1.800 Euro Geldstrafe für Diesel-Diebstahl aus „Brummi“

In der Nacht zum 30. Oktober vorigen Jahres wurde der 24-jäh­rige Dort­munder dabei erwischt, wie er gegen 0.20 Uhr aus dem Tank eines vor Tedox auf dem Park­platz an der Wil­helm­straße abge­stellten Lkw Diesel abzapfte. Der zweite Täter konnte uner­kannt ent­kommen. Sechs bis sieben große Kani­ster wollten die Die­sel­diebe abzapfen und in einem VW Golf abtrans­por­tieren. Doch dazu kam es nicht mehr. Denn der im Lkw schla­fende Fahrer bemerkte die Diebe und die Polizei konnte den 24-Jäh­rigen fest­nehmen.

Weil der Tank des Lkw mit einer Dieb­stahl­si­che­rung gesi­chert war und die Täter diese Siche­rung mit einem Schrau­ben­schlüssel auf­ge­bro­chen hatten, han­delt es sich um einen beson­ders schweren Dieb­stahl, für den sich der 24-Jäh­rige heute (11.6.) vor dem Amts­ge­richt Unna zu ver­ant­worten hatte.

Dort zeigte sich der Ange­klagte reu­mütig und geständig. „Ich habe sch… gebaut, aber ich stehe dazu“, erklärte der Ange­klagte dem Vor­sit­zenden Richter Johann. „Ich hatte etwas getrunken und war in Geldnot. Da habe ich mich über­reden lassen von meinem Kumpel. Das war eine Schnaps­idee.“ Danach seien sie zu zweit mit dem Golf ziellos durch die Gegend gefahren, um nach einem Lkw zu suchen.

Lkw-Parkplatz an der Wilhelmstraße zufällig entdeckt

In einem wesent­li­chen Punkt war der Ange­klagte, der inzwi­schen auch den Schaden finan­ziell aus­ge­gli­chen hat, nicht geständig: Seinen Mit­täter wollte er par­tout nicht ver­raten. Angaben zu dessen Iden­tität lehnte der 24-Jäh­rige ab. Das Tat­fahr­zeug, ein VW Golf, gehört seinem Cousin. Doch aus­ge­liehen habe der zweite Täter das Fahr­zeug. Auf Nach­frage des Richter behaup­tete der Ange­klagte außerdem: Den Park­platz an der Wil­helm­straße habe man sich nicht gezielt aus­ge­sucht, son­dern eher zufällig gefunden. Die Kani­ster mit dem gestoh­lenen Diesel habe er ver­kaufen wollen, aber noch keinen Abnehmer dafür gehabt.

Auch der bestoh­lene Lkw-Fahrer konnte heute im Zeu­gen­stand keine Hin­weise auf den zweiten Täter geben. Aller­dings sagte er aus, dass er durch den Dieb­stahl einen ziem­li­chen Schrecken bekommen hat und seit der Tat „den Groß­raum Dort­mund meidet“, wenn er im Lkw über­nachten muss.

Was ich gemacht habe war falsch“, ent­schul­digte sich dar­aufhin der Ange­klagte per­sön­lich bei dem Fahrer. „Ich wollte Ihnen keinen Schrecken ein­jagen. Das tut mir leid.“

Wollten Sie sich das Geld fürs Abschleppen nicht wie­der­holen? Ich habe arge Pro­bleme damit, Ihnen das zu glauben“

Vor­sit­zender Richter Johann

Schließ­lich wurde noch der Cousin des Ange­klagten in den Zeu­gen­stand gerufen. Dort redete sich der Halter des Tat­fahr­zeuges bei­nahe um Kopf und Kragen. Denn angeb­lich wollte er sich nicht mehr erin­nern können, wem er sein Auto in der Tat­nacht geliehen habe. Am Tag nach der Tat musste er als Halter sein Fahr­zeug beim Abschlepp­un­ter­nehmer Wid­li­czek in Unna gegen Zah­lung der Abschlepp­ko­sten aus­lösen. „Und da haben Sie sich nicht daran erin­nert, wem Sie Ihre Auto geliehen hatten?“, wun­derte sich der Richter. „Wollten Sie sich das Geld fürs Abschleppen nicht wie­der­holen? Ich habe arge Pro­bleme damit, Ihnen das zu glauben“, so der vor­sit­zende Richter Johann.

Natür­lich lag der Ver­dacht nahe, dass der Zeuge der zweite Mit­täter des Ange­klagten gewesen ist. Doch ermit­teln oder beweisen ließ sich das in der Ver­hand­lung nicht.

Erst auf mehr­fache ein­dring­liche Ermah­nung des Rich­ters nahm der Zeuge schließ­lich das Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht in Anspruch, da er sich nicht selbst bela­sten wollte. Andern­falls hätte ihm wohl eine Strafe wegen Falsch­aus­sage gedroht.

Dann werden wir den Namen Ihres Mit­tä­ters erfahren – und zwar von Ihnen. Denn dann werden Sie kein Ange­klagter mehr sein und als Zeuge aus­sagen müssen.“

Der Staats­an­walt zum 24-jäh­rigen Ange­klagten

Erle­digt sein dürfte die Ange­le­gen­heit damit für ihn nicht, wie der Ver­treter der Staats­an­walt­schaft bereits in der Ver­hand­lung deut­lich machte. Denn die Ankla­ge­be­hörde wird nach Ende des Ver­fah­rens den Ange­klagten noch einmal als Zeuge ver­nehmen. Dann werden wir den Namen Ihres Mit­tä­ters erfahren – und zwar von Ihnen. Denn dann werden Sie kein Ange­klagter mehr sein und als Zeuge aus­sagen müssen“, so der Staats­an­walt zum Ange­klagten gewandt.

Es liege der Ver­dacht nahe, dass der Ange­klagte nicht zum ersten Mal eine solche Tat begangen habe, so der Ankla­ge­ver­treter. Auch gebe es eine ein­schlä­gige Vor­be­la­stung, die aller­dings sechs Jahre zurück liege. Der ver­s­ur­sachte Schaden sei nicht mehr gering­fügig, viel­mehr habe der Ange­klagte eine erheb­lich kri­mi­nelle Energie an den Tag gelegt. Den­noch for­derte der Staats­an­walt keine Haft­strafe, son­dern nur eine Geld­strafe von 90 Tages­sätzen a‘ 20 Euro. Zugun­sten des Ange­klagten spreche, dass er Reue gezeigt, ein volles Geständnis abge­legt und zudem den finan­zi­ellen Schaden aus­ge­gli­chen habe.

Nachdem sich auch der Ver­tei­diger diesem Antrag ange­schlossen hatte, folgte auch der Vor­sit­zende Richter Johann mit seinem Urteil diesem Antrag.

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