22-Jähriger bremst BMW aus: 500 Euro Geldstrafe und fünf Monate Fahrverbot

Wegen Gefähr­dung des Stra­ßen­ver­kehrs hatte sich heute ein 22 Jahre alter Ange­klagter aus Kamen vor dem Amts­ge­richt Unna zu ver­ant­worten. Die Anklage wirft dem jungen Mann vor, am 31. April des Jahres in einem Bau­stel­len­be­reich auf der B 1/​A 44 in Höhe Holzwickede durch einen abrupten Fahr­bahn­wechsel einen nach­fol­genden BMW zum Aus­wei­chen genö­tigt zu haben. Dabei kol­li­dierte der BMM mit einem wei­teren unbe­tei­ligten Fahr­zeug. Es ent­stand ein Sach­schaden von rd. 3 000 Euro.

Was der Ange­klagte, der sich noch in der Aus­bil­dung bei einem Sicher­heits­dienst befindet, zu seiner Ver­tei­di­gung anführte, hörte sich nach einem trau­rigen „Klas­siker“ auf Deutsch­lands Auto­bahnen an. Der 22-Jäh­rige will am Tattag mit seinem Dienst­wagen, einem Ford Fiesta, auf der B1 von der Arbeit auf dem Weg nach Hause gewesen zu sein, als sich von hinten ein BMW mit sehr hoher Geschwin­dig­keit und Licht­hupe näherte. Als er nicht sofort auf die rechte Fahr­spur wech­selte, über­holte der BMW ihn rechts – und war weg. Etwas traf man sich dann in einem Bau­stel­len­be­reich, wo Tempo 80 galt, wieder. Der Ange­klagte wieder auf der linken Spur, der BMW auf der rechten.

Lichthupe und Mittelfinger

Als er auf glei­cher Höhe mit dem BMW war, so der Ange­klagte, habe der Fahrer ihm „den Mit­tel­finger gezeigt“. Schlimmer noch: Als er den BMW über­holen und auf die rechte Spur wech­seln wollte, um nach etwa 600 Metern die Aus­fahrt zu nehmen, wollte ihn der BMW-Fahrer nicht ein­scheren lassen: „Er gab Gas, wenn ich beschleu­nigte und bremste, wenn ich lang­samer wurde“, so der Ange­klagte. Schließ­lich sei es ihm dann doch gelungen, sich vor den BMW zu setzen, um die Aus­fahrt nach rechts zu nehmen. Dabei will der 22-Jäh­rige den nach­fol­genden BMW kei­nes­falls aus­ge­bremst haben, seine „Bremse nur leicht ange­tippt“ haben. Dass der BMW nach seinem Spur­wechsel mit einem unbe­tei­ligten dritten Pkw kol­li­dierte, erklärt der 22-Jäh­rige so: „Es hatte noch genug Platz zum Bremsen, aber er wollte mich wohl wieder über­holen.“ 

Nach dem Zusam­men­stoß hielt der Ange­klagte auch auf dem Stand­streifen, lief zu den eben­falls ste­henden anderen Unfall­be­tei­ligten und es ent­spann sich ein deutsch-tür­ki­sches Wort­ge­fecht mit den Insassen des BMW. Seine Frage, ob er als Zeuge benö­tigt werde, sei dann von einem unbe­tei­ligten Dritten ver­neint worden.“ Dar­aufhin bin ich dann nach Hause gefahren.“

Mehrere Zeugen schildern Geschehen anders

Pech nur für den Ange­klagten: Gleich sechs Zeugen, dar­unter auch zwei unbe­tei­ligte, die nicht in dem BMW saßen, schil­derten das Geschehen, das zum Unfall führte etwas anders: Danach sei der 22-Jäh­rige ziem­lich aggressiv auf­ge­treten. So sagte etwa der Zeuge, dessen Pkw der BMW bei seinem Aus­weich­ma­növer tou­chierte, aus, dass der Ange­klagte ihm vor dem Unfall schon auf­ge­fallen war, weil er relativ langsam auf der linken Fahr­spur neben dem BMW her­fuhr „und wild gesti­ku­lierte“ . „Plötz­lich gab der Fiesta dann Gas und zog ohne zu blinken nach rechts. Da passte kein Auto mehr dazwi­schen und der BMW musste stark abbremsen, sonst wäre er auf­ge­fahren.“ Er selbst sei links vom BMW gefahren, der ihn dann mit dem linken hin­teren Kot­flügel vorn rechts erwischte.

Die Anklage sah den Vor­wurf einer Gefähr­dung des Stra­ßen­ver­kehrs als erwiesen an und for­derte für den 22-Jäh­rigen, der bis dato nicht als Raser oder aggressiv im Stra­ßen­ver­kehr auf­ge­fallen ist, eine Geld­strafe von 500 Euro sowie noch wei­tere acht Monate Fahr­verbot, zusätz­lich zu den sechs Monaten, in denen der 22-Jäh­rige schon auf seinen Füh­rer­schein ver­zichten muss.

Sein Ver­tei­diger bewerte die Fahr­weise seines Man­danten zwar als grob ver­kehrs­widrig, aber nach dem Vor­ge­plänkel nicht als rück­sichtslos. Der BMW-Fahrer hätte lang­samer fahren und noch bremsen können, um den Unfall zu ver­meiden. Er plä­dierte auf Frei­spruch oder zumin­dest deut­lich weniger langen Füh­rer­schein­entzug.

Art Verkehrserziehung“ war „grob rücksichtslos“

Rich­terin Sarah Schlier­kamp ver­ur­teilte den 22-Jäh­rigen schließ­lich zu 500 Euro Geld­strafe und fünf Monaten Füh­rer­schein­entzug ohne Anrech­nung der sechs Monate,in denen der Füh­rer­schein schon ein­ge­zogen worden ist. Gerade der Ver­lust der Fahr­erlaubnis ist es, der den Ange­klagten beson­ders trifft, wie er unter Tränen ein­räumte: Seine Mutter muss ihn täg­lich zu den ver­schie­denen Ein­satz­orten in seiner Aus­bil­dung fahren, sonst ver­liert er seinen Job und auch seine sozialen Kon­takte hätten abge­nommen.

Doch Strafe muss sein: Die Rich­terin sah es als erwiesen an, dass der 22-Jäh­rige kei­nes­wegs der beson­nene Fahrer war, als der er sich heute vor Gericht dar­stellte. Dass die Stim­mung sehr auf­ge­heizt war nach der Vor­ge­schichte auf der Auto­bahn, sei „lebensnah“. Der plötz­liche Spur­wechsel vor dem BMW sei dann auch wohl „eine Art Ver­kehrs­er­zie­hung“ gewesen, „auf jeden Fall aber grob rück­sichtslos“, so die Rich­terin weiter. „Wie sich gezeigt hat, haben Sie auch noch immer nicht ver­standen, was alles bei einem sol­chen Ver­halten pas­sieren kann.“

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