200 Euro Geldstrafe für Faustschlag ins Gesicht eines Stalkers

Wegen Kör­per­ver­let­zung hat­te sich heute ein 21jähriger arbeit­slos­er Holzwicked­er vor dem Amts­gericht Unna zu ver­ant­worten.

Der Angeklagte soll am 23. März gegen 17.20 Uhr einem ihm bekan­nten anderen Holzwicked­er mit der Faust ins Gesicht geschla­gen haben. Dem Geschädigten sollen dabei mehrere Zähne abge­brochen sein. Auf Nach­frage von Richter Chris­t­ian Johann räumte der Angeklagte den Faustschlag ein. Als Motiv gab der 21-Jährige an: Seine Schwest­er sei durch den Geschädigten in den vier bis fünf Monat­en zuvor belästigt wor­den. Der Geschädigte habe der Schwest­er ständig Nachricht­en geschickt und sie auch per­sön­lich belästigt. Daraufhin will der Angeklagte dem Geschädigten eben­falls eine Nachricht per What­sapp geschickt und ihn aufge­fordert haben, sein­er Schwest­er nicht weit­er nachzustellen.

Am Tattag war der Angeklagte mit sein­er Schwest­er und zwei weit­eren Schwest­ern unter­wegs gewe­sen, als er den Geschädigten mit seinem Hund auf der Bahn­hof­s­traße getrof­fen habe. Der „große Brud­er“ fühlte sich daraufhin durch die Blicke des Geschädigten provoziert.  Als er auf den Geschädigten zug­ing, um ihn zur Rede zu stellen, soll dieser aus­ge­holt haben, um ihn zu schla­gen, sagte der Angeklagte aus. Als Reak­tion darauf habe er selb­st zugeschla­gen und den Geschädigten im Gesicht getrof­fen.

Die Schwest­ern des Angeklagten bestätigten im Wesentlichen die Aus­sage ihres angeklagten Brud­ers. Weit­ere Zeu­gen gab es nicht.

Der Geschädigte schilderte den Sachver­halt allerd­ings etwas anders: Er will über­haupt keine Anstal­ten gemacht haben, den Angeklagten zu schla­gen. Vielmehr sei er unver­mit­telt von dem 21-Jähri­gen ange­grif­f­en und geschla­gen wor­den. Es habe auch keinen Grund für den Angriff gegeben, denn die Schwest­er des Angeklagten habe er auch nicht belästigt, so der Geschädigte im Zeu­gen­stand.

Ärztliches Attest konnte der Geschädigte nicht vorlegen

Über die aus­geschla­ge­nen Zähne kon­nte er allerd­ings kein ärztlich­es Attest vor­legen. Das will der Geschädigte nach seinem Besuch bei einem Zah­narzt in Unna bei der Polizei abgegeben haben, als er Anzeige erstat­tete. Doch lag das ärztliche Attest heute wed­er bei Gericht vor, noch kon­nte sich der Geschädigte daran erin­nern, bei welchem Zah­narzt er in Unna gewe­sen war.

Auf Befra­gen durch den Richter sagte die Schwest­er des Angeklagten heute ziem­lich detail­liert aus, wie sie von dem Geschädigten monate­lang gestalkt wor­den ist. Daraufhin räumte der Geschädigte schließlich ein, dass er die junge Dame „schon ganz nett“ find­et und ihr auch Nachricht­en geschickt hat.

Für Richter Chris­t­ian Johann bestand deshalb kein Zweifel daran, dass der Geschädigte die Schwest­er des Angeklagten tat­säch­lich über Monate hin­weg belästigt und gestalkt hat.

Wohl auch deshalb fiel sein Urteil milde aus: Er verurteilte den 21-jähri­gen Angeklagten wegen Kör­per­ver­let­zung zu ein­er Geld­strafe von 200 Euro.

Gegen den Angeklagten sprach, dass er immer­hin neun Ein­tra­gun­gen in seinem Vorstrafen­reg­is­ter hat, darunter wegen schw­eren Dieb­stahls, von denen allerd­ings sieben Ver­fahren eingestellt wur­den. Außer­dem habe der Angeklagte ein Fam­i­lien­mit­glied schützen wollen. Trotz­dem bleibe der Faustschlag, den der Angeklagte ja ein­räumte, eine Kör­per­ver­let­zung. Was die möglichen Fol­gen ange­ht, gab es nur die Angaben des Geschädigten. Ein ärztlich­es Attest kon­nte dieser nicht vor­legen.

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.