietsstädte verfüge der Kreis Unna über eine ausgeglichene Wirtschaftsstruktur mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, so Makiolla weiter.

Vorteile des Ballungsraumes – aber ohne Nachteile

Nach Ansicht Makiollas genießen die Menschen im Kreis Unna die Vorteile des städtischen Ballungsraums gleichermaßen wie die Reize des ländlichen Raums, ohne deren Nachteile tragen zu müssen.

Der Kreis Unna und seine kreisangehörigen Kommunen seien der Garant für das Bestehen von kleinen örtlichen Gemeinschaften in den Städten, Gemeinden, Ortsteilen und Dörfern, wo sich viele Menschen freiwillig und ehrenamtlich für ihr Gemeinwesen engagieren und wo eine hohe Lebensqualität herrscht.

„Vielfalt ist heute unsere Stärke! Wir sind sozusagen ein Kreis mit vielen Ecken. Die Erwartungen an die kommunale Neuordnung des Jahres 1975 haben sich also im Großen und Ganzen erfüllt“, zieht Landrat Michael Makiolla eine positive Bilanz der kommunalen Neuordnung.

Karl-Heinrich Landwehr (letzter Oberkreisdirektor), Gerd Achenbach (erster hauptamtlicher Landrat), Michael Makiolla (jetziger Landrat) und Rolf Tewes (letzter ehrenamtlicher Landrat, v.r.) 2010 bei einem Treffen auf der Ökostation. (Foto: Kreis Unna)

Karl-Heinrich Landwehr (letzter Oberkreisdirektor), Gerd Achenbach (erster hauptamtlicher Landrat), Michael Makiolla (jetziger Landrat) und Rolf Tewes (letzter ehrenamtlicher Landrat, v.r.) 2010 bei einem Treffen auf der Ökostation. (Foto: Kreis Unna)

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Dipl.-Journalist

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