1.200 Euro Geldstrafe für Griff an die Brüste einer Frau

Es stand Aus­sage gegen Aus­sage, wie so häufig beim Vor­wurf der sexu­ellen Belä­sti­gung. Am Ende glaubte das Gericht dem Opfer und ver­ur­teilte den Ange­klagten S., einen 27 Jahre alten Syrer aus Cottbus, zu einer Geld­strafe von 1.200 Euro.

S. soll am 2. Juli vorigen Jahres in einem Gäste­haus am Eick­hoff in Holzwickede, wo er als Mit­ar­beiter eines Per­so­nal­dienst­lei­sters für einige Monate wohnte, eine 56 Jahre alte Rei­ni­gungs­frau in seinem Apart­ment mit beiden Händen an ihre Brüste gefasst haben.

S., der kaum Deutsch spricht, bestreitet diesen Vor­wurf und schil­derte mit Hilfe seines Dol­met­schers einen ganz anderen Sach­ver­halt: Er habe die Rei­ni­gungs­kraft ange­spro­chen, weil sein Apart­ment schon seit Wochen nicht mehr gerei­nigt worden sei. Mit der Sau­ber­keit hätte es ständig Pro­bleme gegeben. Nicht nur in seinem Apart­ment, auch die anderen zwölf Bewohner, die zum dama­ligen Zeit­punkt in dem Gäste­haus wohnten, hätten sich über die man­gelnde Sau­ber­keit beschwert.

27-jähriger Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Etwa zwei Wochen vorher, hielt Richter Chri­stian Johann dem Ange­klagten vor, soll er die Rei­ni­gungs­frau auch schon zufällig im Aldi getroffen haben und dabei auf ihre Brüste gezeigt haben. Auch das bestreitet der 27-Jäh­rige. Auch bei diesem Treffen, sei es aus­schließ­lich um die Rei­ni­gung seines Apart­ments gegangen. Das Treffen sei auch in freund­li­cher Atmo­sphäre ver­laufen. Man sei lachend aus­ein­ander gegangen.

Die Rei­ni­gungs­frau schil­derte das Geschehen im Zeu­gen­stand völlig anders: Im Aldi habe sie S. zufällig getroffen, der sie auf die Post ange­spro­chen habe und bereits dabei in ein­deu­tiger Weise auf ihre Brüste gezeigt habe. „Ich habe ihm zu ver­stehe gegeben, dass das so nicht geht.“ Anschlie­ßend habe sie „ein mul­miges Gefühl“ gehabt und dar­über auch mit ihrem Chef gespro­chen, der ihr zu erhöhter Vor­sicht geraten habe, wenn sie wieder im Gäste­haus arbeite. Am 2. Juli habe sie dann gemeinsam mit ihrem Sohn die Apart­ments im Gäste­haus gerei­nigt. Ihrem Sohn habe sie den Vor­fall ver­schwiegen, weil sie ihn nicht beun­ru­higen wollte.

Plötz­lich habe S. in der Tür gestanden, wor­aufhin sie in das Bade­zimmer gegangen sei, das ihr Sohn gerade säu­berte. „Als ich wenig später zurückkam, stand S. immer noch da und er hielt mir die Hand hin“, so die Zeugin. „Ich dachte zuerst, er wollte sich ent­schul­digen.“ Statt­dessen habe S. sie gebeten, mit­zu­kommen, da in seinem Bade­zimmer der Was­ser­hahn defekt sei. „Ich bin ihm dar­aufhin ins Bad gefolgt. Plötz­lich hat er sich umge­dreht und mir an beide Brüste gefasst.“ Dar­aufhin habe sie sich los­ge­rissen und sei laut schreiend zu ihrem Sohn gerannt, so die Zeugin weiter. Ihr Sohn sei sofort ins Apart­ment von S. gelaufen, der jedoch nicht mehr da war. Sie habe dann auch ihren Chef infor­miert, der ihr riet die Polizei zu rufen.

Auf Nach­frage des Rich­ters bestä­tigte die Zeugin: „Ich habe mich wirk­lich schlecht gefühlt. Ich arbeite schon seit zehn Jahren in dem Gäste­haus, aber so eine Situa­tion habe ich noch erlebt.“

Komplett widersprüchliche Aussagen

Von Beschwerden über man­gelnde Sau­ber­keit habe sie erst nach dem Vor­fall gehört. „Vorher hat es da nie Beschwerden gegeben.“ In Absprache mit ihrem Chef werden die Apart­ments aller­dings nur dann gerei­nigt, wenn die Bewohner nicht im Zimmer sind. „Das wissen auch alle Bewohner. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Apart­ments nicht gesäu­bert werden können, weil jemand das Zimmer nicht ver­lassen will.“ Des­halb sei es auch durchaus mög­lich, dass einige Apart­ments tat­säch­lich wochen­lang nicht gerei­nigt werden und ent­spre­chend schmutzig sind. „Das Thema Sau­ber­keit war trotzdem nie ein Thema. Erst nach dem Vor­fall habe ich davon zum ersten Mal gehört“, so die Zeugin. Eine Ver­stän­di­gung mit S. und den Bewoh­nern des Gäste­hauses sei aller­dings auch „schwierig und nur mit Händen und Füßen mög­lich“ gewesen.

Auch Anklage und Ver­tei­di­gung plä­dierten völlig gegen­sätz­lich. Der Staats­an­walt bezeich­nete die Aus­sage der Zeugin als absolut glaub­würdig: Der von ihr geschil­derte ganze Kon­text sei „sach­lich und nach­voll­ziehbar“ dar­ge­legt worden. Schon nach dem Vor­fall im Aldi habe sie ihren Chef infor­miert und auch glaub­würdig erklärt, warum sie ihren Sohn zunächst noch nichts erzählt habe. Ihre Aus­sage sei „lebensnah“ und die Zeugin selbst habe einen „sehr boden­stän­digen“ Ein­druck auf ihn gemacht. „Ich kann auch keine Anhalts­punkte erkennen, dass sich die Zeugin eine derart kom­plexe Geschichte aus­ge­dacht hat“, so der Staats­an­walt. Zwar han­dele es sich „nach wie vor um einen min­der­schweren Fall“ von sexu­eller Nöti­gung. „Doch so darf man Frauen nicht behan­deln“, so der Ankla­ge­ver­treter, der eine Geld­strafe von 30 Tages­sätze a‘ 40 Euro für S. for­derte

Gericht hält Zeugin für glaubwürdig

Dessen Ver­tei­di­gerin sah die Vor­würfe gegen ihren Man­danten kei­nes­wegs als erwiesen an. Ihr Man­dant habe sich viel­mehr eben­falls „glaub­würdig und lebensnah ein­ge­lassen“. Er und auch andere Bewohner hätten die man­gelnde Sau­ber­keit in den Apart­ments bemän­gelt und S. dann mit einer Beschwerde gedroht. Da sei es nur „ver­ständ­lich, dass die Zeugin viel­leicht Angst um ihren Job bekommen“ habe und nicht ris­kieren wollte, dass ihr Chef etwas erfährt. Zumal es auch vorher schon Beschwerden gab. Darum seien „schon Bela­stungs­ten­denzen“ in der Aus­sage der Zeugin erkennbar. Da kein ein­deu­tiger Nach­weis des Tat­vor­wurfs mög­lich sei, bean­tragte die Ver­tei­di­gerin einen Frei­spruch.

Richter Chri­stian Johann schloss sich mit seinem Urteil dem Ankla­ge­ver­treter an und ver­ur­teilte S. wegen sexu­eller Nöti­gung zu einer Geld­strafe von 1.200 Euro. Auch der Richter hielt die Zeugin für glaub­würdig, wie er in seiner Begrün­dung erklärte. Die Zeugin habe eine „lücken­frei und sehr detail­lierte Aus­sage“ gemacht. Umge­kehrt sei es schon merk­würdig, wenn S. erklärt, dass sie bei dem Treffen im Aldi nach der ersten Beschwerde „noch guter Laune war und gelacht“ haben soll, aber nur zwei Wochen später dann nach der zweiten Beschwerde in großer Auf­re­gung gewesen sei. Der Griff an die Brüste der Frau sei „ein Ein­griff in das Selbst­be­stim­mungs­recht der Zeugin und eine Straftat“ gewesen, so der Richter.

Noch ist das Urteil nicht rechts­kräftig und kann S. Ein­spruch dagegen ein­legen.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.